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Interview Patrick Manzecchi

Interviews 24. September 2009 - 10:13 UHR 2 Kommentare
Patrick Manzecchi ist der Sohn des Jazzschlagzeugers Franco Manzecchi und selber ein aktiver Jazzdrummer. Wir unterhielten uns mit Ihm über seine Tätigkeit als Drummer, seine Projekte, das Musikerleben und vieles mehr. Festivals & Tourneen im In- und Ausland, Radio- u. Fernsehaufnahmen, Filmmusiken, Workshopseminare sowie mehr als 20 CD-Einspielungen zeugen von seinem Schlagzeugspiel.

Patrick Manzecchi

JDW: Patrick, erzähl doch etwas mehr über dich und deine Projekte?

Patrick Manzecchi: Gerne. Ich bin der Sohn einer deutschen Mutter und eines italienischen Vaters und bin vor vierzig Jahren in Paris geboren worden. Im Alter von sieben Jahren zogen wir nach Konstanz an den Bodensee und ich lebe auch heute noch dort. Es ist einfach eine traumhafte Gegend und ich fühle mich insgesamt recht wohl in der Provinz, auch wenn es manchmal ein wenig eng wird und beruflich gesehen nicht gerade der Hit ist. Nun bin ich aber doch recht häufig unterwegs und so ist es immer wieder schön nach Hause zu kommen, so wie beispielsweise nach meinen Gigs vor zwei Wochen in Berlin – so sehr ich es auch genieße zu touren und in anderen Städten oder Ländern zu spielen.

Ich arbeite viel als Freelancemusiker, d.h. hier und dort, habe aber auch eine eigene Reihe in meiner Stadt mit drei bis vier Konzerten jährlich, die finanziell mitgetragen werden vom hiesigen Kulturamt. Die Reihe nennt sich Jazz im Kulturzentrum und am Titel kann man sehen, dass ich mich in erster Linie als Jazzdrummer verstehe. Ich arbeite aber auch gerne im Studio, mit Click und allem drum und dran, das ist aber eher seltener der Fall. Dabei liebe ich durchaus Funk und Fusion also eher die etwas untypischeren Stile für einen sogenannten Jazzer. Ich mag einfach verschiedenste Musikauffassungen von Swing und Bebop über Freejazz bis Disco, HipHop und Elektro.

Es gibt eine Band unter meinem Namen, aber irgendwie kein Management dahinter, sodass wir doch eher seltener auftreten mit dieser Formation. Ich bin leider auch nicht so der Checker mit Clubs und Festivals, sondern doch eher der Sideman. Meist werde ich für Jazzgigs herangezogen, Clubs, Festivals, ab und an eine Tournee, spiele außerdem auch einigermaßen regelmäßig solo, das geht dann in die Richtung Weltmusik, lach. Feststehende Projekte lassen sich natürlich alle auf meiner Homepage finden. Ehrenamtlich bin ich zudem noch engagiert im Jazzclub Konstanz, das geht in die Richtung musikalischer Berater, wenngleich alles demokratisch entschieden wird! Das ist nämlich nicht in jedem Club der Fall.

Patrick Manzecchi

JDW: Wie bist du zum Schlagzeugspielen gekommen?

PM: Ich glaube, das ließ sich gar nicht vermeiden, schließlich war mein Vater Franco Manzecchi ein anerkannter Jazzdrummer, der eine interessante Plattensammlung hatte. Er starb früh und so packte mich irgendwann einmal die Neugierde, vielleicht auch so etwas wie Melancholie. Ich war neun Jahre alt, und ich erinnere mich gut, wie ich über seine Aufnahmen herfiel vermutlich darf man das sogar als echte Trauerarbeit verstehen. Die Drums meines Vaters standen immer noch im Keller, und nach ca. einem Jahr ernsthafter Auseinandersetzung mit dem Jazz, erlaubte mir meine Mutter das Schlagzeug zu benutzen. Mein bester Freund Laurent aus meinen Kindheitstagen in Paris hatte selbst begonnen, Schlagzeug zu spielen, und so musste ich es ihm natürlich gleichmachen. Der damals junge Newcomer Jojo Mayer“ ein Freund der Familie, weil sein Vater Bassist war und mit meinem im Friedrich Gulda Trio gearbeitet hatte kam aus Zürich und baute das Set auf. Dann zeigte er mir noch, wie man die Stöcke hält und wie man einen Wirbel spielt. Wow, wenn ich heute daran zurückdenke – Jojo Mayer höchstpersönlich! Was für ein unglaublicher Drummer. Vielmehr was für ein Musiker! Jedenfalls habe ich nie wieder aufgehört zu spielen. Und hab’s auch nie bereut.

