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Oli Rubow Interview

Interviews 26. Juli 2010 - 09:42 UHR 1 Kommentar
Oli Rubow ein Klangästhet, welcher weiss wie man ein akustisches Set geschmackvoll mit Elektronik kombiniert. Ein experimentierfreudiger Schlagzeuger, mit vielen kreativen Ideen. Oli Rubow sticht aus der Masse heraus. Wir sprachen mit ihm über seine Philosophie, Ideen hinter den Drums, aktuelle Projekte, über das Musikbusiness und vieles mehr. Entstanden ist ein interessantes sowie umfangreiches Interview mit dem sympathischen Schlagzeuger Oli Rubow.

Oli Rubow

© Photo by THOMAS ROESSLER

JDW: Oli, wie hat das bei dir alles mit dem Schlagzeug spielen angefangen?

Oli Rubow: An meinem zehnten Geburtstag habe ich mein erstes Schlagzeug bekommen, ein Remo Practice Kit ohne Becken und Fußmaschine. Trotz des eintönigen “pock pock” Sounds hatte ich großen Spaß mit den grauen Tellern. Aber ein Jahr später wurde es durch ein „richtiges Kit“ ausgetauscht, ein Sonor Champion mit allem Drum und dran und Becken. Yeah! Es folgten mehrere Jahre Unterricht an der Musikschule – Noten lesen lernen und etwas Übe-Disziplin. 1993 hat sich ein langgehegter Wunsch erfüllt und ich bin der Einladung nach Hamburg zum “Kontaktstudiengang Popularmusik” gefolgt. Seitdem lebe ich vom Trommeln, quer durch die verschiedensten Genres (- fast alles außer Schlager und Volksmusik -) und Länder.

JDW: Mit welchen Projekten beschäftigst du dich zur Zeit?

OR: Ich komme gerade zurück von einer sechswöchigen De Phazz Tour quer durch Europa, Russland und die Ukraine. Grobe Stilrichtung – Achtung Zitat aus der Musikkritik: „De Phazz= Godfathers of Lounge“. Danach ging es direkt zum Meinl Drum Festival, wo ich mit Bertil Mark im Duo aufgetreten bin.

Seit 2000 trommle ich in der Band des Bassisten Hellmut Hattler. Mit “Hattler” (- Sound, irgendwo ganz eigen zwischen Elektronik, Jazz und Pop -) stehen ein paar Sommerfestivals sowie eine Tournee im Oktober auf dem Programm. Dann spiele ich noch mit einer weiteren deutschen Plektrum-Bass Legende – mit Wolfgang Schmid (Energie!), sowie mit der Badesalz-Hälfte Henni Nachtsheim.

Toll bei allen Projekten: Ich muss nicht verbiegen, darf trommeln wie ich bin, sprich:

100% Organic

Eigene Musik verwirkliche ich mit Netzer – einem Gitarren Trio zwischen Dancefloor und Jazz – und in von der DJ-Kultur inspirierten Solo-Performances, like:



Als Freizeitbeschäftigung, aber auch zur Inspiration, jamme ich leidenschaftlich gerne mit DJs …

Last but not least gibt es noch die Abteilung „Workshop“. Das bereitet mir grossen Spass, hilft mir zudem selbst, die vielen Ideen (aus Buch und Blog) zu komprimieren, zu kanalisieren und auf den Punkt zu bringen. Freue mich daher sehr auf das 2. Percussion Creativ Drum Camp in Südtirol und das Dresdener Drumfestival.

JDW: Kannst du erklären worum es in deinem Buch „E-Beats“ konkret geht?

OR: „E-Beats am Drumset“ ist ein kreativer Styleguide für ein modernes und klangbewusstes Schlagzeugspiel.

Ich möchte damit die Rhythmuswelt der DJ- und Club-Kultur schmackhaft machen und stelle unterschiedliche Konzepte vor, wie die ursprünglich elektronischen und/oder programmierten Beats authentisch und handgemacht getrommelt werden können.

