Lukas Landis ist als Schlagzeuger in der Schweiz tätig. Wir haben mit Ihm über seine Arbeit als Schlagzeuger geredet und wie er die Corona Pandemie bislang erlebt und gemeistert hat.
Es ist spannend zu sehen, wie Musiker Ideen umsetzen. Plötzlich gezwungen werden neue Wege zu suchen und unbekannte Türen zu öffnen. Lukas Landis hat diese Zeit zudem genutzt um ein wirklich hilfreiches Lehrbuch für den Schlagzeug Anfänger zu schreiben.
JazzDrummerWorld
Lukas, wir alle erleben aussergewöhnliche Zeiten. Seit 2020 ist nichts mehr so wie es war. Gerade uns Musiker hat diese Corona Pandemie stark zugesetzt. Wie hast du die Zeit erlebt, wie bist du damit umgegangen und was ist bei dir passiert?
Lukas Landis: Zu Beginn des ersten Lockdowns bis etwa Anfang Juni 2020 war die Zeit sehr intensiv. Als Haushalt mit 5 Personen mussten wir uns komplett neu organisieren, drei Kinder im Fernunterricht, sowie Eltern die von zuhause aus Fernunterricht erteilen sollten. Meine Frau arbeitet als Primarlehrerin, ich zu einem grossen Teil als Schlagzeuglehrer. Seitens der Arbeitgeber hiess es nach drei Tagen «Schonfrist», erteilt jetzt mal Fernunterricht, wie auch immer. Da musste man sich zuerst mal organisieren. Auch zuhause, da wir ganz bewusst nicht für jedes Familienmitglied einen Computer oder ein Tablet haben.
Da kam es schon mal zu Geräteknappheit. Zusätzlich mussten auf einmal grosse Datenmengen den Schülern bereitgestellt werden. Da seitens der Arbeitgeber keine Plattformen vorhanden waren, musste dies selbst organisiert werden. Dropbox, WeTransfer und ähnliches, um den verschiedenen Bedürfnissen aller Schüler gerecht zu werden. Und so ganz nebenbei lässt sich das Schlagzeug nicht so einfach mit dem im Laptop integrierten Mikrofon und Kamera zum Schüler transportieren. Es musste eine brauchbare, preiswerte sowie gut funktionierende Lösung gefunden werden. In meinem Fall war es eine Videokamera mit integriertem Mikrofon und zusätzlichen Audioeingängen.

Eine komplexe Lösung mit Audio Interface kam nicht in Frage, da das System auch transportabel sein musste da ich verschieden Arbeitgeber sowie Arbeitsorte habe. Zu Beginn der Pandemie war noch nicht klar, von wo aus ich den Fernunterricht machen würde. Natürlich mussten alle diese Kosten selbst getragen werden. Ich bin aber froh, dass mein Lohn von der Musikschule immer bezahlt werden konnte, dies war nicht von Anfang an klar. Kaum hatte ich alles eingerichtet und die ersten Kinderkrankheiten ausgemerzt, musste die ganze Familie 14 Tage in Quarantäne. Wir wissen bis heute nicht, ob wir die Grippe oder Corona hatten, damals wurde man mit Symptomen nicht getestet, Arztbesuche waren nur bei lebensbedrohlichen Situationen erlaubt. Es musste in einer Nacht- und Nebelaktion, morgens um 01.00 Uhr, mein ganzes Equipment zu mir nach Hause gebracht werden.
So war es mir möglich in Quarantäne, von zuhause aus zu unterrichten. Nebenbei galt es auch noch einen schlauen Tagesablauf für unsere drei Kinder zu (er)finden.
Als man dann ab Juni wieder unterrichten durfte, war dies schon eine grosse Erleichterung. Konzerte gab es wenige in Jahr 2020. Das waren ca. 15 anstelle von 70, was normalerweise der Fall ist. Schon schnell war auch klar, dass ich von der SVA Erwerbsersatz für den Konzertteil erhalten würde, der Betrag beläuft sich auf etwa 20% meines Konzertumsatzes. Auf andere Unterstützung habe ich keinen Anspruch. Mein Einkommen als Schlagzeuglehrer ist zu gross. Im Herbst 2019 hatte ich mir noch Gedanken gemacht, ob ich das Unterrichten auf Grund der vielen Konzertanfragen ein bisschen reduzieren sollte. Zum Glück hatte ich diese Idee verworfen.
Jeder Musiker muss für sich individuell einen Weg finden, wie er den Weg gestaltet, um Kunst, Unterhaltung, Unterricht und anderen Tätigkeiten zu vereinen, damit er sich seinen Lebensunterhalt verdienen kann und zufrieden damit wird. Jammern ist die schlechteste Lösung!
JazzDrummerWorld
Welche Chancen bietet uns diese Pandemie, was denkst du?
Lukas Landis: Chancen, finde ich ein gewagtes Wort. Die Pandemie hat einmal mehr aufgezeigt, dass man als Musiker nie auf der faulen Haut liegen kann, sich immer bewegen muss und dass man schlussendlich für sich und die seinen selbst verantwortlich ist. Auch hat man wieder einmal gesehen, was echte Freunde sind und wer bereit ist auch etwas zum Wohle andere zu tun.

