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Interview Gianco Fucito

Interviews 30. Januar 2009 - 17:42 UHR 2 Kommentare
jazzdrummerworld.com führte ein Interview mit Gianco Fucito, Inhaber und Schlagzeuglehrer bei DRUMS ONLY, Zürich. Gianco, sprach über die Entstehungsgeschichte des DRUMS ONLY, über seine Tätigkeit als Musiker sowie Schlagzeuglehrer und mehr…

Gianco Fucito Drums Only Zürich

JDW: Gianco, du bist einerseits selber Schlagzeuger und betreibst andererseits den Drum-Laden „DRUMS ONLY“. Erzähl doch ein bisschen mehr über die Entstehung und die Geschichte des Shops.

Gianco Fucito: Nachdem ich 1984 von einem längeren Engagement in Vancouver, Kanada mit «H.B. Concept» – der Funk-Band von Jimi Hendrix’ Cousin, mit der ich quer durch Nordamerika, Europa und Japan getourt war – wieder in die Schweiz zurückgekehrt war, erhielt ich die Kündigung meines Unterrichtstudios, das ich bei einem damals renommierten Musikgeschäft in Zürich gemietet hatte. Für mich brach auf einmal eine Welt zusammen, denn ich war mehr als zehn Jahre lang dort als Schlagzeuglehrer tätig. Obwohl ich erschüttert war, entschied ich mich, aus der Not eine Tugend zu machen. Mit einem kleinen Startkapital und mit der Hilfe einiger meiner damaligen Schüler, die u.a. als Elektriker, Maler und Teppichleger beruflich tätig waren, eröffnete ich mit grossem Stolz meinen eigenen Laden inkl. Schlagzeugschule unter dem Namen „DRUMS ONLY“. In den ersten Monaten nach der Eröffnung erhielt ich von diversen Schweizer Generalvertretungen grosszügige Unterstützung, indem sie mir ihre Drumsets für den Verkauf in Kommission gaben.

Drums Only Zürich

JDW: Wenn man auf der „DRUMS ONLY“ – Website schaut, mit welchen MusikerInnen du schon zusammengespielt hast, hört die Liste ja kaum auf. Man liest da Namen wie Phil Collins, Ronan Keating, Sarah Connor und Gianna Nannini, um nur einige zu nennen. Wie hat sich das bei dir ergeben, dass du mit solch international bekannten Künstlern gemeinsam auf der Bühne warst?

GF: Bei diesen Acts handelte es sich in der Regel um Playback-Auftritte für das Schweizer Fernsehen. Für einen ca. vierminütigen Auftritt bei einer Fernsehsendung ist es finanziell und logistisch viel zu aufwändig, eine ganze Band einzufliegen, bedenkt man die hohen Kosten, die u.a. für Transport, Verpflegung und Hotelzimmer entstehen. Aus diesem Grund stellt die Plattenfirma in Zusammenarbeit mit der TV-Produktionsfirma eine lokale Band aus Profi-Musikern zusammen. Obwohl wir dann lediglich eine Statistenrolle einnehmen, ist diese Arbeit trotzdem sehr ernst zu nehmen. Und im Grunde genommen sieht es bei der Aufführung oft einfacher aus, als es in Wirklichkeit ist. Denn man schlüpft für einige Augenblicke in die Haut der Musiker, die den Song im Studio einspielten. Die Performance muss daher sehr professionell wirken. Gerade für den Drummer verlangt diese Arbeit, dass er oder sie alle Fills und Nuancen wie Hi-Hat- oder Beckenfiguren (z.B. Crash-Akzente) genau nachahmt. Die Herausforderung ist dabei genauso gross wie bei einem Live-Auftritt, denn man will dem „Star“ die perfekte optische Unterstützung bieten, die er auch verdient. Da fällt mir die Zusammenarbeit mit Phil Collins ein: Als einer der bekanntesten Schlagzeuger der Welt war Phil natürlich sehr kritisch, was Fills und Grooves anbelangt. Nach dem Auftritt kam er zu mir und bedankte sich für meine Arbeit. Dieses „thank you very much“ aus dem Munde des Weltstars Phil Collins bedeutete mir sehr viel und erfüllte mich mit Stolz! Bei Gianna Nannini war es ein kleiner Club-Gig, der gleichzeitig als Audition für ihre damalige neue Band organisiert wurde.