Das Buch beginnt mit einem Einblick in das maßgebliche Handwerkszeug der bastelnden Rhythmus-Produzenten. Im Detail werden dabei das Instrumenten-Konzept, sowie die Spezialitäten von Rhythmusmaschine und Sampler, E-Drum und Plattenspieler, Tonstudio und PC unter die Lupe genommen. Hörbeispiele auf der beigelegten CD und über 270 Plattentipps runden die Theorie ab.

Im anschließenden praktischen Teil steht die bühnenfähige Umsetzung der elektronischen Ästhetik im Zentrum des Geschehens. Viele Tipps betreffen das akustischen Schlagzeug. Beispielsweise das kreative Präparieren der Trommeln und Becken, der Einsatz exotischer Schlagmaterialien oder spezielle Spieltechniken. Parallel dazu verdeutlichen Notenbeispiele die typischen Groove-Klischees einiger Genres.

Ein weiteres Segment widmet sich der Schlagzeug-Elektronik. Hier geht es um die Einbeziehung von Effektgeräten, Triggern und E-Drums, Zuspielmedien und dem Computer.

Der Leser kann sich von aussergewöhnlichen Ideen inspirieren lassen, die seinem Drumming klanglich neue Dimensionen eröffnen: Trommeln mit einem Echogerät, die zusätzliche Boom Bass Drum, Ableton Live als „bewegliches Playback“, der Rechner als E-Drum Brain und vieles mehr.

Egal in welchem Genre sich der Leser zu Hause fühlt, möchte dieses Buch sein klangliches Vokabular erweitern und ihm – stilungebunden – viele kreative Anstöße und frische Ideen auf dem Weg zur eigenen Schlagzeugpersönlichkeit geben.

„E-Beats am Drumset“ erschien im April 2007 im LEU-Verlag (ISBN 3-89775-092-9). 116 Seiten, mit CD 24,90. Pressestimmen dazu gibt’s hier.

E-Beats Book

JDW: Erzähl doch mal zu deinem Setup, welches ja doch was besonderes ist. Was für ein Konzept steckt dahinter?

OR: Das momentane Equipment-technische Ziel ist ein akustisch-elektronisches Hybrid-Set für’s völlig freie Spiel – mit Club-Approach!

Die akustische Basis ist übersichtlich: eine kleine 20“ Kick, eine obertonreich gestimmte 14“ Snare (beide aus der Tama Starclassic oder Superstar Serie), 14“ Hihat (Meinl Byzance Jazz), ein sehr dünnes, schnell ansprechendes 17“ Crash (Meinl Byzance Jazz, Extra Thin) und ein 20“ Sizzle-Ride (Meinl Byzance Club Ride). Die Klangvielfalt entsteht durch facettenreiches Stock-und Schüttelmaterial (Meinl Jingle Stick, Maracas, One Shot Shaker, Besen, Rods, Filz-und Holzstöcke) und die ein oder andere Auflage – vom Geschirrtuch über ein umgedrehtes Fell, bis zum Drumbal.

Meinl Cymbal generation-x

Jetzt kommt Strom ins Spiel, denn das gesplittete Snare-Mikrofonsignal will vorverstärkt werden. Diese Funktion übernimmt der EHX Vocoder und schickt das Signal weiter über die links neben der Hihat zum An/Ausschalter abgestellte Boss A/B-Box, von dort über ein kleines Mischpult („Verteiler-Pult“) zum eigentlichen Bestimmungsort: dem grünen (Line6 DL-4) Echogerät.

Ebenfalls an der Snare klemmt der analoge Coron Drumsynth, dessen langes, abfallendes Piiuu-Signal durch einen Hallraum (Alesis Microverb II) und den handgemachten grünen Push-Button laufen wird, um bei Bedarf den Zuhörer mit typisch dubbigen Reverb-Shots wach zu rütteln!