JDW: Welches waren deine Highlights in deiner Karriere als Schlagzeuger bis jetzt?

PM: Also, als echtes Highlight – auch wenn das jetzt pathetisch klingt – würde ich spontan die Tatsache bezeichnen, dass ich von meiner Passion einigermaßen leben kann. Vielleicht musste ich auch erst vierzig werden, um das zu realisieren, aber dafür bin ich mittlerweile eigentlich am meisten dankbar. Das ist ein Erfolg, der nicht zu unterschätzen ist.

Hinsichtlich Karriere im gängigen Sinn kann ich gar nicht beziffern, was mich am meisten freut. Meine langjährige Zusammenarbeit mit Richie Beirach vielleicht? Ich glaube, diesbezüglich muss ich schon erwähnen, dass ich letztes Jahr für einen meiner Idole einspringen durfte. Angekündigt war Billy Hart an der Seite von Richie und dem Geiger Gregor Hübner, doch Billy konnte plötzlich aus vertraglichen Gründen dann doch nicht herüberfliegen aus New York. Da Billy als Special Feature angekündigt war, quasi als der legendäre Miles Davis-Drummer etc., wurde ich einfach jeden Abend als der deutsche Billy Hart angekündigt. Erst sträubte ich mich noch dagegen aber Richie meinte nur, ich solle mich nicht wie ein Mädchen anstellen“, die Tour müsse gespielt werden und basta! Die Amis, unglaublich… die sind da schon knallhart pragmatisch manchmal. The show must go on. In diesem Punkt können wir pingelige Deutsche schon noch viel lernen von ihnen.

…andere Highlights… ich habe mit Barry Harris, Jimmy Woode, Teddy Edwards gearbeitet – das sind Koryphäen, die noch mit Charlie Parker gespielt hatten. Ich denke, das hat mich auch geprägt und ich habe viel und schnell gelernt. Oder die Tatsache, dass ich unter meinem Namen im Ausland touren durfte? Da wird Dir dann schon anders, wenn du als einer der besten Drummer Deutschlands angekündigt wirst, ich kenne ja alleine schon hundert oder so, lach. Aber so ist nunmal Marketing.

Schön waren aber auch die zwei Konzerte, die ich letztes Jahr mit dem Meisterpercussionisten Pierre Favre bestreiten durfte zwei Drummer im Zwiegespräch mit einem der interessantesten Solisten überhaupt, was für ein Genie und was für eine Ehre! Oder die Bekanntschaft mit Herbie Hancock, den ich zweimal supportet habe, 2001 und 2006. Er hat mich ausdrücklich gelobt, ich kam mir vor wie ein kleiner Junge… so stolz war ich! Al Jarreau hab ich auch einmal supporten dürfen ein unglaublich netter Mensch.
Demnächst kommt außerdem eine CD heraus, auf der ich mich an der Seite von Simon Philips wiederfinde. Natürlich eine deutsche Produktion, aber das finde ich persönlich dennoch ziemlich fantastisch. Ich habe mich auch sehr gefreut, Drummer persönlich kennengelernt zu haben wie Jimmy Cobb, Billy Cobham, Alvin Queen, Daniel Humair, Terry Lyne Carrington, Lewis Nash oder Elvin Jones (der schenkte mir seine Stöcke, als ich noch ein Jugendlicher war).

