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Interview mit Daniel Messina

Interviews 19. Februar 2008 - 13:14 UHR 0 Kommentare
jazzdrummerworld konnte wiederum ein Interview mit einem grossartigen Drummer unserer Zeit führen. Der aus Argentinien stammende Schlagzeuger Daniel Messina beantwortete einige Fragen von jazzdrummerworld.

jazzdrummerworld sprach über seine Projekte, über seine Tätigkeit als Lehrer und über andere Interessante Dinge. Wenn Sie auch noch weitere Fragen haben zu diesem Interview, oder Daniel Messina etwas persönlich noch fragen möchten, können Sie dies über die Kommentarfunktion hier tun. Nun wünsche ich Ihnen viel Spass beim lesen des Interviews…

Daniel Messina

JDW: Daniel, ich denke und bin der Meinung, dass man dich kennen sollte, wenn man sich aktiv mit dem Schlagzeugspielen befasst. Dennoch wäre es sicherlich für die Leser von jazzdrummerworld, welche dich noch nicht kennen, interessant, wenn du dich kurz vorstellen würdest.

Daniel Messina: Vielen Dank! Also, ich bin in Buenos Aires, Argentinien, geboren und habe im Alter von 6 Jahren angefangen Schlagzeug zu spielen. Buenos Aires ist eine große Stadt, in der Musik aus aller Welt zusammenkommt. Auf dieser Mischung war ich immer neugierig. In meinem Land habe ich in verschiedenen Bands gespielt, auch ein paar Sachen mit berühmten Popstars aus Argentinien gemacht, mit denen ich viel TV-Auftritte hatte und auf Tour war. Super war für mich mit einer eigenen Band (Apertura), die Tango, Folkore und Jazz gemischt hat, mehrere Preise gewonnen zu haben.
Ich habe dort auch privat Schlagzeugunterricht gegeben, was mir immer riesig Spaß gemacht hat. Seit 17 Jahren lebe ich in Deutschland.

JDW: Du lebst ja in Deutschland und arbeitest unter anderem auch dort als Musiker und auch als Lehrer im drum department. Was sind so deine Tätigkeiten neben dem unterrichten, als Musiker in Deutschland, mit welchen Künstlern hast du schon zusammen gearbeitet, oder arbeitest du momentan zusammen?

DM: Im Drum Department bin ich von Anfang an dabei. Die Schule feiert dieses Jahr ihr 15.Jubiläum und es ist für mich einer große Freude, man kann auf die Schule sehr stolz sein.
Wie gesagt, schon in Argentinien habe ich als profesioneller Musiker gearbeitet. Im Jahr 1991 habe ich entschlossen nach Deutschland zu kommen. Hier habe ich eine große multikulturelle Vielfalt gefunden. Und ich hatte das Glück mit Musikern und Bands aus verschiedenen Ländern zu spielen. An all diesen Musikern und Bands werde ich immer sehr dankbar sein, ich habe viel gelernt.
Ein großes Highlight war für mich mit dem Saxophonist Ernie Watts zu spielen. Ernie habe ich mit Pat Metheny im Jahr 1986 in Buenos Aires gesehen und war sehr begeistert. Als ich hier in Europa mit ihm gespielt habe, ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Dann kam die Arbeit mit Barbara Dennerlein, die fast elf Jahre dauerte. Interessant ist im Moment das Projekt mit Wolfgang Schmid, das Trio „The Beat Goes on“, mit dem wir eine live CD aufgenommen haben, was super Spaß gemacht hat. Wolfgang habe ich auf einer Platte von Klaus Doldinger, Passport, vor 25 Jahren in Argentinien gehört und jetzt spielen wir zusammen. Verrückte Sache, oder?! Ganz besonders war für mich am 30.Januar 2008 das 7.Jubiläum der Konzertreihe „Jazz Edge“, die ich mit meinem eigenen Trio und eigene Kompositionen, in Stuttgart mache, feiern zu dürfen.

Drumset Daniel Messina

JDW: Du hast auch deine eigenen Projekte, wie die Daniel Messina Band, das Daniel Messina Trio oder auch Duo Quique Sinesi & Daniel Messina. Nicht zuletzt arbeitest du ja auch mit Barbara Dennerlein zusammen. Das sind ja so einige Projekte. Das sind ja so einige Bands, welche du da hast. In welchen Stilen bewegen sich diese Bands?

DM: Meine eigene Musik, die ich mit meiner Band oder Trio spiele, hat das rhythmische Fundament in Latin Grooves, besser gesagt, in südamerikanische Grooves. Stilistisch ist alles offen, das macht die Sache sehr kreativ für mich, aber der Schwerpunkt liegt hauptsächlich in Südamerika. Harmonisch und melodisch ist meine Musik von Tango, Folklore, Pop und Jazz beeinflusst. Im Fall des Trios herrschen die Improvisation und viel Interaktion. In der Daniel Messina Band haben die Arrangements Priorität und die Improvisation ist nur ein Teil der Sache, trotzdem, eine wichtige Farbe. Wichtig ist für mich, dass alles immer in moderner Richtung klingt.
Das Duo mit Quique Sinesi basiert auf argentinische Rhythmen, modern Tango und Folklore für akustische Gitarre und argentinische Percussion. Da spiele ich z.B. „Bombo Legüero“, ein paar Cymbals und Snare, mit diesen gestalte ich die Grooves. Quique Sinesi ist einer der wichtigsten Gitarristen in Argentinien (hat mit Dino Saluzzi, Pablo Ziegler, Charly Mariano, u.a. gespielt) und es macht richtig Spaß mit ihm zu spielen!
Daß man in verschiedene Projekte spielen kann, ist sehr spannend, weil man viel ausprobieren und dazu viel lernen kann.