An der Bassdrum klemmt ein Trigger (Roland RT-10K). Von ihm führt ein Kabel in einen weiteren analogen Drumsynthesizer, wahlweise ein Tama Techstar TS-206 aus den frühen 80er Jahren oder eine Jomox Mbase01 neueren Datums. In diesen Geräten bereite ich einen phatten analogen Bass-Sound vor, der klanglich vom folgenden Oto Biscuit Filter verdreht werden kann. Jetzt Achtung, Kunstgriff: ein weiteres Echogerät, das Boss Space Echo RE-20, kommt ins Spiel: der Originalklang wird komplett weggedreht, nur eine Wiederholung eingestellt, und das Songtempo in Achtel getappt. Trete ich nun auf der Kick Viertelnoten, folgt mein „Bass“ in Achtel-Offs, trete ich die Kick komplexer, antwortet der Bass als Virtuose …

Oli Rubow

© Photo by THOMAS ROESSLER

Jetzt gibt es noch ein drittes E-Drum, nämlich mein Roland SPD-S (plus KD-7 Kickpedal), dessen Sounds alle erstmal auf den SPD-S „Output L“ gerouted werden und schließlich das Filter und Sequenzer-Pattern der Acidlab Bassline durchlaufen. Ich nenne dieses Signal mal: special equalized electronic content, oder so.

Ausgewählte Sounds werden im SPD-S in die Mittelstellung (Center) gerückt, kommen somit auch aus SPD-S „Output R“ heraus und machen jetzt einen zusätzlichen Umweg über das „Verteiler-Pult“, ebenfalls zum „grünen“ Echogerät.

Der Bassline Sequenzer läuft deshalb tight mit, da er von meiner Ableton-Software (bzw. vom Motu Traveler) ein MIDI Clock Signal empfängt (dessen Tempo ich durch Tappen bestimme) und ich mich natürlich auf einen ebenfalls dort angelegten Clicktrack draufsetze. Im Ableton Live habe ich zudem noch einen synthetischen Akkord angelegt – harmonisch passend zu meinem „Kick Bass“, der Bassdrum-Stimmung und allen SPD-S Klängen-, der in einer Dauerschleife zum Vocoder fliesst und dort per Fussdruck in die Snare-Echo-Linie eingebunden werden kann. Als letzten Trumpf kann ich noch die Verbindung von SPD-S zur Bassline kappen, dann erklingt der Bass-Synthesizer in typischer TB-303 Manier.

Insgesamt gibt es VIELE interessante Regler, die ich während des Spiels mit meiner linken Hand bediene. Hört sich kompliziert an, ist aber eine Trommel-Ansatz-Veränderung, die sich schleichend verselbstständigt. Und indirekt meinen persönlichen Stil prägt…

Zusammenfassung: Das Setup stellt mir eine ausserordentlich üppige Klangvielfalt zu Verfügung, akustisch wie elektronisch, von eigenartig bis Klischee ist eigentlich alles dabei. Mein grünes Echo verbindet die beide Ebenen, verklebt analog und digital zu einem Brett! Dadurch dass sich jegliche rhythmische Elektronik durch Tap Tempo meinem Beat folgen lässt, kann ich frei spielen wie ein Jazzmusiker, improvisieren und interagieren.

Foto vom Meinl Drumfestival im FB

JDW: Du hast auch diese speziellen Felltatoos, mit diversen Aufschriften auf dem Fell. Was hat es damit auf sich?

OR: Bedruckte Felle finde ich schick und eigen. Sie personalisieren einerseits mein Drumkit, dienen aber auch in der Erklärsituation (z.B. bei Workshops) als visuelle Unterstützung oder als Assoziationsanker.

Snarfell Tattoo Oli Rubow

Auf der Suche nach einem Cover-Motiv für mein Buch, habe ich angefangen, mein Snarefell mit unterschiedlichen Klangzonen und Präparationsvorschlägen zu verzieren. Für die Drums&Percussions Fotostrecke kamen ein Standtomfell (mit diversen kreativen Kunstgriffen) und das Bassdrum Frontfell mit dem aufgedruckte QR-Barcode hinzu. Bedruckt werden die Felle übrigens von Volker Träuptmann aka Drumsigns.

