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Interview Jojo Mayer

Interviews 10. November 2009 - 08:58 UHR 3 Kommentare
Jojo Mayer gehört zu den herausragendsten Drummern unserer Zeit, sowohl technisch als auch musikalisch. Nicht zuletzt sorgte er auch mit seiner DVD „Secret Weapons For The Modern Drummer“, einer umfassenden Enzyklopädie der Handtechnik, für Aufsehen. Im Interview sprachen wir mit Jojo Mayer über die DVD, laufende Projekte sowie über andere Themen rund um Musik und Drums.

Jojo Mayer

JDW: Jojo, du warst auf Workshop Tour und hast an verschiedenen Orten Drum Clinics gegeben. Macht dir das Spass, deine Erfahrungen an ein Publikum weiterzugeben? Wie stehst du zu solchen Drum Clinics?

Jojo Mayer: Ich denke, wer keinen Spass daran hat seine Erfahrungen weiterzugeben, sollte keine Clinics machen. Meiner Meinung nach, sollte eine Drum Clinic ein kondensierter Bildungsauftrag sein, welcher dem Publikum einen Einblick hinter die Kulisse eines Performers gibt. Leider sind mittlerweile allzuviele Clinics eine letzte Plattform für technisch superentwickelte Drumsolos geworden die, ausser Drummer, sonst niemanden mehr interessieren. Es geht oft zu sehr um messbare Leistungen und die Musik bleibt häufig dabei auf der Strecke. Ab und zu sehe ich mich an Clinics mit einem Publikum konfrontiert, das nur darauf wartet, sich den nächsten geilen Trick reinzuziehen, was etwas anstrengend sein kann. Ich sehe dies dann aber als eine Chance und bemühe mich ihnen die echte Magie der Musik etwas näher zu bringen, was auch meistens geschätzt wird und mich diesbezüglich motiviert.

JDW: Deine neuste DVD „Secret Weapons For The Modern Drummer“ beschäftigt sich ja ausführlich mit der Handtechnik. Bis jetzt gab es wohl kaum eine vergleichbare DVD, welche sich so ausführlich mit den unterschiedlichsten Handtechniken beschäftigt, wie deine. Wie entstand die Idee zu dieser DVD?

JM: Die Grundidee dazu entstand einerseits dadurch, dass mir bewusst wurde, dass es solch eine DVD noch nicht gibt und dass generell für Handtechniken noch kein allumfassendes Werk gemacht wurde. Da gibt es nur fragmentarische Ansätze. Für fast alle anderen Instrumente gibt es dies schon lange. Nur für Drummer eben nicht. Im weiteren beobachtete ich, dass viele Lernmethoden für Handtechnik aus dogmatischen Überlieferungen stammen und weniger auf einer Analyse der eigentlichen physikalischen und technischen Vorgänge. Also dachte ich, dass so eine Methode etwas brauchbares sein könnte und Drummern weiterhelfen würde, neue Blickwinkel zur Technik zu kriegen.

Jojo Mayer

JDW: Seit wann beschäftigst du dich so intensiv mit der Handtechnik? Und wie lange hast du gebraucht um die unterschiedlichsten Techniken zu lernen bzw. umzusetzen, so das es in deinem Spiel schön flüssig und locker daherkommt?

JM: Ich fing an mich Mitte der 80er Jahre vermehrt mit Technik auseinander zu setzen. Ausgelöst wurde dies einerseits durch einige technische Limitierungen, die mich selbst beschäftigten und durch mein Zusammentreffen mit Jim Chapin, der mir einige Wege zur Behebung dieser Probleme zeigte und mich so als erster an eine andere Denkweise bezüglich Technik führte. Es ist schwer zu sagen, wie lange es gebraucht hat, diese Techniken umzusetzen, da es so viele unterschiedliche Herangehensweisen sind. Manche brachten über Nacht Erfolg, manche dauerten ein paar Monate und andere wiederum Jahre.

Jojo Mayer

JDW: Du kommst ja ursprünglich aus der Schweiz, und bist nach Amerika übergesiedelt und auch dort geblieben. Anders als andere, welche auch mal nach Amerika gehen und dann doch wieder zurückkommen. Was hat dich dazu bewogen, dort zu bleiben?

JM: Zum einen muss ich wohl sagen, dass ich nach New York City ausgewandert bin, was meiner Meinung nach noch nicht wirklich Amerika ist. Eher so eine Insel, die zwischen Europa und Amerika im Atlantik schwimmt. Zum anderen war es so, dass ich mich künstlerisch dort zum ersten mal zuhause fühlte, während ich mich in der Schweiz immer etwas eingeengt und missverstanden fühlte. Mein Erfolg, den ich in den USA habe, hat es mir auch erlaubt weiterhin dort zu bleiben.

