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Interview Matthias Meusel

Interviews 16. Juli 2008 - 15:22 UHR 0 Kommentare
Der deutsche Schlagzeuger Matthias “Maze” Meusel ist bei vielen bekannt als der Schlagzeuger der Roger Cicero Big Band, wo er für den grandiosen Swing und Groove der Band zuständig ist. Seine Grooves sind kraftvoll, vielseitig und sie bleiben einem im Ohr. jazzdrummerworld hatte die Gelegenheit mit dem sympathischen Drummer ein Interview zu führen. Hier sprach Matthias über seine Projekte, seine Arbeit als Musiker und vieles mehr…

Matthias Maze Meusel

JDW: Matthias du bist bei diversen Projekten mit dabei, unter anderem kennt man dich als Schlagzeuger von der Roger Cicero Band. Aber nicht nur hier bist du voll dabei, bei welchen Projekten wirkst du noch mit?

MM: Für andere feste Projekte bleibt natürlich nicht viel Zeit neben Roger. Regelmäßig und
jetzt seit drei Jahren bin ich aber immer wieder mit Tok Tok Tok auf Tour und im Studio. Das ist ein mir sehr wichtiges Kontrastprogramm. Sowohl musikalisch als auch vom ganzen Drumherum. Eine Band, die sich alles selbst erarbeitet hat und die sich jeden Erfolg ganz auf die eigene Fahne schreiben kann, ohne eine Maschinerie dahinter. “After Hours” ist das Jazzquartett mit dem ich schon ganz, ganz lange zusammen spiele und was mir nach wie vor sehr wichtig ist. Roger Cicero ist –lange bevor es für ihn so abging – als Sänger für unser erstes Album “There I go” dabei gewesen und wir sind mit ihm zusammen viel unterwegs gewesen. Das Quartett ist heute “the Band in the Band” in der Roger Cicero BigBand. Das ist für uns natürlich ein riesen Glück, mit einer eingespielten und gewachsenen Band unterwegs zu sein – auch wenn wir gerade nicht unsere eigenen Sachen machen können. Allerdings planen wir gerade ein neues Album und wir sind gespannt, wohin die Reise gehen wird. Ansonsten spiele ich zur Zeit sehr viele Studiojobs für diverse Künstler. Gerade war ich für Tom Gäbel im Studio und spiele die nächste Zeit wieder mit Tok Tok Tok Konzerte auf Festivals. Zwischendurch sind auch Gigs mit Till Brönner oder Jan Delay dabei gewesen dieses Jahr. Zur Zeit ist das alles extrem abwechslungsreich und macht unglaublich Spaß.

Matthias Maze Meusel Portrait

JDW: Du hast an der der Hochschule für Musik und Theater in Hannover studiert. Wie hast du diese Zeit dort empfunden und wie stehst du persönlich zu solch einem Studium? Denkst du, dass es eine Grundvoraussetzung ist damit man als Musiker Erfolg oder Anerkennung bekommt?

MM: Nein – das sehe ich nicht so. Ich würde auch nicht sagen, dass zwangsläufig das
Gegenteil der Fall ist, aber mich hat nie jemand gefragt, ob ich studiert habe, bevor ich irgendeinen Gig bekommen habe. Es gefällt wie Du spielst oder eben nicht. Wenn Du durch ein Studium gelernt hast, so zu spielen, dass es Dir nachher hilft, dann ist das gut. Wenn es Dir geholfen hat auf anderen, wie auch immer gearteten Wegen dazu zu kommen – auch gut. Das gilt jedenfalls für alle, die auf dem freien Markt arbeiten wollen. Gerade in Deutschland brauchst Du an allen Ecken nen Schein, wenn Du eine Laufbahn an einer Hochschule oder einer staatlichen Musikschule machen willst. Da ist es einfach Voraussetzung studiert zu haben. Aber das ist nichts was ich als Anerkennung im eigentlichen Sinn bezeichnen würde. Eher Mittel zum Zweck. Wer spielen will, hat das in der Geschichte doch immer auf der Bühne gelernt und hat auch da dann die Anerkennung bekommen. Ein Studium schadet natürlich nicht und ich rate niemandem davon ab. Aber keine Schule nimmt Dir die Erfahrung ab, die Du draußen machen musst.