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Wie hast du deine Zeit bislang genutzt? Hast du neue Projekte realisiert, so wie es irgendwie möglich war?
Lukas Landis: Nach der ersten Umgewöhnungsphase, habe ich persönlich viel mehr Sport mit meiner Familie gemacht. Ich habe mich mit anderen Schlagzeuglehrern vernetzt. Wir haben versucht unsere Erfahrungen mit dem Fernunterricht zu teilen und einander gegenseitig zu unterstützen.
Dann habe ich grossen Teil meiner Musiknoten digitalisiert. Am Haus und im Garten vieles renoviert oder in Angriff genommen. Sehr, sehr viel geübt. Mehrere Bücher über Pädagogik, Unterrichten, Lehren und Entwicklungspsychologik gelesen. Private Jams mit Musikern auferstehen lassen, mit denen ich schon über 15 Jahre nicht mehr Musik gemacht habe. Für Andrew Bond, einen langjährigen Freund und Arbeitgeber durfte ich für zwei Projekte ins Studio.
Und ich habe mein erstes Lehrmittel «Jede Tag öppis Chlisäs» (Anm. d. Red. Schweizerdeutsch und bedeutet: Jeden Tag etwas kleines) geschrieben. Ein Buch mit einem Warm-Up pro Tag für den Anfänger. Eine Übung für jeden Tag im Jahr. Ein Konzept, welches SchülerInnen ergänzend zum Unterricht nahezu selbständig erarbeiten können. Das hat etwa von der Grundidee bis zum Druck 10 Monate in Anspruch genommen.
Viele Schlagzeuger Freunde haben mir ihre Gedanken dazu mitgeteilt, ein Feedback dazu gegeben, oder mich einfach moralisch unterstütz.
JazzDrummerWorld
Was möchtest du gerade loswerden und weitergeben an die Musiker da draussen?
Lukas Landis: Musiker/Musiklehrer zu sein ist der schönste Beruf den es gibt, da er eine Berufung ist.

Es braucht zwar einen besonderen Effort um dies tun zu können, es ist aber auf jeden Fall ein Privileg dies tun zu dürfen. Jeder Musiker muss für sich individuell einen Weg finden, wie er den Weg gestaltet, um Kunst, Unterhaltung, Unterricht und anderen Tätigkeiten zu vereinen, damit er sich seinen Lebensunterhalt verdienen kann und zufrieden damit wird. Jammern ist die schlechteste Lösung.
Videos
Weitere Interessante und inspirierende Videos von Lukas Landis gibt es bei Youtube.
JEDE TAG ÖPPIS CHLISÄS
Lukas Landis hat ein schönes Lehrwerk für den Anfänger am Schlagzeug geschrieben. «JEDE TAG ÖPPIS CHLISÄS» ist schweizerdeutsch und bedeutet «Jeden Tag etwas kleines». Im Buch findet man Übungen für jeden Tag des Jahres. Perfekt auch für den Unterricht und es begleitet den Anfänger von Anfang an, mit vielen elementaren Übungen.
Erhältlich als Buch oder PDF. BUCH: 15.-inkl. Porto / PDF: 5.- Bestellen kann man es direkt unter lukaslandis.ch.