JDW: Mit Barbara Dennerlein arbeitest du ja auch zusammen. Wie gestaltet sich da die Zusammenarbeit, Ihr trettet ja, wenn ich mich richtig errinnere, als Duo auf, dass ist ja eine ziemliche spezielle Besetzung mit Hammond und Drums. Dennoch sind eure Aufnahmen, enorm vielseitig und man könnte meinen hier spielt eine mehrköpfige Band. Wie erarbeitet ihr hier die Songs? Kannst du deine Ideen miteinbringen?

DM: Die Zusammenarbeit mit Barbara Dennerlein war für mich eine bedeutende Erfahrung in Europa. Wie schon erwähnt, die Arbeit mit ihr dauerte fast elf Jahre. Ich habe mit ihr drei CDs aufgenommen und viele Konzerte und Tourneen in Klubs und Festivals in mehrere Länder gemacht.
Es ist doch klar, wenn man so viel Zeit bei einem Projekt dabei ist, prägt man auch diese Musik sehr stark und gibt dem Gesamten auch einen eigenen Sound. Man kann das auf den CDs deutlich hören und wer meine eigene Produktionen kennt, versteht wovon ich hier spreche.
Ich habe mit der Zeit immer mehr Freiraum gehabt und konnte auch öfters meine Ideen miteinbringen. Es war eine sehr kreative Zeit mit viel Spontaneität, Improvisation und viel Dynamik. Man konnte stilistisch viel ausprobieren. Das Duo war sehr gut eingespielt. Man kannte sich sehr gut und hat dementsprechend musikalisch reagiert. Das war natürlich auch für das Publikum ein starkes Erlebnis.

JDW: Du gehörst ja auch zu jenen Schlagzeugern, welche sehr gerne auch die unterschiedlichsten Percussion Instrumente und auch deine Stimme einsetzt. Für mich ist dies enorm interessant, wenn ich dir da zuhöre, wie du da die Musik gestaltest, nicht mehr nur den Rhythmus gibst, sondern eben das ganze mit unterschiedlichen Percussion Instrumenten würzt. Wie wichtig ist dir das einbringen der Percussion Instrumente, oder auch deiner Stimme, in dein Drumset Spiel?

DM: Ich komme aus einem sehr rhythmischen Land her. Da sind die Melodien sehr rhythmisch geprägt und singen und tanzen gehören praktisch immer dazu, das ist für jede Person dort ganz normal. Man wächst mit dieser bunten Mischung auf.
Percussion und spezielle Effekte mit Percussion haben mich immer angezogen und mit der Zeit hat es sich dann ergeben, dass ich diese Elemente in meinem Spiel integriert habe, als Rudiment, den man immer wieder benutzt. Schon damals, in meiner Band Apertura, habe ich das gemacht. Das bereitet mir tierisch Spaß! Und ich verwende nicht nur Perkussionsinstrumente, sondern auch z.B. Spielzeug, Dosen, Schlüsseln, egal was, unter dem Motto „jede Sache kann Musik werden“. Man braucht nicht nur teure Instrumente um gute Musik zu machen, das lernt man auch in der „dritten Welt“.

JDW: Um auch noch auf dein Set zu sprechen zu kommen. Was für ein Set setzt du ein, bzw. wie sieht so dein Drumset aus, änderst du je nach Situation den Aufbau, oder hast du so ein Standard Set, welches du einsetzt?

DM: Seit dem Jahr 2000 bin ich Endorser von den Firmen Zildjian, DW, Latin Percussion und Remo. Ich benutze verschiedene Ride Cymbals aber immer den selben Drumset. Der Aufbau meines Drumsets ist eher standard, variiert nur wenig. Ich benutze Toms 10″, 12″, 14″, Bass Drum 22″x18″ und Snare 14″x5 ½“, ab und zu nehme ich den 12″ Tom weg.

Drumset Daniel Messina

JDW: Wie siehst du persönlich die Situation, als Musiker heute? Denkst du das es heute schwieriger ist zu den guten Aufträgen zu kommen, so dass man auch von der Musik leben kann?