Heute ist das Simmons-Sechseck auf der Kick meine Reminiszenz an die elektronische Technologie.
Fehlt nur noch ein Platz für meine Initialien, die ich zum „organic“ Imperativ (inklusive MIDI Schnittstellle) erweitert habe…

Schliesslich gibt es noch den bedruckten Trommelstock, den Ice Stix STEADY RIM CLICKR. Anstelle eines „O.R. Signature“ Stocks habe ich mir Gedanken zu einer sinnvollen Stock-Zierde gemacht. Herausgekommen ist die Idee zu einem Lineal-Aufdruck für den Trommelstock, der als optische Hilfe einem gleichbleibenden Rimclick Sound dient. Ein geschicktes Hilfsmittel für die Arbeit im Studio, bei der oft ein konstantes Signal (Klang und Lautstärke) gewünscht wird, außerdem eignet der STEADY RIM CLICKR bestens zum stilgetreuen Imitieren von programmierten oder elektronischen oder statischen Rim-Samples (wie sie gerne in Hip Hop, Drum ‘N Bass, House, Techno eingesetzt werden).

JDW: Wie denkst du über das Musik Business von heute? Es hat ja sich ja viele verändert und auch Musiker müssen vieles anders angehen. Gerade auch das Internet hat so einiges verändert.

OR: Sven Kacirek hatte neulich mal wieder einen ganz persönlichen Modern Beats Workshop in der Sticks (07.2010) verfasst, über die Beats des Trommlers Jim Orso, der trotz? einer fetten Credit-Liste in einer New York U-Bahnstation Strassenmusik macht. Prompt fing es in meinem Kopf an zu rattern, ob es auch für unsere Zukunftsgestaltung relevant ist, nicht nur die Tonträger-Industrie durch Eigenleistung zu ersetzen (Aufnahme, Pressung, Vertrieb, Werbung), sondern ab und an auch das klassische Konzert-Segment mit einem Gig auf der Strasse zu durchbrechen?

Anyway: als aller erstes geht es immer noch darum, etwas zu machen, ein persönliches Projekt auf die Beine zu stellen. Da heutzutage aber nur Wenigen die großen Vorschusstöpfe der Industrie zur Verfügung stehen, müssen wir anderen uns wieder auf die Produktionsmittel und Arbeitsmodelle besinnen, die uns ohnehin schon umgeben: Vielleicht besitze ich ja schon einen Computer mit dem es sich durch die ein oder andere Freeware aufnehmen lässt, vielleicht kann ich mir von einem Freund ein paar Mikrofone leihen, oder seinen gut klingenden Raum benutzen?

Meiner Meinung nach öffnet folgender Schlüssel viele Türen: straight sein, dann Netzwerke aufbauen, um dort die Gemeinschaft (und dich) durch klassische Tauschgeschäfte auf das nächste Level zu heben. („Dafür, dass ich meine Tracks in deinem Studio aufnehmen darf, trommle ich für dich…, oder bastel ich dir eine Webseite, oder erkläre dir die Software XYZ, oder, oder….“)

Also: positive thinking und ab nach vorn!

Oli Rubow

© Photo by THOMAS ROESSLER

JDW: Wie nutzt du für dich persönlich das Internet und wie wichtig ist das für dich?

OR: Das Internet nimmt in meinem Alltag ganz schön viel Zeit in Anspruch. Mit den Emails fängt es an: fast die ganze Kommunikation über anstehende oder angefragte Konzerte läuft digital postalisch ab. Als Koordinationshilfe für alle Beteiligten gibt es Online-Kalender. Eigenwerbung passiert über eine persönliche Webseite, Myspace und Facebook, den Vertrieb von digitalen Tonträgern und Merchandise übernehmen eigens darauf ausgerichtete Firmen à la iTunes, Beatport oder Spreadshirt.

