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Tosho Yakkatokuo Sticks, Skins & Sushi

Interviews 26. Juli 2011 - 11:36 UHR 0 Kommentare
Seit gut zwei Jahrzehnten sitzt er bei Philipp Fankhauser am Schlagzeug und ist verantwortlich für Drive und Rhythmik der Band. Doch dies ist nur eine Seite von Tosho Yakkatokuo. Auch als Filmproduktionsleiter oder Sushi-Caterer betätigt er sich mit Erfolg. JAZZ’N’MORE sprach mit Tosho Yakkatokuo am Blues Festival Basel über seinen Werdegang.Von Marco Piazzalonga

Tosho Yakkatokuo
© Copyright Foto by Peewee Windmüller

JNM: Wo hast du deine musikalischen Sporen abverdient?

Tosho Yakkatokuo: Ich begann mit meinem Bruder, Musik zu machen. Er war ein grosser Jimi-Hendrix- Fan und spielte Gitarre, während ich mit Schlagzeug anfing. Stark beeinflusst wurde ich von Jimis Platte ”Band Of Gypsys” mit Buddy Miles an den Drums. Irgendwo interessierte mich schwarze Musik immer stärker als etwa die Rolling Stones oder die Beatles – ich hörte immer viel mehr schwarze Musik zu Hause. Bands wie Earth, Wind & Fire, James Brown oder die Crusaders fand ich heiss. Eines meiner ersten seriösen Projekte war Mano, eine Kunstrock-Band, die sicher drei oder vier Jahre existierte und dann in Illegal Fun überging. Wir gaben regionale Konzerte, fuhren auch mal nach Chur oder nach Bern, wurden aber nie speziell bekannt. Anfang 1983 kam dann eine Anfrage von Sofa. Die Band war mit ihrem Schlagzeuger nicht mehr zufrieden und fand, ich sei der Richtige für sie.

Wir gingen gleich ins Studio und nahmen vier Songs auf, mehr hatten wir nicht. Vier Songs waren zu viel für eine normale Single, deshalb nannten wir sie 33/45 und liessen eine Seite mit 33 und die andere mit 45 Umdrehungen pro Minute pressen. Das war jeweils lustig am Radio: Die Mitarbeiter schafften es praktisch jedes Mal, die falsche Tourenzahl einzustellen, was uns werbemässig sehr genützt hat! Mit Sofa nahmen wir auch an der Schweizer Rock- und Jazz- Ausscheidung in Augst teil und gewannen prompt in jenem Jahr. Der erste Preis war ein Auftritt im Hauptprogramm von Montreux, wobei Claude Nobs uns vorher schon noch anhören wollte, dann sein O.K. gab. Im Sommer 1983 spielten wir praktisch an jedem Festival, es ging ab wie eine Rakete. Mir persönlich half dieser Erfolg sehr, da man mich nun zuordnen konnte – das ist der Schlagzeuger von Sofa, und so erhielt ich viele Jobs. 1984 erschien eine nächste Platte von Sofa, und ich organisierte uns eine Tournee zusammen mit der Band Stitch durch Norddeutschland, Holland, Dänemark und Schweden. Eigentlich war dies eine gute Null-Budget-Tournee im Stile von: Niemand verdient etwas, aber niemand legt auch was drauf. Zugleich bearbeitete ich einen Konzertpromoter in Holland, der uns ins Vorprogramm einer europäischen Joe- Cocker-Tour hätte bringen können. Da aber meine Mitmusiker gegen Ende unserer Tournee schon ein wenig müde waren und Heimweh verspürten, hatten sie kein Interesse daran. Worauf es mir ziemlich ablöschte. Das hat mich sehr getroffen und enttäuscht. Ich kündigte Sofa und verreiste für ein Jahr nach Südamerika. Die Mitarbeiter beim Radio schafften es praktisch jedes Mal, die falsche Tourenzahl einzustellen.


The Blues

JNM: Hat das Time-out etwas gebracht?

TY: Ja, wieder zurück, spielte ich mit der Funkband Ghetto Netto, mit den Wild Hearts, mit Bo Katzman etc. 1989 kam dann die Anfrage von Philipp Fankhauser, ob ich bei ihm und der Sängerin Margie Evans mitspielen wolle. Denn kurz nachdem seine erste Platte erschienen war, trennte sich Philipp von seiner ursprünglichen Band. Er suchte neue Musiker, welche fähig waren, so zu spielen, wie er sich das vorstellte. Ich muss zugeben, dass ich damals überhaupt keine Ahnung von Blues hatte. Aber Philipp fand einfach, ich hätte den richtigen Groove.

