Follow Us on Twitter   •   Project by derDrummer.ch   •   Support Us   •   FAQ   •   Links   •   Freitag 2. Dec 2016
- Anzeige -
QSC Touchmix
- Anzeige -

Interview Lizzy Scharnofske

Interviews 07. März 2013 - 19:34 UHR 1 Kommentar
Lizzy Scharnofske ist eine junge Schlagzeugerin welche sich für akustische aber auch für elektronische Musik begeistert. Feinfühlig und virtuos geht sie ihren eigenen Weg. JazzDrummerWorld sprach mit ihr über ihre Projekte, wie man sich als Schlagzeugerin behauptet und vieles mehr.

Lizzy Scharnofske© Photo by Jannis Mayr

JDW: Lizzy welche Projekte beschäftigen dich zur Zeit und wo bist du als Schlagzeugerin tätig?

Lizzy Scharnofske: Zur Zeit beschäftige ich mich am meisten mit meinem Elektro Trio „COL.DECKER“. Da stehen jetzt eine EP Produktion und Label Suche an. Ausserdem kümmere ich mich verstärkt um neue Auftritte für mein Jazztrio „Center“. Ohne Booking muss man ja leider alles selber machen.

Dann bin ich noch in diversen anderen Projekten als Sidewoman aktiv und dafür wird auch geübt und geprobt. Es wird also nie langweilig und es gibt immer etwas zu tun.

JDW: Haben es Frauen welche Schlagzeug spielen schwieriger? Wie erlebst du das persönlich?

LS: Ich würde sagen Drummerin sein hat genauso viele Vor- wie auch Nachteile. Die Szene wird definitiv noch von den Männern dominiert und Frauen haben es schwerer sich durchzusetzen. Aber das liegt vielleicht auch an der Art der meisten Frauen. Bei manchen Jobs ist auch explizit eine Frau am Set gewünscht. Leider geht es da aber meistens nur um das Optische und nicht das Spielerische. Das macht es uns Frauen natürlich auch nicht leichter sich in der Szene durchzusetzen.

Ich erinnere mich noch gut an meine Studienzeiten wo andere Musiker mich belächelt oder blöde Sprüche gemacht haben als ich mich bei Sessions an das Schlagzeug gesetzt habe. Da musste ich erst zeigen, dass ich spielen kann, danach waren alle still. Es gibt auch noch viele Musiker, die der Meinung sind, Frauen könnten kein Schlagzeug spielen. Aber da muss man dann darüber stehen.

Lizzy Scharnofske

© Photo by Felix Jäkel

Mittlerweile hab ich aber auch schon von Kollegen gehört, dass sie lieber mit einer Frau am Schlagzeug spielen, weil sie einfach gefühlvoller spielt und gut zuhört. Aber das kann ich selber nicht genau beurteilen. Jeder hat seinen eigenen Stil. Alles in allem finde ich es total schade, dass da so ein grosser Unterschied gemacht wird. Ob Mann oder Frau, ist doch egal!

Wenn ich Leuten erzähle, dass ich Musikerin bin, denken immer alle ich sei Sängerin. Wenn ich dann sage: „Nein, Schlagzeugerin“, können es die meisten nicht glauben. Das ist lustig. Es gibt einfach noch eine Menge Vorurteile, was ich sehr schade finde.

Ich möchte einfach sagen können, „Ich bin Drummer“ und damit ist es gut!

JDW: Du beschäftigst dich auch mit elektronischer Musik. Wie kombinierst du das Ganze und wie gehst du da vor?

LS: Anfangs habe ich nur akustische Sets gespielt, nach und nach kam immer mehr Technik dazu. Ich habe z.B. zu programmierten Loops vom Laptop gespielt, später habe ich Trigger verwendet um zusätzlich zu meinen akustischen Trommeln ein Sample zu Triggern. Manchmal habe ich auch mein Set abgenommen und die Signale mit akustischen Effekten wie Hall, Delay etc. gemischt. Nach und nach kamen richtige Pads dazu. Erst ein Octapad und mittlerweile besitze ich auch ein E-Set und spiele komplett nur elektronische Sounds. Aber den elektroakustischen Kombinationen sind ja auch keine Grenzen gesetzt. Momentan bastele ich an einem Drumpad Anzug. Aber mehr wird noch nicht verraten.

Lizzy Scharnofske

© Photo by Felix Jäkel

JDW: Hast du persönlich Vorbilder, wenn es um elektronische Musik geht. Gerade auch aus dem Schlagzeuger Bereich?

LS: Aus dem Minimal, Elektro/Techno Bereich kenne ich kaum Schlagzeuger. Das ist ja meistens alles programmiert. Wenn ich aber immer schon toll finde, ist Jojo Mayer.

JDW: Wie hast und übst du für dich persönlich? Was ist für den Schlagzeuger von heute besonders wichtig?