Du siehst, es sind dann doch eher die persönlichen Aspekte drumherum, die mich am meisten freuen, wie z.B. Mut machende Komplimente und eine moralische Unterstützung. Nein, ich muss sagen, ich bin insgesamt schon recht zufrieden bisher. Lediglich der finanzielle Druck macht mich manchmal ein bisschen nervös, lach. Oder wenn ich mal so richtig schlecht getrommelt habe, das zieht mich natürlich immer runter.

Patrick Manzecchi

JDW: Wie siehst du persönlich die Situation als Musiker heute? Was muss man als Musiker wissen um im Business bestehen zu können?

PM: Das ist eine alte, aber immer noch eine gute, weil knifflige Frage. Ich glaube, da gibt es momentan mehr Diskussionsbedarf, denn je zuvor! Überall hörst Du, als Drummer müsse man alles spielen können, um bestehen zu können. Aber warum? Um so zu klingen wie alle anderen?! Nun, ich finde, das obliegt jedem einzelnen, welche Karriere er einschlagen will, denn perfekte, wirklich überzeugende Allround-Drummer gibt es sowieso nicht. Es geht doch um Persönlichkeit!

Wenn man sich die Stars der heutigen Szene ansieht, dann sind das sicher alles Typen, die super spielen können, ganz klar. Gregg Bissonette spielt hervorragend Jazz aber er wird deshalb trotzdem nicht engagiert von Jazzpuristen, er arbeitet vornehmlich als Studiodrummer im Rock-Pop-Bereich. Oder beispielsweise Steve Gadd. Alles Wahnsinnige, mit Sicherheit. Aber es ist eben dann doch der feine Unterschied, den es wohl ausmacht für jede Stilistik. Finde deine Berufung, deine eigene Sprache, verbiege Dich nicht!

Andere Cats sind vor allem viel auf Tour, sind weniger bekannt, dafür aber sehr recherchiert von Musikerkollegen, weil sie gute Begleiter sind. Wieder andere haben sich auf Workshops spezialisiert vielleicht auch, weil sie über eine exorbitante Technik verfügen, Stöcke wirbeln und Drumfreaks begeistern können was heißt das alles schon? Jedem das seine.

Was sicher hilft sind gute Notenkenntnisse und möglichst dahin ziehen, wo sich die Szene abspielt, je nach Karrierevorstellung in die nächste Großstadt oder evtl. gleich nach New York? Das muss jeder selbst wissen. Ich hatte mich damals bewusst dafür entschieden am Bodensee zu bleiben und irgendwie ist das ja auch gerade nochmal gutgegangen! Sicher, ich habe dafür keine internationale Karriere à la Studiodrummer in L.A. geschafft. Aber den Druck würde ich auch gar nicht aushalten. Es ist insgesamt sehr schwer, auch weil man sich selbst immer wieder neu positionieren muss wer bin ich, was will ich, was habe ich erreicht? Auch daran sieht man, jeder ist anders. Man sollte versuchen sich selbst besser und besser kennenzulernen und sich entsprechend spezialisieren. Das hat auch mit Glaubwürdigkeit zu tun.

JDW: Kommen wir zu deinem Setup, was setzt du hier ein und wie wichtig ist dir dein Setup?

PM: Ich spiele meist ein klassisches Jazzset (ich hasse das Wort Kit, das ist ein relativ neues Modewort), ein Hollywood-Set in den Größen 12“/14“/18“, das mein Dad endorst hat in den 70ern, oder aber auch ein original Gretsch-Set mit einer 20er Bassdrum. Früher haben ja die Jazzdrummer alle 20er BD gespielt, das wissen nur die wenigsten. Die 18er BD kam erst in den späten 60er Jahre auf, aber so jemand wie Tony, Elvin, Max, Blakey, Louis Hayes die spielten anfangs alle 20er. Erst durch die neue Soundvorstellung, man könne die BD wie eine weitere Tom spielen, wurde sie kleiner. Aber auf den alten Coltrane- oder Miles-Aufnahmen, da hört man noch eine 20er, wenn auch hochgetuned. Darauf hat die Industrie dann natürlich peu-à-peu reagiert.