JNM: Wobei wir wieder bei der schwarzen Musik wären.

TY: Voilà! Ich meine, die Shuffles findet man auch im Funk. Dies war mir nicht neu, und ich realisierte schnell: Ah, das beherrsche ich ja. Natürlich spielte Philipp mir auch vieles vor und gab mir ein gutes Teaching über Ursprung und Entwicklung des Blues. So wuchs ich schnell in die Sache hinein, natürlich auch dank Konzerten mit Johnny Clyde Copeland oder mit Katie Webster. Bevor wir Gäste begleiteten, haben wir uns immer ihre Songs auf Platte angehört. Dann ging Philipp längere Zeit zu Johnny Copeland nach Amerika, und ich konzentrierte mich auf andere Projekte. Z.B. mit den Wild Hearts lief einiges. Ausserdem zog ich 1997 eine Sushi-Bar auf. Als Philipp schliesslich zurückkehrte, wollte er eigentlich aufhören, Musik zu machen. Ich traf ihn dann in Bern, als ich bei Andy Egerts Band aushalf, und holte ihn für zwei Songs auf die Bühne. Da hat es ihn wieder gepackt. Ich sagte ihm: Philipp, stell doch ein Trio zusammen, spiel wieder, mach es aber ohne mich. Mir fehlt die Zeit dafür, ich habe meine Sushi-Bar. Er tat sich mit ein paar Musikern zusammen, organisierte ein paar Konzerte und merkte, so geht es nicht. Darauf kam er wieder zu mir und bat mich, für die anstehenden Engagements einzuspringen. Philipp wusste zu jenem Zeitpunkt, dass Richard Cousins, der ehemalige Bassist von Robert Cray, in der Schweiz lebte, und schlug vor, auch ihn anzufragen. Ich aber hatte von Cousins nur Negatives gehört, nämlich dass er ein mühsamer Kerl sei, der einen Schlagzeuger nach dem anderen verheizen würde. Er würde jeweils ausflippen, wenn ein Drummer nicht gleich beherrsche, was er sich vorstellt. Nun, wir hatten eine Session zu dritt in meinem Übungsraum. Richard schaute mich irgendwann komisch an und zog mich schliesslich auf die Seite, um zu fragen: Du, was ist das, was Philipp hier eigentlich macht? Denn Philipp ist ein sehr unkonventioneller Musiker. Wenn man nicht gerade eine fixe Form hat, kann es passieren, dass er mal einen Takt auslässt oder zufügt. Richard bemerkte zu mir: Meint er das ernst? Ich sagte: Schau, das ist nun einfach so, andere haben dies auch gemacht. Philipp ist einer, der eben nicht zählt! Richard hat John Lee Hooker schon begleitet, daher hat er etwas Ähnliches ja schon gekannt. Und darum konnte er Philipp schliesslich auch folgen. So fingen wir an, Konzerte zu geben, und ich bemerkte, dass Richard mich akzeptierte. Und zwar primär einmal, weil ich den Shuffle beherrschte. Der ist etwas Grundlegendes, und er ertrug es nicht, wenn andere es nicht spielen konnten. Das war mein Freipass, dass wir zusammen funktionieren konnten. Und der Rest ist Geschichte.

Drumming

JNM: Wie erlebst du die Rolle des Blues- Schlagzeugers im Gegensatz zu einem Rock- oder Jazzdrummer? Gibt es da grosse Unterschiede?

TY: Ich glaube nicht. In jeder Art von Musik hält der Schlagzeuger die Zügel in der Hand. Er ist verantwortlich für den Groove, er ist verantwortlich für die Dynamik, für das Tempo natürlich, er muss steady bleiben, nicht zu vergessen das Einleiten der Übergänge, und er muss alles zusammenhalten. Man muss bei einem Schlagzeuger einfach spüren, da ist die Eins! Dies sind die Verantwortungen, die ich als Drummer habe. Das kann man auch übertragen in den Bo Katzman Chor, vielleicht ein gutes Beispiel, da sind gut 200 Amateure und singen, und wenn ich da nicht konstant mit klaren Schlägen markiere: Schau, da wären wir eigentlich, würde die ganze Sache auseinanderfallen.

JNM: Was ist, abgesehen vom Musikalischen, deine Rolle in der Philipp Fankhauser Band?

