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Interview Julian Sartorius

Interviews 16. März 2010 - 08:36 UHR 0 Kommentare
Julian Sartorius ein Schweizer Schlagzeuger welcher unter anderem bei Sophie Hunger sowie in den verschiedensten Jazzbands trommelt. Auch Auftritte mit Künstlern aus anderen Bereichen, wie Dichtern usw., sowie Solo Performances gehören bei ihm dazu. Julian Sartorius ist auch bekannt, dass er die unterschiedlichsten Sounds am Drumset mag und damit experimentiert und so neue Sound Wege sucht und auch geht. Wir sprachen mit ihm über seine Tätigkeit als Schlagzeuger, über den Drum Sound und vielem mehr.

Julian Sartorius
Photo © by Martin Möll

JDW: Julian, du bist aktiv als Schlagzeuger im In- und Ausland tätig. Kannst du mehr über deine Projekte erzählen, bei welchen du mitwirkst?

Julian Sartorius: Ich spiele in verschiedenen Bands innerhalb der Impro- und Jazz-Szene (z.B. mit LiLa, Jean-Paul Bourelly’s Motion, Erb’s Veto, Streiff/Johnson Quartett, Sha’s Banryu, Stefan Aeby Trio, u.a.), arbeite mit der Sängerin Sophie Hunger, dem Dichter Jürg Halter (Kutti MC) und sporadisch mit bildenden Künstlern für Installationen oder Performances zusammen. Da ich selber zeichne und male, sind mir der Austausch und die Zusammenarbeit mit Künstlern anderer Medien wichtig. Zudem spiele ich immer wieder Solo-Konzerte.

Da ich im Moment oft auf Tournee bin und die meiste Zeit im Bus verbringe, habe ich auch damit begonnen, auf der MPC experimentelle Beats zu produzieren. Die Sounds dazu nehme ich meist selber auf, in Hotelzimmern oder auf der Strasse, und veröffentliche diese Musik unter einem Pseudonym.

JDW: Du hast auch schon diverse Auszeichnungen erhalten, wie den Kulturförderpreis der Stadt Thun 2007, Preis der Axelle und Max Koch Stiftung Luzern 2006 sowie ein Stipendium der Friedl Wald-Stiftung Basel 2005. Was bedeuten dir persönlich diese Auszeichnungen, und wie haben Sie dir persönlich als Musiker geholfen bzw. hattest du durch diese Auszeichnungen gewisse Vorteile?

JS: Ja, diese Auszeichnungen waren natürlich wichtig für mich. Der Preis der Friedl Wald-Stiftung hat mir die Möglichkeit gegeben, nach dem Studium den Versuch zu wagen, nur von Konzerten zu leben, ohne regelmässig zu unterrichten. Er war quasi ein finanzielles Auffangnetz für den Fall, dass es nicht funktionieren sollte. Dank dem Thuner Kulturförderpreis habe ich bei Musikern, die mich interessieren (Gerry Hemingway u.a.), Privat-Unterricht geniessen dürfen. Das hat mich extrem weitergebracht.

Julian Sartorius

JDW: Wie ist die Zusammenarbeit mit Sophie Hunger zustande gekommen, wie bist du als Drummer zu Ihr gestossen?

JS: Sie hat mich im Sommer 2008 nebst anderen Drummern zu einer Audition eingeladen. Dabei habe ich mit der Band drei Stücke geprobt, die sie mir vorher zugeschickt hatte. Wir haben uns auf Anhieb gut verstanden.

JDW: Wie hast du deine Ausbildung an der Musikhochschule Luzern empfunden und wie stehst du zu den Ausbildungsstätten für Musiker hier in der Schweiz?

JS: Die Ausbildung in Luzern empfand ich als sehr gut. Ich hatte dort die Chance, bei grossartigen Musikern langjährigen Unterricht zu nehmen; so bei Fabian Kuratli, Norbert Pfammatter, Pierre Favre und dem Pianisten Roberto Domeniconi. Die Schule in Luzern habe ich stilistisch als sehr offen erlebt. Sie unterstützt die Studenten darin, ihren eigenen Weg zu gehen. Zu den anderen Schulen kann ich mich nicht äussern, da ich sie nicht besucht habe.

Julian Sartorius

Photo © by Romano Riedo

JDW: Welche Drummer haben und beeinflussen dich noch heute?