Neben diesen Bürotätigkeiten bringt das Internet aber auch viel Freude:
Ich schätze die Recherchemöglichkeit und Geschwindigkeit, die mir Google bietet und zehre von der Inspiration und den Anstößen ausgewählter Webseiten. Werde dadurch auch selber aktiv, mittels meines Blogs: e-beats.net

Ich habe für mich ein neues Trainings-Level schätzen gelernt, nämlich die instrumentfreie Weiterbildung. Dabei geht es um das aufmerksame und analysierende Musik-Hören, um neugieriges Sammeln und den späteren Transfer aufs Instrument. Ob das nun Hörtipps, Entdeckungsreisen, Klangsammlungen oder Gedankenspiele sind, am Ende des Tages stelle ich ein komprimiertes Resümee dieser Ausflüge ins Netz, umsonst und immer mit Bezug zur elektronischen Beat-Kultur. Was ursprünglich als aktualisierbarer Zusatzbereich zu meinem Buch ins Leben (ok: ins Netz) gerufen wurde, hat sich zu einem Stil-unabhängigen Ideen-Portal für interessierte Trommler entwickelt. Seit Januar 2006 sind weit über 1000 Beiträge entstanden, allesamt persönliche Tricks und kreative Ideen, die ich gerne und mit gutem Gefühl weitergebe: denn im Dialog mit den Lesern entsteht ein inspirierendes „Geben & Nehmen & Weiterkommen“ für beide Seiten. (Und da wäre er wieder, der „Netzwerk Gedanke“…)

Dennoch. Das Internet kann auch ganz schön viel Zeit verbrennen! Hinsichtlich eines gesunden Time-Managements möchte ich mir noch von Benny Greb eine dicke Scheibe abschneiden. Und: es gibt auch im echten Leben besuchenswerte Plattenläden, spannende Bücher und vor allem: ein soziales Umfeld!

Oli Rubow

© Photo by THOMAS ROESSLER

JDW: Wie übst du für dich bzw. wie gestaltet sich das bei dir?

OR: Am Drumset übe ich entweder Projektbezogen, oder ich gehe auf Entdeckungsreise: eine solche beginnt mit diesem leicht modifizierten Billy Ward Ausspruch: „Imitate your favorites [DJs , rhythm machines, producers & programmers] and add them to your musical suitcase.“ Und hat zum Ziel, aus den gesammelten rhythmischen Highlights und dem somit wachsenden Vokabular eigene coole Sätze bilden zu können.

Es geht also darum, das aufgeschnappte Rohmaterial kreativ zu verarbeiten, zu personalisieren. Dazu verwende ich ein kleines Baukastensystem (- aufgeteilt in Klangarchiv, rhythmische Bausteine & die musikalische Aussage -) und einen Werkzeugkasten mit diversen musikalischen Parametern und Kunstgriffen aus der Studiowelt.

Ich suche und entdecke verschiedene Klangzonen auf meinem akustischen Instrumentarium, manche werden markiert (Fell Tattoos, Steady Rim Clickr), andere nur im Gedächtnis gesammelt. Es geht um die Erstellung einer persönlichen Klangbibliothek (- ähnlich wie elektronische Produzent sie von den Sampling CDs her kennt). Diesbezüglich wird (un)natürlich auch das Set präpariert, unterschiedlichste Schlagmaterialien und Stockkombinationen ausprobiert, Kleinperkussion integriert. Diese Sammlung wird zur Grundlage eines langbewußten Trommelns.

In Bezug auf eine fantasievolle Beatgestaltung erinnere ich mich an typische Produktionsweisen aus der elektronischen Bastelecke und versuche: dem Original-Beat auf die Spur kommen, diesen „nachzustellen“, zu loopen, ausgewählte Zählzeiten oder einzelne Instrumente stummzuschalten, das ursprüngliche Pattern zu zerschneiden und neu zusammenzusetzen (um auch dies im Anschluß wieder im Kreis spielen…); verschiedene Pattern (gerne auch aus unterschiedlichsten Stilrichtungen) zu kombinieren. Pattern-Lego, halt

JDW: Gab es Drummer welche dir massgeblich beeinflusst haben, gerade was auch die Mischung aus Akustischem Schlagzeug mit Elektronik anbelangt?

