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Interview mit Andy Gillmann

Interviews 10. September 2007 - 15:52 UHR 0 Kommentare
jazzdrummerworld.com hatte die Gelgenheit ein Interview mit dem deutschen Schlagzeuger Andy Gillmann zu führen. Das Interview wurde zu Andy’s DVD Brushes unlimited geführt. Mit „Brushes unlimited“ präsentiert Andy Gillmann eine umfassende DVD rund um das Thema Besen und deren Technik.

Eine solch ausführliche DVD über Besen, ist wohl auch heute noch, vor allem im deutschsprachigen Raum, eher Seltenheit. Die DVD ist wirklich eine wahre Fundgrube für jeden Drummer, welcher sich ausführlich mit Besen am Schlagzeug ausseinander setzen möchte. Mit dieser DVD zeigt zudem Andy Gillmann, dass man Besen nicht nur mit Jazz in Verbindung bringen sollte. Mit Besen kann man, wenn man den eine gute Technik besitzt, sehr vieles auf eine neue Art und Weise spielen. Gerade diese Technik zu den Besen, möchte Andy Gillmann auf dieser DVD erläutern. Dies gelingt ihm auch vorzüglich.

jazzdrummerworld wollte daher von Andy Gillmann so einiges mehr über diese hochinteressante DVD für Drummer erfahren…

Andy Gillmann

JDW: Andy, was hat dich dazu bewogen eine DVD wie „Brushes unlimited“ zu produzieren?

Andy Gillmann: Ich hatte eine riesige Lust darauf! Und ich war mir nach all den Jahren, die ich mit Besen geübt, gespielt, aufgenommen und unterrichtet habe, sicher, dass jetzt der Zeitpunkt reif ist für so ein großes Projekt. Ich wusste dass ich ein stimmiges und stringentes Konzept habe und dass ich es mit Spaß und Freude vermitteln kann. Ich liebe das Besenspielen und es gibt wunderbare Sachen, die man als Drummer damit entdecken kann. Aber ohne eine klare Anleitung bist du aufgeschmissen.
Leider ist das ganze Thema Besenspielen mit vielen Missverständnissen behaftet. Da wird viel gerätselt und vermutet und solange man mit Skizzen arbeitet wird es wohl nie 100% klar. Auch durch das Hören einer Figur kannst du noch lange nicht darauf schließen wie sie gespielt wird. Gerade bei Besen ist es manchmal so kniffelig und der Teufel liegt im Detail. Im besten Fall hast du einen Lehrer der mit den Besensachen fit ist und es dir exakt erklären kann oder du lernst mit einer DVD. Die DVD als Lehrmedium ist meiner Meinung nach unschlagbar. Und wenn sie gut durchdacht ist und ein stimmiges Konzept bietet, dann kann man damit fantastisch arbeiten. Du siehst und hörst was gespielt wird, du kannst zurückspulen, du kannst die Bilder in Zeitlupe ablaufen lassen, du hast Pdfs und kannst dir Skizzen und Noten downloaden… Wir hatten z.B. eine Überkopfkamera installiert, mit der du aus Sicht des Spielers die Figuren verfolgen kannst. Das ist eine wunderbare Möglichkeit, geradezu Luxus und toll für das eigene Verstehen und Üben!

JDW: Was ist dein Ziel mit dieser DVD, welche sich ja sehr intensiv mit den Brushes auseinandersetzt?

AG: Ich wünsche mir, dass diese DVD für mehr Klarheit sorgt und für Spaß und Freude am Besenspielen. Jeder Drummer hat ein Paar Besen in der Tasche stecken, benutzt sie aber kaum. Und wenn, dann werden sie oft wie Sticks eingesetzt, was ok ist, aber das Potential liegt natürlich mehr in den Wischfiguren. Da kann man so herrliche Sachen machen. HipHop Grooves, Latin, Funk, Shuffle, Drum&Bass, die ganze World Music, New Orleans und natürlich all die Swing- und Jazzgrooves…Ich hab mir viel Gedanken gemacht, mit den Besen auch die ganze Popecke zu erschließen. Viele Drummer denken: Besen = Jazz, aber das ist nur ein Ausschnitt. Ich möchte auch zeigen, wie man in all den anderen Styles tolle Sachen mit Besen spielen kann. Die meisten Leute sind ja ziehmlich verblüfft wenn sie das zum ersten Mal hören. So nach dem Motto: “Und ich dachte mit den Besen geht nur Jazz…?!“

JDW: Du hast ja auch schon einmal ein Buch mit dem Titel „Das Grosse Besenbuch“ veröffentlicht. Ist die DVD „Brushes unlimited“ eine Weiterführung, deines Buches bzw. eine Ergänzung zum Buch?