JS: Das ist eine schwierige Frage, ich kann sie nicht eindeutig beantworten. Seit längerer Zeit bin ich vor allem von elektronischer Musik und bestimmten Komponisten und Produzenten beeinflusst. Ausserdem höre ich oft Musik, die ohne Schlagzeug aufgenommen wurde, z.B. experimentelle Solo-Platten anderer Instrumente und Klassische oder „Neue Musik“. Ferner gibt es gewisse Rapper, die mich mit ihrem Flow stark für Soli inspiriert haben. Auch der Schriftsteller Thomas Bernhard hat mich mit seiner grossartigen Sprache beeinflusst. Um trotzdem noch Schlagzeuger zu nennen, die mich in der Vergangenheit begeistert haben: Tom Rainey, Gerry Hemingway, Joey Baron, Milford Graves und Han Bennink waren z.B. wichtig für mich. Aber auch Billy Martin, Zigaboo Modeliste, Jay Bellerose oder Jim Keltner. Und natürlich Elvin Jones, Tony Williams und Papa Joe Jones. Und viele mehr. Meine oben genannten Lehrer haben auch einen riesigen Einfluss auf mich gehabt.

Julian Sartorius

Photo © by Romano Riedo

JDW: Experimentierst du am Schlagzeug auch gerne mit unterschiedlichen Sounds herum, setzt du da noch spezielle Sachen ein oder wie ergänzt du dein akustisches Drumset?

JS: Ja, ich präpariere meine Trommeln und Becken mit verschiedensten Dingen und benutze allerlei Gegenstände als Sticks. Das kommt einerseits daher, dass ich wie bereits angesprochen häufig elektronische Musik höre und dadurch stark von dieser Klangwelt beeinflusst bin, am Schlagzeug aber akustisch arbeiten möchte. Andererseits genügen mir die gängigen Drumsounds manchmal nicht mehr. Mich fasziniert die Suche nach neuen Möglichkeiten.

JDW: Eine Frage, welche man als Musiker meistens gestellt bekommt, ist jene ob man von der Musik leben kann? Wie sieht das bei dir aus? Lebst du rein von den Konzerten?

JS: Ja, seit mehreren Jahren lebe ich ausschliesslich von Konzerten, mit der Ausnahme, dass ich früher vereinzelt eintägige Stellvertretungen an Musikschulen gegeben habe. Einen fixen Unterrichtsjob hatte ich nie. Ich lebe nur von Konzert- und Studiogagen.

Julian Sartorius

Photo © by Margareta Sommer

JDW: Wie gestaltet sich bei dir das Üben, findest du die Zeit dafür und wenn ja, wie übst du? Hast du eine spezielle Philosophie?

JS: Da ich im Moment häufig unterwegs bin, übe ich vor allem mental. Ich habe mich vor einigen Jahren intensiv damit auseinandergesetzt und meine Diplomarbeit zu diesem Thema geschrieben.

Wenn ich Zeit finde, im Übungsraum zu arbeiten, so improvisiere ich meistens und experimentiere mit Sounds oder rhythmischen Motiven oder versuche, musikalische Bögen über eine bestimmte Zeitdauer zu spannen. Oder ich übe Beats, die ich von Aufnahmen transkribiert habe. Abgesehen vom Üben habe ich viele Bücher von Musikern oder bildenden Künstlern gelesen. Manche haben mir Dinge klar gemacht, die mir durchs Üben allein nicht bewusst geworden wären. Ich bin der Meinung, dass man auch das aufmerksame Musikhören als Übungszeit rechnen sollte, man lernt enorm viel dabei. Deshalb finde ich, dass das Sprichwort „Übung macht den Meister“ nur stimmt, wenn man den Begriff des Übens ausdehnt. Zudem finde ich es extrem wichtig, dass man sich im Übungsplan freies Improvisieren einplant: das fördert die eigene Sprache, integriert die erlernte Technik ins Spiel und man wird auf sich selbst zurückgeworfen.

JDW: Gibt es von deiner Seite her konkrete Pläne und Ziele für die nächste Zeit?

JS: Ja, ich habe konkrete Pläne und Ziele und arbeite an deren Umsetzung. Voraussichtlich werde ich diesen Herbst zwei Ideen realisieren können.

JDW: Was kannst du Drummern mit auf den Weg geben, welche den Beruf als Drummer gewählt haben?

JS: Aufmerksam sein. Zuhören. Hören.

JDW: Danke Julian für dieses Gespräch und weiterhin alles gute und viel Erfolg als Musiker.

Mehr über Julian Sartorius findet man auch unter juliansartorius.ch

Diskografie Auswahl
• Sophie Hunger – 1983 – two gentlemen, 2010
• Stefan Aeby Trio – Are You…? unit records, 2010
• Rhys Chatham – The Bern Project – hinterzimmer records, 2010
• Trummer – Im Schatte vo dem Bärg – faze records, 2007



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