JDW: Du hast ja dein Schlagzeugspiel hauptsächlich auf autodidaktischer Weise erlernt. Wie hast du das gemacht? Wie hast du geübt?

JM: Ich habe beobachtet, zugehört und imitiert.

Jojo Mayer

JDW: Wie übst du heute? Hast du da ein spezielles Konzept?

JM: Ich übe praktisch nicht mehr und habe zumindest seit Jahren nicht mehr regelmässig geübt. Nicht, weil ich es nicht nötig hätte, vielmehr weil ich keine Zeit dazu mehr habe. Wenn ich üben möchte, muss ich sozusagen „Übungsferien“ einplanen, dann muss ich mich entscheiden: Gehe ich ans Meer, in die Berge oder doch in den Übungsraum? Wenn ich mal den Weg in den Übungsraum finde, dann mache ich intensive Sessions über ein paar Tage, wo ich mich einer fokussierten Zielsetzung einer Aufgabe widme. Ich übe auch oft mental, wenn ich keine Zeit habe mich ans Schlagzeug zu setzen. Ich habe mittlerweile ausreichend Technik akquiriert, um mir die Sachen nur noch im Kopf zurecht zu legen. Dann setz ich mich hin und spiele sie.

Jojo Mayer

JDW: Du hast diverse Projekte, unter anderem Nerve, oder auch Depart Jazz u.a. Was ist gerade aktuell bei dir? Mit welchen Projekten oder Bands, bist du momentan beschäftigt?

JM: Wenn ich zuhause in NYC bin, arbeite ich vor allem im Produktionsbereich sowie im Studio. Da ist das stilistische Spektrum ziemlich breit und ich werde dort als Sessiondrummer auch oft für Produktionen aus der ganzen Welt engagiert. Vor drei Wochen übrigens auch vom Schweizer Popsänger Marc Sway, der in NYC seine nächste CD aufgenommen hat.

Die letzten zwei Wochen war ich mit einem Projekt des Schweizer Komponisten und Klarinettisten Don Li und dem Bassisten Skuli Sverisson unterwegs. Diese Woche spiele ich einige Festivals mit meiner eigenen Band Nerve in Europa und ab Mitte Monat toure ich mit der Band des Bassisten Janek Gwizdala für drei Wochen in Asien und Australien.

Ab nächstem Jahr werde ich meine Aktivitäten als Sideman für andere Projekte etwas zurücknehmen um mich vermehrt um meine eigenen Projekte wie Nerve kümmern zu können. Ausserdem plane ich einen zweiten Teil für „Secret Weapons“ zu produzieren. Diesmal geht’s dann um Fusstechnik.

Jojo Mayer

JDW: Wie siehst du persönlich das Musik Business heute? Was ist gerade auch anders in Amerika, wenn du es mit Europa vergleichst?

JM: Ich denke mal, dass im Musikbusiness die Luft mittlerweile komplett raus ist. Neue Hendrixes und Charlie Parkers wirst du eher in der Architektur oder der Bildenden Kunst finden als in der Musik. Meines Erachten gibt es nur eine Möglichkeit zur Regenerierung, und das sind totale Paradigmenwechsel und eine Umkehr zum wesentlichen der Musik. Auf alle Fälle eine totale Gegenbewegung zu der Entwicklung, die wir seit den 80er Jahren hatten. Ich vermute, dass wir uns vorerst wieder in eine ähnliche Richtung entwickeln, wie sie in den 40er und 50er Jahren vor der grossen Musikindustrie-Explosion vorlag.
So genannte professionelle Musiker mit Diplomen von irgendwelchen Musikschulen werden zugunsten von Bands, die sich den Arsch abtouren, verschwinden, da sie nicht mehr gebraucht werden. Alles wird wieder etwas demokratischer werden. Entweder es setzt sich etwas durch oder nicht. Law of the Jungle… einerseits wird es härter, anderseits wird es, zumindest kulturell gesehen, für Musiker, die etwas zu sagen haben, grössere Freiheiten geben.

Zu den Unterschieden zwischen Europa und Amerika kann ich vielleicht bemerken, dass es kulturell recht verschiedene Ansätze zum Musikverständnis gibt. Beispielsweise können in der Regel Europäer ebenso wenig Jazz spielen, wie Amerikaner Fondue zubereiten können. Europäer galten in letzter Zeit dafür als etwas experimentierfreudiger.

Dies gilt per Definition natürlich meinem Verständnis, was Jazz ist: eine Musik bei der Erfindungsgeist in der Performance ein „GEWISSER BEAT“ und die Möglichkeit mit dem Zeitgeist zu evoluieren im Vordergrund stehen.