Matthias Maze Meusel Portrait

JDW: Wie siehst du persönlich die Arbeit bzw. den Beruf als Schlagzeuger? Ist es schwierig an geeignete Jobs – wovon man auch leben kann – zu kommen, gerade auch in Deutschland, oder hattest du bis jetzt nie solche Probleme?

MM: Jeder hat Phasen, in denen es mal schwierig ist. Das sind nicht immer gleich Krisen und
man gewinnt ja mit der Zeit und der Erfahrung auch Vertrauen in die Zukunft. Das ist eigentlich gar nichts Spezielles, nur weil man nun Schlagzeuger ist. Das geht jedem Selbstständigen so. Ob als Maler, Friseur oder eben Musiker. Das ist in Deutschland so wie überall auf der Welt. Ich denke, das wichtigste ist eine positive Einstellung zum Leben und eine gewisse Gelassenheit. Es ist nicht jeder Gig der geilste Deines Lebens. Aber es kann trotzdem vieles sehr wichtig sein, um sich zu entwickeln, neue Kontakte zu knüpfen, sich inspirieren zu lassen oder einfach Geld zu verdienen. All das hat ja seine Berechtigung. Wenn man sich selbst auch begeistern kann, ist das eine gute Voraussetzung dafür, dass man nicht ständig über das nachdenkt, was man NOCH nicht erreicht hat.

Es kommt auch auf Deine eigene Erwartung an. Wenn Du Dir selbst immer nur gut genug bist, wenn Du die Nummer eins bist, wirst Du nie zufrieden sein. Es gibt keine Nummer eins. Du bist der Richtige mit dem richtigen Style, dem richtigen Sound, der richtigen Frisur am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und Du hast vielleicht den Gig Deines Lebens. Aber das alles hat so viele Variablen, dass man es natürlich oft einfach Glück nennen muss, wenn es dann funktioniert. Natürlich macht man seine Hausaufgaben, ist pünktlich, ist vorbereitet; vielleicht gehst Du auch an Orte, wo mehr passieren kann für Dich, aber letztlich bist Du es nie allein, der entscheidet, ob es funktioniert. Ich bin sehr sehr dankbar, dass ich als Musiker leben kann und meine Familie noch dazu. Das ist keine Selbstverständlichkeit und ich habe regelmäßig Momente, in denen mich das auch mit einer gewissen Demut erfüllt. Es ist ein Geschenk – auch wenn ich wirklich hart dafür arbeite.

Matthias Maze Meusel Portrait

JDW: Welche Ziele verfolgst du als Musiker persönlich? Gibt es Dinge, welche du unbedingt einmal noch machen möchtest?

MM: Ich will unbedingt meine eigene Band machen und meine eigene Platte und auch damit auf die Straße. Ich war lange nicht so weit, um das ernsthaft anzugehen. Aber seit einiger Zeit wird der Wunsch immer stärker in mir und ich werde versuchen im kommenden Jahr mal loszulegen. Ich war immer Sideman und ich genieße das auch. Aber irgendwie habe ich nach all der Zeit Lust, mal mein ganz eigenes Ding zu machen.

JDW: Wie sieht dein Equipment aus und wie wichtig ist dir das eigene Equipment?

