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Interview Torsten Zwingenberger

Interviews 11. Mai 2009 - 07:22 UHR 1 Kommentar
Torsten Zwingenberger ist sicherlich kein gewöhnlicher Drummer. Denn mit bis zu drei Drumsticks sowie fünf Fusspedalen hat er eine Technik zur Hand, mit welcher man als Schlagzeuger so einiges anstellen kann und sich neue Türen öffnen. Das ganze nennt sich “Drumming 5.0″ und ist eine interessante Weiterentwicklung des Schlagzeugspiels. Wir sprachen mit Torsten über diese Technik und was ganz genau dahintersteckt.

Torsten Zwingenberger

JDW: Torsten du hast eine spezielle Drum Technik entwickelt, die sich Drumming 5.0 nennt. Kannst du mehr darüber erzählen, was genau dahinter steckt und was man darunter verstehen kann?

Torsten Zwingenberger: Drumming 5.0 ist meine Weiterentwicklung der analogen Schlagzeug- und Percussiontechnik mit Ausblick auf das kommende postdigitale Zeitalter: Meiner Einschätzung nach wird echte Live-Music, ohne elektronische Unterstützung, wieder wichtiger. Beim Drumming 5.0 kombiniere ich Schlagzeug mit Percussion, spiele zeitweise fünf Fußpedale simultan, halte drei Trommelsticks- in zwei Händen, bin beidhändig und -“füßig“ und nutze jeweils die Twin-effects. In dieser Kombination ist diese Technik, denke ich, ganz neu und ergibt einen sehr melodiösen, groovigen und swingenden Sound am Kit. Ich kann sehr dynamisch und schnell auf die Impulse meiner Mitmusiker reagieren.

JDW: Wie bist du eigentlich auf die Idee solch einer Drum Technik gekommen, was hat dich dazu bewogen, neue Weg zu suchen, was Technik anbelangt?

TZ: 1974 begann ich Schlagzeug zu spielen, nachdem ich mir schon gut über ein Jahr zuvor als Waschbrettspieler in Hamburger Oldtime Jazzbands meine ersten Meriten verdient hatte. Getrieben von Neugierde und Entdeckungslust habe ich seitdem sämtliche Jazzstile erforscht und immer wieder Neues entwickelt. Ich habe mich nie durch schulische Dogmen einengen lassen und gehe nach dem Prinzip: Geht nicht gibt‘s nicht. Aber es kann passieren, dass eine zunächst als nicht machbar verworfene Idee später realisierbar ist, weil neue Voraussetzungen geschaffen worden sind. Seit über 25 Jahren möchte ich einen möglichst „fetten“ Klangteppich mit analoger Hand- und Fußspieltechnik ohne jegliche Elektronik erzeugen. Das Ergebnis nenne ich nun „Drumming 5.0“, weil ich zeitweise fünf und mehr unterschiedliche Sachen am Kit spiele und auch, weil ich vom Alter her die Fünf vor dem Komma erreicht habe…

Torsten Zwingenberger

JDW: Mehrere Sticks zu benutzen, wird ja auch unter anderem von Drummern wie Billy Cobham genutzt. Gab es für dich irgendwelche Inspirationen zu dieser Technik, auch von anderen Drummern?

TZ: Louis Bellson sah ich in der legendären TV-Drumshow „Superdrumming“ in den 80er Jahren mit 4 Sticks gleichzeitig spielen. Er spielte aber so, wie Vibraphonisten mit 4 Mallets spielen. Wenn er dann Rolls mit vier Sticks simultan auf der Snare spielte, war das ein schöner Showeffekt, unterschied sich im Sound aber nicht wirklich von den üblichen mit zwei Sticks. Ich spiele in der linken Hand mit zwei Sticks akzentuierte Wirbel, die dann so klingen, wie mit zwei Händen gespielt. Allerdings hat diese Spielweise ihre physikalischen Grenzen. Ich bin selber erstaunt, wie voll das klingen kann und forsche da weiter an den Grenzbereichen. So laut und variantenreich wie mit zwei Händen, bekommt man die gesamte Paillette an Rudiments natürlich nicht hin. Es ist aber sehr viel möglich. Wenn ich dann also mit der linken Hand diese Rolls spiele, habe ich viele Möglichkeiten, mit der rechten Hand andere Sounds zu erzeugen. Aber außer mir, kenne ich niemanden, der das so macht.

Torsten Zwingenberger

JDW: Was kannst du zu der Fußtechnik sagen, welche Möglichkeiten eröffnen sich hier für den Schlagzeuger? Wie viele Fußpedale hast du selber im Einsatz?

