Der Musiker Brad Mehldau hat zur aktuellen Situation bezüglich KI und Musiker einen interessanten Artikel geschrieben. Hier nach zu lesen.
In einem aktuellen Beitrag auf seinem Substack-Kanal findet der Jazz-Pianist Brad Mehldau deutliche Worte für die Köpfe hinter der KI-Musikplattform Suno. Auslöser ist eine Aussage des Suno-Chefs Mikey Shulman, der behauptet, dass Musikmachen heutzutage eigentlich keinen Spass mache, weil es zu viel Zeit und Übung koste.
It’s not really enjoyable to make music now. It takes a lot of time, it takes a lot of practice, you need to get really good at an instrument, or really good at a piece of production software…I think the majority of people don’t enjoy the majority of time they spend making music
Auf deutsch: Es macht heutzutage nicht wirklich Spass, Musik zu machen. Es kostet viel Zeit, es braucht viel Übung, man muss ein Instrument wirklich gut beherrschen oder eine Produktionssoftware perfekt bedienen können… Ich glaube, die Mehrheit der Menschen genießt den Großteil der Zeit nicht, die sie mit dem Musik machen verbringen.“
Die Ignoranz der Effizienz
Mehldau kritisiert diese Sichtweise als zynisch und ignorant. Während Shulman das Erlernen eines Instruments als mühsame Last darstellt, betont Mehldau, dass gerade diese harte Arbeit den Stolz und die Identität eines Musikers ausmache. Wer behauptet, die Mehrheit der Musiker geniesse den Prozess des Erschaffens nicht, verkenne die fundamentale Logik der Kunst: Die Freude und Ekstase am Tun offenbare sich direkt im musikalischen Ergebnis.
Das Privileg der Anstrengung
Die Kernbotschaft von Mehldau ist ein leidenschaftliches Plädoyer für das Streben:
- Wachstum durch Arbeit: Musiker lieben den Prozess, weil sie durch ihn als Menschen und Künstler wachsen.
- Respekt vor dem Publikum: Es geht nicht darum, ein schnelles, passables Produkt abzuliefern. Künstler investieren Tage und Stunden, um etwas mit echtem Wert zu schaffen – keine „aufgewärmte Scheisse“.
- Ein höherer Zweck: Kunst dient einem Ziel, das über transaktionale Logik hinausgeht.
Ein Blick auf die Realität 2026
Während die Debatte über die emotionale Tiefe der Musik tobt, ist die rechtliche Lage im Jahr 2026 bereits einen Schritt weiter. Grosse Labels wie Universal und Warner haben teilweise Frieden mit der Technologie geschlossen und suchen nach Lizenzmodellen. Doch der Widerstand bleibt: Sony Music fordert weiterhin Milliardenbeträge für Urheberrechtsverletzungen, und die GEMA führt Klagen an deutschen Gerichten, um die Kopie menschlicher Kreativität zu stoppen.
Am Ende bleibt die Frage: Wollen wir Musik, die per Knopfdruck entsteht, oder jene, die durch echtes menschliches Streben beseelt ist? Für Mehldau ist die Antwort klar – Musik ist mehr als eine App-Funktion.
Was denkst du darüber?
Ist Musikmachen für dich eine leidenschaftliche Reise, bei der der Weg das Ziel ist? Oder findest du, dass KI-Werkzeuge eine Chance bieten, die Barrieren für kreativen Ausdruck endlich einzureissen? Brad Mehldau warnt davor, die menschliche Anstrengung durch einen simplen Knopfdruck zu ersetzen.
Schreib mir deine Meinung in die Kommentare! Geniesst du das harte Training an deinem Instrument oder wartest du sehnsüchtig auf den Moment, in dem die Technik dir die Arbeit abnimmt? Diskutieren wir darüber, was wahre Kunst im Zeitalter der Algorithmen ausmacht.