Um auf Deine Frage zurückzukommen, ich spiele ja meist Jazz, mit weißen Ambassadors und so, große 20er und 22er Sizzle-Becken, die ich zum Teil nachbearbeitet habe (selbst geschliffen, gehämmert, genietet) – die Marke ist mir dabei egal, ich habe mehrere Becken von UFIP bis K-Zildjian. 2 Beckenständer, eine 12er Hängetom, ganz klassisch, fertig! Aber im Studio (Rock oder Pop) oder live im Funk-Bereich, da spiele ich dann schon auch mal ein Rockset mit Crash- und Splash-Becken, gemuffelte BD und alles, was dazugehört, damit habe ich kein Problem. Oft spiele ich ja auch auf einem gestellten Drumset, und das sind meist Rocksets die stimme ich dann um, wenn nötig. Da bin ich unkompliziert, das musst du auch sein, wenn du z.B. durch ärmere Länder wie Rumänien tourst! Es kann aber auch inspirierend sein, wenn Du auf einem fremden Set spielst. Man braucht also einzelne Markennamen nicht immer gleich überbewerten.

Patrick Manzecchi

JDW: Welche Aufnahmen von dir kannst du unseren Lesern empfehlen?

PM: Mal sehen… musikalisch betrachtet sage ich Dir ganz ehrlich, meine beiden CDs unter meinem Namen. Es sind beides Live-Mitschnitte mit einem tollen musikalischen Bogen, trotzdem ich mit dem einen oder anderen Fehler leben muß. Dafür stimmt dann aber auch die Energie! Sie heißen Ready & Able – nach dem Titelstück von George Benson benannt und Yoda’s Dilemma – nach einer Komposition von unserem Bassisten Jens Loh, die ich selbst arrangiert habe à la Coltrane. Sagen wir es einmal so, ich sehe mich auf beiden Platten ein wenig als Bandleader, weniger als Showdrummer. Das kommt übrigens besonders auf den Amazon-Kritiken gut raus, das hat mich sehr gefreut. Und – das muß ich dann doch loswerden – Pierre Favre, Jojo Mayer und Holger Nell haben meine letzte CD gelobt. Es tut dann schon gut, dass auch von besonders musikalischen Drummern solch eine Rückmeldung kommt.

Ansonsten gefällt mir noch eine uralte Aufnahme mit dem Saxophonisten Andi Maile recht gut, Mailensteine. Veit Hübner & Friends ist auch sehr interessant, leider gefällt mir mein Drumsound nicht besonders darauf. Studio ist halt immer so eine Sache, wenn du nicht selbst dabei bist beim Abmischen. Nebenbei erwähnenswert: darauf spielt ein Studienkollege von Veit Hübner, Gregoire Maret, der augenblicklich förmlich abhebt in den Bands von Pat Metheny und Herbie Hancock. Ausnahmsweise mal einer, der nach New York ging und es geschafft hat! Aber warten wir ab, was noch kommt an Aufnahmen ich habe erst vorgestern ein interessantes Angebot erhalten, es wäre schön, wenn’s klappt. Aber das muss ich für mich behalten, denn sonst wird peinlich, wenn’s schiefgeht!

JDW: Bestreitest du deinen Lebensunterhalt rein mit Schlagzeugspielen oder gibst du auch noch Unterricht? Wie sieht das bei dir aus?

PM: Mit beidem. Wenn ich auf Tour gehe, fällt der Unterricht ganz einfach aus. Manchmal kann es anstrengend werden, wenn du viel spielst, da bist du dann richtig glücklich, wenn du wieder eine Weile zuhause bist. Es läuft aber auch manchmal so gar nichts dann bist du froh, dass du ein zweites Standbein hast! Ich kenne eigentlich nur Musiker, die unterrichten. Es sei denn, du heißt Till Brönner oder Wolfgang Haffner und bist mal so richtig berühmt. Oder bist ein junger Ami, der viel in Europa spielt, oder machst, was halt so angesagt ist momentan, Klaviertrios à la Brad Mehldau. Natürlich, das Ziel wäre, nur vom Schlagzeugspielen leben zu können. Aber das schaffen nur die Wenigsten.