Drums Only Zürich

JDW: Du bist auch sonst sehr aktiv in der Schweizer Musikszene. Du hilfst bei diversen Events mit, wo auch Top-Acts auftreten. Zu deinen Tätigkeiten zählt auch die Organisation von Musikern. Wie sieht da deine Arbeit konkret aus?

GF: Nach vielen Jahren im Showbusiness habe ich sehr viele Kontakte zu MusikerInnen aus den unterschiedlichsten Musikgenres geknüpft. Aus der resultierenden Mund-zu-Mund-Propaganda wurde ich zunehmend von Künstleragenturen, Platten- und Eventfirmen, dem Schweizer Fernsehen u.a.m. kontaktiert, um sie bei der Organisation eines Proberaumes (DRUMS ONLY Proberaum) oder der Suche nach Bands sowie Einzelmusikern zu unterstützen.

Drums Only Zürich

JDW: Nebst deiner Tätigkeit als Inhaber des Schlagzeugladens „DRUMS ONLY“ betreibst du auch das „G-Spot Recording Studio“ für Aufnahmen jeglicher Art. Wie ist diese Facette deines Schaffens entstanden und ist die Nachfrage gross?

GF: Die „BENEDICT“-Sprachschule (vis-à-vis von „DRUMS ONLY“) war auf der Suche nach einem Studio für die Aufnahmen ihrer Sprachkassetten. Nach langem Überlegen kam ich auf die Idee, in einem der Lagerräume im Untergeschoss des Hauses, wo sich der Laden ebenfalls befindet, selber ein Tonstudio zu bauen. Da ich alle Räume alphabetisch benenne, war der „Raum G“ eben so klein, dass ich ihm den Namen „G-Spot“ verlieh. Da sich die Nachfrage in Grenzen hält, habe ich das Studio vor kurzem meiner jetzigen Aushilfsperson Ramon Regalado Santana übergeben. Ramon ist zudem Tontechniker und arbeitet u.a. mit lokalen Hip-Hop-Künstlern zusammen und nimmt auch professionelle Werbespots auf.

JDW: Wie bist du eigentlich zum Schlagzeugspielen gekommen? Und wo hast du dich zum Profi-Drummer ausbilden lassen?

GF: Im Alter von 13 Jahren trommelte ich zuhause mit allen möglichen Utensilien auf den Möbeln meiner Eltern zur Beat- und Italo-Musik. Da meine Begeisterung für das Trommeln immer stärker wurde, suchten wir einen passenden Lehrer. Diesen fanden wir in der Person von Leonardo, der damals eine grosse und renommierte Schlagzeugschule leitete. Angesteckt von seiner unglaublichen Leidenschaft und Energie, wollte ich ab jenem Zeitpunkt dieses wunderschöne Instrument nie mehr verlassen! An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich vor allem viel von Steve Gadd – seit Jahren mein absolutes Idol – gelernt habe und mich heute noch von seinem fantastischen und unvergleichlichen Spiel inspirieren lasse, mehr zu Leonardo.

Gianco Fucito

JDW: Du leitest ja seit vielen Jahren auch deine eigene Schlagzeugschule. Was unterscheidet deine Schlagzeugschule von anderen Schulen?

GF: Es ist mir ein grosses Anliegen, meinen SchülerInnen möglichst viel von meiner langjährigen Erfahrung weiterzugeben. Der Unterricht ist locker aufgebaut, und ich gehe auf die Wünsche meiner SchülerInnen ein. Mein Unterricht basiert darauf, alle Stilrichtungen aufzuzeigen und diese zu vertiefen. Ausserdem lasse ich meine Schüler immer wieder zu Play-Alongs grooven. Das bringt enorm viel, siehe – DRUMS ONLY Schule.

JDW: Wie ist deine persönliche Meinung zum Musikgeschäft hier in der Schweiz?

GF: Ich habe das Gefühl, dass die Live-Szene wieder an Bedeutung gewonnen hat. Es entstehen immer mehr kleine Clubs, Bars und Restaurants, die auch an Wochentagen Live-Bands engagieren. Acts wie Gölä, Baschi, Adrian Stern oder Lovebugs, um nur einige zu nennen, klingen sehr professionell und können sich aus meiner Sicht mit vielen internationalen Gruppen messen.

Gianco Fucito

JDW: Wie unterscheidet sich DRUMS ONLY von anderen Schlagzeugläden?