TY: Ich schreibe die Programme, d.h. ich bestimme die ganze Dramaturgie des Auftritts, das mache ich sehr gerne. Da vertraut mir Philipp voll. Es gibt ja immer wieder Radioshows oder Konzerte mit zwei Sets, mal länger, mal kürzer, und die passe ich jeweils an. Daneben ist Philipp natürlich seit 22 Jahren mein musikalischer Weggefährte – und ich der seine – und da ist in all dieser Zeit eine Freundschaft entstanden, in der man sich auch austauscht.

JNM: Wie gerne arbeitest du als Livedrummer im Studio?

TY: Ich arbeite eigentlich sehr gerne im Studio. Fürs letzte Album gingen wir ins Studio, als wir erst gerade vier oder fünf Songs beisammenhatten. Dennis Walker und Alan Mirikitani als Produzenten wussten das, da sie im Vorfeld immer wieder um Material nachgefragt und wenig erhalten hatten. So schrieben sie ein paar Nummern, die wir dann unter ihrer Regie vor Ort zusammen umsetzten. Dies war wirklich sehr interessant, weil Alan von Anfang an darum bemüht war, zu reduzieren. Er sagte: Komm, versuchen wir dies und jenes ein bisschen anders zu spielen. Auf dem vorhergehenden Album (”Love Man Riding”) haben sie in Amerika nach den Aufnahmen einiges korrigiert oder ersetzt, doch dieses Mal ist wirklich alles von uns gespielt. Die ganze Platte – und darauf bin ich stolz – habe ich ohne Clicktrack eingespielt. Nicht dass ich ungern mit Clicktrack aufnehmen würde. Doch durch natürliches Timing lebt und atmet ein Song mehr. Es ist auch ein Kompliment für uns, dass das Produzententeam fand, diese Liveband ist fähig, auf diese Weise eine CD aufzunehmen. Sie hätten ja auch mit amerikanischen Musikern aufnehmen können, doch haben sie gemerkt, dass wir durch unsere vielen Konzerte einen eigenen, speziellen Sound entwickelt haben.

JNM: Was hat der steigende Erfolg für Veränderungen gebracht?

TY: Da wir seit ”Try My Love” fast nur noch mit den Bläsern unterwegs sind, wird alles weniger flexibel. Das heisst, die Entscheide, die Philipp als Frontman und musikalischer Ideengeber auf der Bühne fällt, sind mit den Horns nicht mehr so einfach umzusetzen, wie wenn wir im Quintett spielen. Auch werden die Shows grösser. Und eigentlich gingen wir davon aus, dass wir bei grösseren Sälen weniger Konzerte geben würden. Im Gegenteil: Wir spielen noch öfters. Und die Säle sind ausverkauft. Es gibt offenbar immer mehr Leute, die uns hören wollen, und viele kommen anscheinend drei, vier, fünf, sechs Mal pro Jahr. Und so langsam erhalten wir auch internationale Reaktionen, ohne dass wir tingeln müssen. Wir werden an spezielle Festivals und Orte eingeladen, wo es Spass macht, da ein Stammpublikum ein volles Haus garantiert. Im 2012 werden wir die Ehre haben, bei der US Legendary Blues Cruise dabei zu sein. Das ist ein absoluter Meilenstein, wie damals die Einladung an das Chicago Blues Festival.

JNM: Hast du überhaupt noch Zeit für deine Filmaktivitäten?

TY: Ich habe einige Produktionsleitungen gemacht, u.a. in ”Süssigkeiten”, ”Big Deal” oder ”One Bullet Left”. Das liegt nun nicht mehr drin. Diesen Winter bin ich nochmals Vater eines Buben geworden, Otis kam am 5. Dezember zur Welt. Daneben übe ich konsequent jeden Tag zwei, drei Stunden am Instrument. Ausserdem bin ich Gründungsmitglied und Gesellschafter des Musikclubs Exil und arbeite in der Programmierung mit. Und ab und zu reicht es mal zeitlich noch für ein Sushi-Catering.

Informationen zum Interview

Zur Person: Tosho Yakkatokuo wurde 1956 in Yokohama, Japan, als Sohn einer Halb-Japanerin und eines Schweizers geboren. Mit zwei Jahren Umzug in die Schweiz. Schulzeit in Männedorf. Schlagzeuger, Filmproduktionsleiter, Promoter, Sushi-Koch. Lebt heute in Zürich. www.tosho.ch

Dieses Interview führte Marco Piazzalonga und wurde von Jazz’n’More mit freundlicher Genehmigung für jazzdrummerworld.com zur Verfügung gestellt. Erschienen in der Ausgabe 4/2011 Juli/Aug.

Weitere Informationen zu Philipp Fankhauser gibt es unter philippfankhauser.com

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