OR: Der erste war wohl Billy Cobham, dessen Experimente mit Delay und Phaser mich nachhaltig beeindruckt haben (Billy Cobham „A funky kind of thing“, 1975), gefolgt von Stewart Copeland, einem anderen Energiebündel, Um-die-Ecke-Denker und Echo-Freund (check mal: „Walking on the Moon„). 1983 hörte ich zum ersten mal “Blue Monday” von New Order und dachte mir “wow, was für ein schneller Fuß” – dass der Beat nicht von einem Schlagzeuger, sondern aus der Oberheim DMX kam, wusste ich damals nicht, aber die Inspirationsquelle “Maschine” sollte später einen wichtigen Platz einnehmen. Zunächst tourte aber erstmal Chick Corea mit seiner Elektric Band und der triggernde Dave Weckl zog meine komplette Aufmerksamkeit zu sich – ein langanhaltender Präzisons-Schock!

In den letzten Jahren interessieren mich vor allem die Trommler, die versuchen, die Ästhetik programmierter Beats auf dem Schlagzeug umzusetzen (Jojo Mayer, ?uestlove, Flo Dauner, Jungle Drummer), jene, die sich auf Klangsuche befinden (Glenn Kotché, Helge Norbakken, Sven Kacirek) und all die Typen mit den abgefahrenen elektronischen Ideen (diverse Finger Drummer, Willie B (Brian Wilson), Kenwood Dennard, Duracell, Sebastian Arnold).



Nicht zu vergessen: all die Trommler, die kräftig gesampelt wurden (70er Soul, Funk, R&B, Disco) und Rhythmusmacher, die so manche Blaupause vorgelebt haben (Dub-Produzenten, Krautrocker), sowie der „Zufall“ im musikalischen Kontext.

JDW: Wohin geht für dich in Zukunft die Reise. Hast du neue Projekte in Aussicht, oder planst du neue Lehrbücher, DVD’s oder anderes?

OR: Neben dem Touralltag macht es mir großen Spaß, Workshops zu geben. So bin ich gedanklich schon länger an einem neuen Buch dran, bräuchte aber erstmal ein zusammenhängendes Zeitfenster, um es zu schreiben – und dann bitte gerne: nen Beatseller! Ausserdem würde ich in Zukunft gerne selbständig meine Trommelektronik mit Visuals kombinieren können – die Modul8 Software ist immerhin schon bestellt. Nach dem gemeinsamen Meinl Drumfestival Jam mit Bertil Mark bin ich angefixt und möchte unbedingt auch einen Wii Controller ins Setup integrieren. Ach: und mal wieder schön üben…

JDW: Gibt es abschliessende Worte für uns Drummer?

OR: Im Schlagzeug-Kontext bekommt das Wort “Balance” für mich eine immer größer werdende Bedeutung (- in Bezug auf die unterschiedlichen Lautstärken im Set, auf die Abstimmung mit den Mitmusikern, auf den Spannungsbogen usw.). Aber auch im Alltag ist es wichtig, eine Balance zu finden, denn frei nach Dalai Lama: „Wer zu viel an sich selbst denkt, bekommt es mit der Angst zu tun.“

Claps forever & herzliche Grüsse aus Frankfurt am Meer, Oli.

Oli Rubow

JDW: Herzlichen Dank Oli für dieses ausführliche und interessante Interview. Weiterhin viel Erfolg.

1 Kommentare

  1. Patrick Manzecchi
    26. Juli 2010 um 13:35 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Oli ist ein echter Künstler, Visionär und Musiker, den ich sehr schätze! Go ahead, Oli….

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