MM: Ich würde Equipment nicht überbewerten, aber es ist mir schon sehr wichtig. Ich bin jetzt seit einem Jahr bei Tama und Meinl und bin wirklich sehr zufrieden. Mir ist wichtig, im Studio so variabel und vielseitig wie nur irgend möglich sein zu können. Das heißt nicht nur, dass man genug Equipment hat, sondern auch, dass die Sachen leicht zu händeln sind. Das Trommeln schnell zu stimmen sind, flexibel sind und in allen musikalischen Situationen überzeugen. Der Spagat von Punk zu Jazz ist ja nun mal nicht gerade klein. Ich steh drauf, in der jeweiligen Situation, den amtlichen Sound zu haben und nicht einen, der irgendwie nur ein bisschen so klingt. Dafür brauchst Du einfach viele verschiedene Snares, Becken und auch alle möglichen Bassdrums. Zur Zeit spiele ich allerdings fast alles mit einer 24″ Starclassic B/B Bassdrum, die einfach unglaublich geil ist. Der Aufbau und das genaue Setup variiert aber immer und hängt natürlich ganz an der Musik, die ich gerade spiele.

Matthias Maze Meusel Portrait

JDW: Nicht unbekannt ist auch dein Groove, womit du in Bands wie “Tok Tok Tok” und andere, dafür sorgst das die Post abgeht, aber immer auch dafür sorgst das die Drums bestens die Musik unterstützten. Wie gehst du an Grooves heran und was denkst du, was macht einen guten Groove aus?

MM: Ein guter Groove bringt den Song nach vorne und sorgt dafür, dass jeder, der mit Dir spielt gut klingt. Das ist die Aufgabe. Alles worum es –jedenfalls mir- beim Schlagzeug überhaupt geht.

JDW: In welcher Musik fühlst du dich am wohlsten oder anders gefragt, gibt es Musik die du mehr magst und wo auch deine Vorlieben sind?

MM: Das ändert sich viel zu oft, um es Vorlieben zu nennen. Es gibt einfach gut gemachte
Musik und schlecht gemachte Musik. Meine Vorliebe ist jedenfalls die gut gemachte Musik. Mehr kann ich da gar nicht sagen.

JDW: Wenn man deinen Terminplan sieht, bist du sehr viel Unterwegs und hast demnach viel zu tun! Bist du gerne auf Tour?

MM: Ich bin sehr gerne auf Tour und ich kann nicht sagen, dass ich davon zu wenig gehabt
hätte die letzten Jahre. Allerdings gestaltet sich das Thema natürlich etwas anders, seit ich
Familie habe und deshalb auch wirklich gerne zu Hause bin. Das ist die Kehrseite, die jeder mit in Kauf nehmen muss und die mir wirklich was abverlangt. Trotzdem würde ich’s nicht anders wollen.

JDW: Wenn du am Schlagzeug übst, was ist dir da wichtig, an welchen Sachen arbeitest du gerne?

MM: Ich habe leider sehr wenig Zeit zu üben. Ich übe nicht sehr gerne Technik, sondern
analysiere Feels und Grooves. Viel Musik hören und wirklich verinnerlichen, was da passiert. Für mich hat alles mit der Musik angefangen und deshalb beschäftigt mich auch heut noch immer eher das ganzheitlich Musikalische und viel weniger nur das Drumset. Für mich ist so gesehen auch üben, wenn ich mich mit ner neuen CD auf die Terrasse setze und sie mir 4 mal anhöre, ohne etwas anderes dabei zu tun.

Matthias Maze Meusel Portrait

JDW: Wie sieht es mit eigenen Projekten aus? Bleibt dir da die Zeit dafür oder hättest manchmal gerne mehr Zeit für deine eigenen Ideen und Projekten?

MM: Die eigenen Projekte kommen ja alle noch – wart’s ab :-)

JDW: Gibt es abschliessende Worte, die du gerne der Schlagzeuger Welt mitteilen
möchtest?

MM: Nehmt’s nicht alles so wichtig – am Ende des Tages ist es doch alles nur Musik.

JDW: Herzlichen Dank für dieses Gespräch Maze und weiterhin viel Erfolg wünscht dir jazzdrummerworld!

Weitere Informationen zu Matthias “Maze” Meusel und den Projekten
Offizielle Website von Matthias “Maze” Meusel
Roger Cicero Band
Tok Tok Tok

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