Unterrichten ist manchmal sehr zermürbend, das kannst du dir ja vorstellen. Vor allem, wenn man Autodidakt ist wie ich, und den meisten einfach alles vorkauen muss. Man kommt einfach nicht drumherum: das Geheimnis ist, viel Musik hören, Konzerte besuchen immer wieder sag ich das.

Patrick Manzecchi

JDW: Welche Drummer haben dich maßgeblich beeinflusst?

PM: Vielleicht klingt das jetzt doof alle, einfach alle, welchen Stil sie auch spielen und wie sie heißen mögen. Selbst die völlig unbekannten Drummerkollegen aus der Nachbarschaft. Wenn die spielen können, dann zieh ich da meinen Hut und auch immer etwas für mich raus. Hier in Konstanz und Umgebung gefallen mir zum Beispiel sehr: Martin Deufel und Alex Friedrich, zwei tolle Groove-Drummer, die viel mit Jürgen Waidele arbeiten, beide sehr erfahren. Schon mal gehört? Eben. Auch einige bekannte deutsche Drummerkollegen selbstverständlich, wie Jochen Rückert, Holger Nell, Haffner natürlich die waren schon auch immer Ansporn.

Es haben mich auch Fusion- oder Souldrummer beeinflußt, wie halt Dich fest Colaiuta, auf alle Fälle Jojo, Steve Jordan, George Brown von „Kool & The Gang“ (für den ich übrigens einmal einspringen durfte in einer Pariser Jazzband), Kenwood Dennard, Mike Clark, Billy Cobham, Eric Gravatt, Paul Wertico, Alex Acuna, oder auch Al Foster bei Miles. Ach, einfach jeder, der mich inspiriert, ob bekannt oder unbekannt. Sehr spannend finde ich derzeit, was Chris Daddy Dave macht. Ein Killer!

Wenn du mich nach meinen Alltime Favorites fragst, dann sind das natürlich Max Roach, Philly Joe Jones, Joe Chambers, Elvin Jones, Roy Haynes, Jeff Tain Watts, Jack DeJohnette, Tony Williams, Billy Hart, Al Foster, Billy Higgins, Bob Moses, Erskine, Vernell Fournier, Frankie Dunlop, Sam Woodyard, undsoweiter undsofort. Ich vergesse sicher ein paar. Auf alle Fälle noch Daniel Humair, Jon Christensen, Pierre Favre – und mein Vater! Einfach jeder, der musikalisch spielen kann. Und jeder, der die Chance hat dabei, große Musik zu machen – denn nicht immer spielst du mit guten Musikern, das ist nicht immer selbstverständlich. Dann klingst du nämlich selbst nicht gut. In letzter Konsequenz ist ein Drummer immer nur so gut wie seine Bandkollegen und nicht immer nur umgekehrt, wie man stets behauptet.

Und worauf ich eigentlich gar nicht so stehe, sind Stockwirbler mit tausend Toms, fünf Fußmaschinen und so, der ganze Hype auf YouTube, die ganze Workshop-Szene, die Drum Clinics. Entsprechend steril wirkt das meist auf mich. Aber nun gut, so ist das eben Geschmäcker sind verschieden. Mich hat’s einfach nie interessiert, das hat für mich nur noch wenig mit Musik zu tun, da klingt einer wie der andere nur schneller, lach. Ich war immer jemand, dem die Band als solche, die musikalische Approach gefallen muß. Monk, Miles, Dizzy, Bird, Weather Report, Jaco, Hancock, Pat Metheny, Allan Holdsworth, Coltrane, Debussy, Stevie Wonder und wie sie alle heißen und deren Konzepte, deren Individualität. Davor habe ich größten Respekt. Sonst interessiert mich logischerweise auch der Drummer nicht, wenn ich die Musik nicht höre. Gottseidank gibt es unglaublich viele musikalische Drummer, das bestärkt mich immer wieder.

Ich bin auch ein großer Michael Jackson-Fan beispielsweise – was für ein Musiker, man vergisst gerne, dass er selbst komponiert und arrangiert hat und tut immer so, als sei er eine Quincy Jones-Marionette gewesen. Dummes Geschwätz halt. Mir ist das vollkommen wurscht, ob er zuletzt mit einer Drum machine gearbeitet hat oder nicht. Wenn Elektronik geschmackvoll und musikalisch eingesetzt wird, dann bin ich genauso begeistert.