TZ: Mit den Füßen spiele ich mit Ferse und Spitze. Die Gegenbewegungen nutze ich aus, um vier unterschiedliche Pedale inklusive Hi-Hat plus die Twin-Effekt-Bassdrum- Fußmaschine zu spielen. Mit dem linken Fuß bediene ich somit außer der Hi-Hat noch zwei Pedale simultan mit den Fersen, die direkt links und rechts neben dem Hi-Hat-Pedal sind. Mit der rechten Ferse spiele ich ein Double- Pedal, das nach hinten gegen ein Bass-Cajon schlägt, die auch mein Sitz ist und gleichzeitig mit einem zweiten Beater auch noch einen Schellenring anschlägt. Sehr gut sieht man das auf den Videoclips meiner Website www.drumming5point.com. Man kann auf diese Weise wie ein kleines Percussion-Ensemble spielen. Bei all den Möglichkeiten muss ich aber aufpassen, das nur punktuell einzusetzen. Man leistet im Kopf sehr viel Koordinationsarbeit und muss lange üben, bis das wie aus einem Guss klingt.

JDW: Wie setzt du deine Technik in der Musik ein, was ist damit möglich,, bzw. welche neue Wege eröffnen sich für Schlagzeuger dadurch?

TZ: Ich setze die Technik so dosiert ein, dass ich meine Mitmusiker optimal unterstütze und nicht durch zu viel Soundfülle überdecke. In meinen Solos kann ich da natürlich aus dem Vollen schöpfen. Es eröffnen sich unglaublich viele Wege, polyrhythmische Linien ineinander zu verzahnen. Neue Sounds zu entdecken, die Spaß machen und sie auszuprobieren. All dies zu erforschen, ist eine Lebensaufgabe.

JDW: Wie kann man diese Technik lernen? Gibt es da eine Einführung von dir, wenn Interesse besteht, oder ist auch evtl. Lehrmaterial in Buch- oder DVD Form geplant?

TZ: Da meine Technik neu ist und auch von mir ständig weiterentwickelt wird, gibt es derzeit noch kein fertiges Lehrmaterial. Am besten lernt man Drumming 5.0 über die Nachahmung, ähnlich wie beim Tanzen. Beim Unterrichten setze ich deshalb nicht auf die Verschriftlichung, sondern auf genaues Beobachten und Nachmachen. Sehr gerne würde ich eine Lehr-DVD aufnehmen, aber dieses Projekt befindet sich noch in der Planungsphase.

Torsten Zwingenberger

JDW: Wo bist du musikalisch als Drummer zu Hause? Mit welchen Formationen spielst du?

TZ: Ich spiele hauptsächlich alle melodiösen, swingenden und groovigen Arten des Jazz. Meine aktuelle Band heißt „TEASY – SWING OUT BEST“ und ist ein Instrumental-Jazz-Quartett. Recht regelmäßig spiele ich mit meinem Bruder Axel Zwingenberger, dem bekannten Boogie-Pianisten im Duo oder auch mit dem Pianisten David Gazarov, der eine Mischung aus klassischer Musik und Jazz spielt und auch auf Anfrage mit diversen anderen Jazzformationen.

JDW: Wie sieht dein Equipment aus? Was setzt du ein und wie wichtig ist dir dein Equipment?

TZ: Hauptsächlich spiele ich ein Slingerland Radio King Kit aus den 40er Jahren, sitze auf einer Bass-Cajon, die ich auch mit einem Pedal bediene, benutze diverse Handpercussions wie z.B. einen Barhocker, der wegen seiner besonderen Bauart wie ein Bongo klingt oder auch ein Waschbrett. Da ich nicht an einen bestimmten Hersteller gebunden bin, benutze ich unterschiedliche Hardware, die meinen Ansprüchen gerecht wird und für mich erschwinglich ist. Dabei ist das Giantstep-Twineffekt-Bassdrum-Doppelpedal die teuerste Sache. Zuverlässiges und präzise funktionierendes Equipment ist natürlich wichtig.

Torsten Zwingenberger

JDW: Gibt es für dich auf dem Schlagzeuger Markt irgendein Revolutionäres Produkt (Fußpedale sonstige Hardware, Drums usw.!), welches dich persönlich beeindruckt hat?

TZ: Genau so eine Fußmaschine wie das Giantstep-Twin-Effekt-Pedal hatte ich als Idee schon vor etwa 15 Jahren im Kopf, aber keine Idee, wie ich das bauen lassen könnte.

JDW: Hat man die Möglichkeit dich live zu erleben?

TZ: Natürlich, ich lebe ja von Auftritten. Meine aktuellen Konzerttermine kann man auf meiner Website erfahren.

Besten Dank Torsten für dieses Interview und weiterhin alles gute und viel Erfolg als Musiker.

Webseite von Torsten Zwingenberger – www.drumming5point.com

© Photos by Heike Rost and Guido Rottmann


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1 Kommentare

  1. Angelika Goltz
    19. April 2013 um 09:03 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Hallo dem geneigten Leser,
    es ist unglaublich, mit welcher Vituosität Torsten sein Instrument beherrscht. Bisher galt mein Interesse dieser Art noch nicht, was sich jedoch seit edem konzert mit den 4 Pianeuren in Halle/Sa “schlagartig” geändert hat.
    Ich hoffe und wünsche, ihn irgendwo und irgendwann wiederzusehen und zu hören.
    Angelika Goltz

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