AG: Definitiv ja! Außerdem ist die DVD viel ausführlicher. Es gibt eine Bandsession mir vier Songs, wo man die konkrete Anwendung sehen kann. Es gibt ein Drum`n`Bass Duo, es gibt ein extra Kapitel nur mit Licks, Fills und Tricks, es gibt ein extra Kapitel, das sich nur mit den Jazzsachen beschäftigt, jede Menge Groovebeispiele, die ich mit einem Bassisten gespielt habe und natürlich die ausführlichen Kapitel zu den drei verschiedenen Wischfiguren. Bei diesem Konzept lernst du nicht spezielle Patterns für spezielle Grooves, sondern du lernst drei Wischtechniken für drei verschiedene Tempobereiche. Langsam, mittel und schnell. Damit kannst du dich dann in allen Stilen ausdrücken. Ein sehr ökonomischer und umfassender Ansatz, den ich von meinem Lehrer in Arnheim, Joop van Eerven, mit auf den Weg bekommen habe.

JDW: Brushes sind ja immer noch, hauptsächlich fester Bestandteil eines Jazzdrummers bzw. viele Drummer scheuen sich davor auch mal zu Brushes zu greifen, was denkst du, weshalb ist das so?

AG: Brushes haben eindeutig eine swingende Tradition und wurden damals eingesetzt um leise Sachen zu spielen, bzw. leise zu begleiten. Das ist ja heute noch ähnlich. Du brauchst schon eine Band, die mit feinen Dynamiken und leisen Sachen umgehen kann.
Außerdem muss es eine Musik sein, die diese Dynamik überhaupt zulässt und das ist nun mal in Rocksachen, Metal oder noch Härterem nicht der Fall. Es sei denn sie machen unplugged Versionen.
Der zweite Grund für diese Scheu ist, dass es ohne Arbeit und Üben nicht funktioniert. Gerade wenn du wischen willst, dann musst du dich schon eine Weile in dieses Thema hineinknien, bevor du die Besensachen auf die Bühne bringst. Es dauert halt eine Weile und es braucht auch ein bisschen Disziplin. Du musst wirklich Spaß daran haben, sonst verschwinden die Besen schnell wieder in der Tasche.

JDW: Möchtest du mit deiner DVD auch Drummer ansprechen, welche sich bis jetzt nur selten bis gar nicht mit dem Thema Brushes beschäftigt haben?

AG: Na klar! Und ich denke, dass das auch schon ein bisschen gelungen ist. Die DVD verkauft sich ja recht gut und ich hab eine Menge Feedback von Drummern aus dem deutschsprachigen Raum und teils auch außerhalb bekommen. Zum Glück haben wir die DVD deutsch/englisch gemacht. Der Phil Maturano, ein guter Kumpel von mir, hat sie für mich synchronisiert.
Meist wecke ich ein Interesse an den Besensachen, wenn ich spiele oder Workshops gebe. Da sind natürlich immer auch Besensachen dabei und ich erkläre auch ein bisschen was zu den Besen. Da gibt es schon einige Leute, die inspiriert sind und sich die DVD mitnehmen, um es mal zu probieren. Echte Besenfans brauch ich ja nicht überzeugen. Für di war bzw. ist es interessant, ein umfassendes Konzept kennenzulernen. „Brushes unlimited…“ war die erste Besen-DVD weltweit und viele Drummer waren froh, dass es endlich mal ein strukturiertes und verständliches Konzept für das Besenspielen gab.
Ich hab ja kürzlich eine neue DVD herausgebracht, „Top 10 Fill & Licks“. Auch hier sind die Feedbacks und die Rezensionen ähnlich. „…endlich mal jemand, der die Dinge grundlegend und verständlich vermittelt und vorstellt, so dass man auch wirklich damit lernen und üben kann.“ Bei vielen DVDs hat man schnell das Gefühl, puh, das kapier ich nie. Was der da spielt ist fantastisch, aber wie funktioniert das?
Es hat bei mir auch über zwanzig Jahre Unterrichten und Spielen gedauert, bis ich soweit war, mich in den Lernenden hineinzuversetzen und die Systeme, Konzepte etc. entsprechend zu vermitteln.
Mir geht es um Klarheit und dass man seine Übe-Zeit möglichst effektiv und freudvoll nutzt und dafür brauchst du gutes Material, didaktisch durchdacht und ansprechend präsentiert.