DM: Die Frage ist, was man unter gute Aufträge versteht… Ja, es ist in gewisser Weise schwieriger geworden und leider bekommt nicht jeder „gute Aufträge“. Es gehört auch viel Glück dazu.
Trotzdem denke ich, wer hier Musiker sein will, hat im Gegenteil zu Südamerika, viel mehr Chancen es zu werden. Wie ich am Anfang gesagt habe, gibt es dort eine Menge Sachen, von denen man nur träumen kann.
Ich unterscheide zwischen „leben von der Musik“ und „leben mit Musik“. Für mich steht „leben mit Musik“ zu erst. Ich glaube, wer die Berufung fühlt, atmet ständig Musik, man kann dieses Gefühl nicht los werden, zum Glück! Und das führt dazu, dass man den Weg findet, um dann beruflich damit klar zu kommen.
Aber viele machen immer noch einen grossen Fehler, sie denken nämlich zu erst daran, berühmt zu werden, als ein guter Musiker zu sein. Viele wollen um jeden Preis nur bekannt sein, und lassen sich von den sogenannten „Stars“ richtig ausnutzen. Manche „Stars“ nennen das „Jugendförderung“, ist das nicht traurig? Übrigens, das passiert auch in der Jazzszene.
Ich sage immer, gönne dir Raum für deine innere Musik und deine Kreativität. Suche Wege, wo du mit Musik leben kannst, bleibe erhlich, treu zu diesem Gefühl und gebe das Beste beim Musizieren.
Der wahre Erfolg ist nicht berühmt zu sein, das wichtigste ist, im Herzen unserer Freunde und Kollegen als guter Mensch in Erinnerung zu bleiben.

JDW: Was planst du für die Zukunft? Gibt es da schon konkrete Pläne oder auch neue Projekte, die du gerne realisieren möchstest?

DM: Sí Señor! Weiter mit mein eigenes Projekt, komponieren und immer wieder neue Aufnahmen machen. Komponieren ist für mich ein schönes Lernprozess und da habe ich viele Ideen, die ich entwickeln möchte. Seit mehr als 5 Jahre betreibe ich mein eigenes Label, Mulatina Records, wo ich meine Platten produziere.
Das Projekt in Trio mit dem Bassist Wolfgang Schmid und den Guitarrist Thomas Langer geht auch weiter. Es sind verschiedene Sachen am Laufen und ich bin sowieso immer offen für Neues.
In August fliege ich nach Argentinien und es sind verschiedene Aufnahmen und Konzerte geplant, darüber freue ich mich sehr!

JDW: Es gibt ja so einige Aufnahmen von dir. Gibt es ein oder auch mehrer Alben, welche du besonders empfehlen könntest, welche dein Drumming besonders weitergeben oder Aufnahmen, auf welche du ganz besonders stolz bist?

DM: Sowieso, alle meine eigene Aufnahmen. Die reflektieren das, was ich gerade sagte, meine Entwicklung, die Suche nach eigenen Wegen, eigenem Klang, als Drummer aber auch als Komponist. Es gibt noch so viel zu lernen, eine Platte setzt neue Maßstäbe und bringt viel Motivation für die Nächste. Jede CD von mir bringt das ganz klar rüber, wie viel Lust und Emotionen dahinter stecken. Natürlich empfehle ich die drei CDs mit Barbara Dennerlein, vor allem „Love Letters“. Auch die Live-Aufnahme mit Wolfgang Schmid und Thomas Langer „The beat goes on“, wo wir bekannte Songs (Beatles, DeepPurple) auf eigener Art, jazz-rockig, interpretieren.
Es gibt jetzt auch eine neue Aufnahme mit dem amerikanischen Bassist Michael Kraft und dem für den Grammy nomminierten Pianist, Dana Landry, „Latin Journey“, die wir in Studios Bauer letztes Jahr aufgenommen haben.

Drumset Daniel Messina

JDW: Gibt es abschliessende Worte, die du gerne den Drummern bzw. den Lesern von jazzdrummerworld.com mitgeben möchtest?

DM: Es ist immer schwer in einem Interview alles zu erklären, wie man es gerne möchte. Motivation, Emotion, Kreativität, Leidenschaft sind für mich essentiell. Versuchen die eigene Personalität am Set zu entwickeln, den eigenen Sound, ist ein wesentlicher Punkt. Wir haben alle starke Vorbilder, was auch gut so ist aber man sollte versuchen man selbst zu sein, es ist Wert! Wie oft hört man, daß viele gleich spielen. Anders zu klingen ist eine grosse und spannende Herausforderung.

Uns an das Wesentliche zu konzentrieren und alles so gut wie möglich zu lernen. Vorallem immer Spass daran haben.
Es gibt so viele Vorurteile, Konkurrenz, Neid, Abzockerei im Geschäft, das alles macht die Musik nicht gerade gesund. Für mich ist es wichtig sich innerlich von diesen Sachen zu befreien, dann, denke ich, wird unsere Leidenschaft und Kreativität stärker.

Zum Schluss, als Musiker, als Mensch immer eine gute Person bleiben, bescheiden, das braucht die Musik heute. Das Publikum spürt ganz genau, wann etwas von ganzem Herzen kommt, und wie ein alter Sprichwort sagt „Was nicht von Herzen kommt, das geht nicht zu Herzen“.

Weiterführende Links:
danielmessina.de
mulatinarecords.de
jazzedge.de
drummerworld.com
Daniel Messina Hörbeispiele
Daniel Messina Trio

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