In den USA kann dir jeder Lastwagenfahrer einen Sinatra oder Nat King Cole Song vorpfeifen, während das europäische Jazzpublikum bei Festivals nach wie vor gerne auf eins und drei mitklatscht. Das hat wohl einfach mit dem kulturellen Background zu tun und wird sich wohl nicht so schnell ändern¦

Wie auch immer, der „Backbeat“ des 20. Jahrhunderts, auf dem ein Grossteil des populären Amerika inspirierten Musikverständnis und -Geschmacks basiert, hat in der Zeit des ersten schwarzen Präsidenten möglicherweise etwas von seiner Kraft eingebüßt, da er ursprünglich aus dem kulturellen Ausdruck eines unterdrückten Volkes entstand und dem zu Folge eine gewisse Signalfunktion hatte. Diesbezüglich ist ein grosses kulturelles Kapitel wohl abgeschlossen und damit wohl auch der Soundtrack dazu.

Zur Zeit bemerke ich jedoch nach einer 10 Jahre anhaltenden kulturellen W.Bush / Paris Hilton -Krise wieder eine neue Art von kultureller Aufbruchstimmung in den amerikanischen Metropolen wie NYC. Ich denke, dass nachdem über die letzen 15 Jahre die wichtigeren Impulse aus Europa kamen, in nächster Zeit wieder richtungsweisende und prägende Einflüsse aus den USA kommen werden.

Jojo Mayer

JDW: Du bist auch in den unterschiedlichsten Stilen zu Hause. Gibt es Musikstile, welche du eher bevorzugst, wo du dich mehr zu Hause fühlst, oder magst du die Abwechslung?

JM: Stile sind für mich zweitrangig. Das sind kulturelle Garderoben. Mich interessiert das wesentliche an der Musik. Die “nackte” Musik. Dort fühle ich mich zu Hause. Dort wohnen auch Mozart, Louis Armstrong, Hendrix oder Aphex Twin. Ab und zu muss man an einem Stil vorbei, den man noch nicht so gut kennt oder einem ästhetisch den Weg zum Wesen der Musik versperrt. Dann muss man sich halt mit diesem Stil vermehrt auseinandersetzen, um ihn besser zu verstehen, ebenso wie man eine Sprache verstehen lernt. Dazu gehört nicht nur einfach: Ja, nein, danke und Wo ist die Toilette sondern auch ein Einblick in die Ironie, Witz und Slang einer Sprache.

Ich mag Sushi sehr gerne und kenne mich in dieser Küche gut aus. Das ist für mich aber noch kein Grund, nichts anderes mehr zu essen.

JDW: Was kannst du Drummern abschliessend mit auf den Weg geben?

JM: Lernt mit eurem Instrument zu kommunizieren.

JDW: Vielen Dank Jojo für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg.

Weiterführende Links
– Aktuelles Album Jojo Mayer Prohibited Beats.
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Jojo Mayer Website
– Jojo Mayer bei drummerworld.com



Photos © Copyright by Bernhard Castiglioni from drummerworld.com (Die Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung von Bernhard Castiglioni zur Verfügung gestellt.)

3 Kommentare

  1. 11. November 2009 um 11:58 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Wow, ein super Interview.
    Jojo Mayer geht krass ab, das hört sich EndGeil an -wooow.
    Jojo schwingt den Drum Stick, wie Van Gogh den Pinsel.
    Ich kenne mich ehrlich gesagt in der Drummer Szene nicht gut aus, aber eines haben grosse Künstler immer gemeinsam, sie sprechen eine Sprache wo sie Fachkundige als auch Laien (wie mich) mitreisen können.
    Respekt
    Gruss Manu

  2. 17. Dezember 2009 um 14:23 - Kommentar zitierenReply to this comment
    2

    sehr cooles video! interessant ist auch, was er über die rückkehr zum wesentlichen in der musik sagt, das wäre wirklich wünschenswert.. und dass europäer bei jazzkonzerten auf der 1 und der 3 mitklatschen ist ziemlich peinlich:)

  3. 17. Mai 2010 um 11:10 - Kommentar zitierenReply to this comment
    3

    hallo franzi,
    das mit dem mitklatschen und seinen zählzeiten bei jazzkonzerten in europa darfst du nicht so eng sehen, zumal es wenige möglichkeiten zum mitklatschen gibt.
    zurück zu jojo, man darf getrost sagen das mayer zu den wohl kreativsten überhaupt zählt. ich hatte ihn zum ersten mal 1986 oder 87 in moers beim jazzfest mit der band „depart“ erlebt, das war eine demonstration einer völlig anderen art schlagzeug zu spielen, ich hatte bis dato solche grooves und backbeats noch nie gehört!
    für mich ist er einer der wenigen die das schlagzeugspiel weitergebracht haben und er ist sich nicht zu schade zu erklären welche notwendigkeiten dafür nötig sind!
    er wird uns allen trommlern in der zukunft viel freude bereiten.

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