Patrick Manzecchi

JDW: Gibt es abschließende Worte an die Drummer da draußen?

PM: Natürlich erstmal, was dir alle raten, wenn du dir unsicher bist, ob du professioneller Musiker werden sollst: wäge ab, was dir wichtig ist, reich wirst du eh nicht als Drummer. Aber wenn du es tun musst, dann mach’s! Es heißt auch, wer sich diese Frage überhaupt stellt, schafft’s eh nicht. Das ist natürlich fatal als Antwort, darauf stehe ich überhaupt nicht – ich hab mich ja schließlich auch erst spät dafür entschieden, mit 26 oder so. Geholfen hat mir damals der Ratschlag meines Kollegen Holger Nell: Du hast eine Begabung also nutze sie!

Ein Musikstudium kann sinnvoll sein, man lernt viele Kollegen kennen, die man dann später wieder trifft. Das war für mich ein bisschen schwierig, ich musste mir erst einen Ruf erspielen aus einer Kleinstadt heraus! Das hätte auch leichter gehen können. Notenkenntnisse sind absolut wichtig, das habe ich mittlerweile eingesehen. Ich habe mir leider einiges versaut in meiner beruflichen Anfangszeit. Heute geht einigermassen mit dem Lesen, nachdem ich eine Weile dann die Schlagzeugschule Drummer’s Focus besucht habe und Andy Witte so viel Geduld hatte mit mir, lach. Aber sicher ist es am Hilfreichsten, Konzerte zu besuchen, die Klassiker unter den Aufnahmen zu studieren, ganz allgemein die Musik hinter der Musik zu entdecken!

An die anderen Drummer, die ihren Job beruflich machen, möchte ich sagen: wir machen manchmal einen verdammt harten Job, lasst uns weiterhin so ehrlich wie nur möglich mit uns selbst sein, lasst uns einander respektieren, soweit es geht, egal ob Rock oder Jazz. Animositäten sind da durchaus normal und menschlich, keine Frage. Aber eines darf nicht passieren: aus Frust oder Neid – entschuldige, wenn ich das jetzt einmal so sage zum Asshole werden! Das gilt natürlich nicht nur für Drummer. Meine Güte, habe ich schon Gestalten getroffen… so möchte man nie werden. Ich mag Überzeugungstäter in eigener Sache – aber keine Polizisten, gleich welchen Stils.

Ich persönlich versuche immer einen guten Kontakt herzustellen zu inspirierenden Drummern, von denen ich weiterlernen kann und du kannst immer von ihnen lernen – und bin froh und dankbar, dass ich mittlerweile befreundet bin mit tollen Drummern in ganz Europa – alles wunderbare Musiker und Menschen! Man vergibt sich ja nichts dabei, wenn man seinen bescheidenen Platz in der Szene überdenkt, richtig? Auch wenn die angebliche Konkurrenz groß ist was zählt ist die Kollegialität und der Respekt untereinander. Musik ist auch Demut, der Kuchen ist ja schließlich groß genug für alle. Und ich denke, so eine Grundhaltung kommt Dir am Ende nur zugute. Ja, das glaube ich wirklich frei nach Billy Higgins, der einmal sagte: A drummer has to be kind-hearted!

JDW: Danke Patrick für diese nette und ausführliche Gespräch. Weiterhin viel Erfolg!

Weiterführende Links
Website von Patrick Manzecchi
Patrick Manzecchi auf MySpace
Patrick Manzecchi bei Wikipedia
laut.de



2 Kommentare

  1. 2. Oktober 2009 um 15:00 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    was für ein geiles Interview, der ist ein wahrer Künstler.
    Zitatvon Patrick: Aber wenn du es tun musst, dann mach’s!
    Ich liebe sowas und sein Sound ist echt Krass für einen wie mich, but i love it and his style is awesome, even i don’t understand it completly yet.

  2. erich
    5. April 2010 um 19:29 - Kommentar zitierenReply to this comment
    2

    endlich mal einer der natürlich auftritt.

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