JDW: Welche Drummer haben oder beeinflussen dich besonders, ins besondere Drummer, welche vor allem auch ausgezeichnete Brushes Player sind?

AG: Bei den Besen hatte ich kein Idol oder ein konkretes Vorbild. Ich hatte das Glück, einen großartigen Lehrer zu haben, Joop van Eerven, der mir tolle Sachen beigebracht hat und der mich motiviert hat, die Dinge weiter zu entwickeln.
Peter Erskine, Manu Katche, Vinnie Colaiuta, Stewart Copeland, Dave Weckl, Wolfgang Haffner, Omar Hakim sind Drummer, die mich sowohl mit Sticks als auch mit Besen sehr inspiriert haben. Keith Carlock, Jeff „Tain“ Watts und Bill Steward finde ich auch toll.

JDW: Nebst Autor von diversen Büchern und DVDs, schreibst du auch Workshops für das deutsche Schlagzeuger Magazin „drums & percussion“. Zudem unterrichtest du ja auch noch. Was liegt dir besonders am Herzen bzw. was gibt’s du deinen Schülern so mit auf Ihren Weg als Drummer?

AG: In den letzten Jahren hab ich immer mehr erkannt und gelernt, dass viele verschiedene Wege nach Rom führen. Es gibt so viele Möglichkeiten mit der Musik sein Geld zu verdienen, und viele Menschen sind auch zufrieden wenn die Musik und das Trommeln ein Hobby ist. Manche genießen es am Tag 6 Stunden zu üben, andere verlieren schon nach einer Stunde den Spaß. Wenn ein Drummer professionelle Ambitionen hat, dann muss er versuchen seine Ziele, den Zeitraum in dem er diese erreichen will und seine aktuellen Fähigkeiten möglichst ehrlich und klar zu definieren und sich dann entsprechend auf den Weg machen. Ein guter Lehrer ist in so einer Situation eine große Hilfe.
Für mich persönlich ist die Balance wichtig. Balance zwischen Unterrichten und Spielen, eigene Musik und kommerzielle Musik bei der es vor allem um das Geld verdienen geht, Workshops und Clinics, ab und zu ein neues Buch oder eine neue DVD. Und ab und zu auch mal nix, Abstand…
Hauptsache man geht seinen Weg konsequent und mit möglichst viel Mut und Hingabe und Einsatz und ist bereit, auch mal etwas zu wagen, auch wenn es in die Hose geht…

JDW: Welche CD Produktionen von dir oder auch wo du mitgewirkt hast, kannst du den Lesern von jazzdrummerworld.com empfehlen?

AG: Ich hab einige Platten eingespielt in den letzten Jahren, aber Produktionen, mit denen ich mich als Drummer so richtig gut präsentiert fühle sind nicht dabei. Das waren eher Studiojobs und kommerzielle Produktionen. Es gibt zwei sehr schöne CDs mit Impala, einem Fusion-Funk Trio, aber das ist schon 6-7 Jahre her…
Zur Zeit bereite ich ein Projekt vor mit dem ich viel spielen will und auch CDs machen möchte. Ich hatte immer eine Affinität zu kleinen Besetzungen, bei denen viel Platz ist für Interaktion, Soli und Improvisation. So wird es auch jetzt sein. Ein akustisch orientiertes Klaviertrio, E-Bass und ich. Wir haben in den vergangenen Jahren einige Jobs gespielt, aber immer so lose ohne Ziel. Jetzt möchte ich es konkreter machen. Ich möchte viel mit Besen spielen und auch richtig „abledern“. Dieter Greifenberg spielt Piano und Wolle Diekmann spielt Bass. Mit den Jungs geht das, die sind dermaßen fit! Das macht unglaublich viel Spaß. Sobald wir die anstehenden Aufnahmen gemischt haben schicke ich der jazzdrummerworld.com ein paar Mp3s.

JDW: Dann bedanke ich mich, bei dir Andy, recht herzlich für dieses Interview und wünsche dir weiterhin viel Erfolg als Musiker und das auch deine DVD noch von vielen Drummern entdeckt wird.

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