LS: Ich mag Rudiments, auf der kleinen Trommel oder am Set verteilt. Ausserdem spiele ich immer gerne klassische Snare Etüden. Dann liebe ich es einfach Musik anzumachen und dazu zu spielen. Ich übe immer anders, immer das was mich im Moment interessiert. Ein Metronom ist so gut wie immer am Start. Was für den Schlagzeuger von heute besonders wichtig ist, muss jeder für sich selber wissen. Es kommt ja darauf an wo man hin will, was man erreichen will. Ich selber finde es toll mit der Zeit zu gehen. Grad in Berlin ist die elektronische Musik in allen Formen total präsent, das finde ich spannend auszuchecken. Ansonsten ist es immer gut über den Tellerrand zu schauen, von anderen Musikern zu lernen und mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen.

Lizzy Scharnofske

© Photo by Felix Jäkel

JDW: Das Musikbusiness ist ein hartes Pflaster. Vieles hat sich heute vereinfacht aber auch erschwert? Wie siehst du das Ganze Business und was ist da in deinen Augen wichtig um bestehen zu können?

LS: Ich bin Nischen Musikerin. Meine Musik kann man selten irgendwo einordnen, was das Bestehen im Musikbusiness nicht unbedingt vereinfacht. Ich mag aussergewöhnliche Projekte, Bands die anders sind und sich herausheben. Dass diese Bands es in der heutigen Musikindustrie schaffen, ist aber eher selten. Die Musik im Radio finde ich oft sehr monoton, sehr kommerzlastig. Manchmal muss man auch einfach Glück haben und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Dann trifft man die wichtigen Leute und zack ist man schon mitten drinnen im Business. Ausserdem sollte man am Ball bleiben, authentisch sein und Ausdauer beweisen um im Musikbusiness bestehen zu können.

JDW: Heute arbeitet man als Schlagzeuger nicht nur hinter dem Instrument, sondern ist zugleich oft auch als Komponist, Produzent usw. tätig. Wie gestaltet sich das bei dir?

LS: Ich habe mich oft an den Rechner gesetzt um Tracks zu produzieren. Allein oder mit Kollegen. Ich glaube da kommt, man wenn man nicht ausschliesslich auf akustische Musik schwört, heutzutage kaum dran vorbei.

Lizzy Scharnofske

© Photo by Felix Jäkel

JDW: Welche Alben sollte man sich anhören, wenn man sich dein Schlagzeugspiel zur Gemüte führen möchte?

LS: Hier gibt’s schönen Jazz – Center „Reisezeit“ (Konnex 2010)

Hier eine elektroakustische Mischung – Steyer/Scharnofske „Sinnlichkeit und Wahnsinn“ (2010)Grambowski „alles“ (SugarCandyMountain 2005)

Ansonsten gibt’s Elektronisches hier – www.coldecker.de und www.the-cox.com

JDW: Gibt es abschliessende Worte an die Leser von JazzDrummerWorld?

LS: JA, und für alle anderen Menschen auch.

Life is short. Break the rules. Forgive quickly, kiss slowly, love truly, laugh uncontrollably, and never regret anything that made you smile. (Mark Twain)

1 Kommentare

  1. Jonas
    8. März 2013 um 16:27 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Es ist total cool zu sehen wie sich so eine Story entwickelt! Früher konnten wir nicht mehr im Keller Sofaburgen bauen, weil Lizzy plötzlich dauernd Schlagzeug geübt hat und heute merkste dann auf einmal wie sehr sich das Üben gelohnt hat! Werd grad ein bisschen sentimental… :)

Artikel kommentieren

JazzDrummerWorld freut sich über Kommentare und ist an einer offenen Diskussion sehr interessiert. Deine Meinung zum Artikel ist wichtig. JazzDrummerWorld behält sich jedoch vor, beleidigende bzw., unangebrachte Kommentare zu löschen!

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder! Gewisse Kommentare werden nicht sofort angezeigt, sondern müssen erst freigeschalten werden. Beachten Sie auch die Nutzungsbedingungen und die FAQ Seite, mit häufig gestellten Fragen.








SUBSCRIBE NEWSLETTER

DAILY GROOVES

WORKSHOP

 Thumbnail

Workshop – Single Pedal Workouts Part 2


Aufgrund meiner Daily Grooves bei Instagram, wurde der Wunsch geäussert für einen weiteren kleinen Single Pedal... Mehr lesen »

BUCH TIPP

 Thumbnail

Mark Guiliana – Exploring Your Creativity on the Drumset


Mark Guiliana ist kein unbekannter. Er gehört zu den herausragendsten Schlagzeugern unserer Zeit. Sein Spiel besticht durch... Mehr lesen »

Agner Swiss Drumsticks   Puresound   Evans Drumheads   Anatolian Cymbals   Schlagwerk Percussion   audio protect ag   DRUMS ONLY Zürich   Tama Drums