GF: Gute Frage! Eigentlich müssten meine langjährigen und treuen Kunden eine Antwort auf diese Frage geben. Ich kann nur sagen, dass viel Liebe und Herzblut in dem Unternehmen „DRUMS ONLY“ steckt. In den mittlerweile 23 Jahren seit der Gründung hatte ich nie das Gefühl, zur Arbeit gehen zu müssen. Dies hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich im selben Haus wohne und mein Arbeitsweg lediglich drei Stockwerke beträgt (lacht). Ich empfinde es immer noch als „Hobby“. Ein Hobby, das ich zu meinem Beruf machen durfte – ich fühle mich sehr privilegiert. Ich denke, dass ich dieses Gefühl auch meinen Kunden vermittle. Für mich gibt es keinen Ladenschluss im klassischen Sinne. Da meine Geschäftsnummer nach dem offiziellen Ladenschluss auf mein Handy umgeleitet wird, bin ich für meine Kunden meistens immer erreichbar – ob an Wochenenden, Feiertagen, Weihnachten, am Neujahr oder spät abends. So kann ich oftmals jemanden aus der Patsche helfen und einen speziellen Service bieten.

JDW: DRUMS ONLY geniesst mittlerweile auch einen hohen Bekanntheitsgrad bei Top-Drummern wie Dave Weckl, Vinnie Colaiuta, Jojo Mayer u.a.m., die DRUMS ONLY auch immer einen Besuch abstatten, wenn sie sich in der Schweiz aufhalten. Kann man sagen, dass DRUMS ONLY auch weltweit ein bekannter Laden ist bzw. bei internationalen Drummern, zumindest bei einigen, doch bekannt ist?

GF: Ich habe während meiner Karriere viele der weltweit angesagtesten Schlagzeuger persönlich kennen gelernt. Es war und ist mir stets wichtig, ihnen einen perfekten Service zu bieten, z.B. wenn sie hierzulande ein Schlagzeug benötigen oder wenn ein Teil des Sets ersetzt werden muss. Ein gutes Beispiel hierfür ist Dave Weckl, den ich 1981 kennen lernte, als er noch völlig unbekannt war. Ich stellte ihm mein eigenes Yamaha-Kit zur Verfügung. Seither sind wir gute Freunde geworden und geblieben. Wichtig scheint mir dabei, dass der gegenseitige Respekt gross geschrieben wird. Ob der Laden weltweit bekannt ist, kann ich selber nicht beurteilen …

Gianco Fucito

JDW: Gibt es zum Schluss etwas, das du unseren Lesern gerne mitteilen möchtest?

GF: Spielt einfach, solange das Musizieren Spass macht! Dabei ist Vielseitigkeit ein sehr wichtiger Faktor für das Weiterkommen eines jeden Musikers. Setzt Euch mit allen Stilrichtungen auseinander, und lasst Euch keine Grenzen setzen, was die Technik betrifft. Musik ist kein Sport es muss einfach grooven! Ich freue mich zudem über jeden Besuch bei „DRUMS ONLY“. Herzliche Grüsse aus Zürich, Euer Gianco.

Drums Only Zürich

Weitere Informationen
DRUMS ONLY Webseite
DRUMS ONLY Zürich einzigartiger Drumshop in der Schweiz

2 Kommentare

  1. Tschortschio
    5. Februar 2009 um 02:10 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Yeah grande Gianco!!
    Das Interview fand ich toll und vermittelte nichts anderes als den Gianco den man kennt.
    Es hätte rühig 800 Seiten lang sen können. Als Drummer kann man nicht genug kriegen und fühlt sich soweso in seiner Tätigkeit auch bestätigt.
    Drums Only ist für mich mehr als nur drums only. Wenn eine charismatische und faire Persönlichkeit alles bieten kann was das Trommlerherz begehrt, hat man den Luxus all dies zu pflegen und zu geniessen.
    Ich kann nur sagen weiter so! Gianco, und bleib einfach das Grooveherz das Du schon immer warst.
    Mit Einflüssen von Steve Gadd bis Kreis 4, Italo und Brasilien, kann glaube ich nichts schief gehen!!!

    Dein Fan und Freund Tschiortschio

  2. Luca
    6. Februar 2009 um 08:35 - Kommentar zitierenReply to this comment
    2

    Super Interview! Kompliment!
    Ganz ehrlich: Ich wäre als Phil Collins stolz gewesen, einen Schlagzeuger wie dich zu haben!

    Mach weiter so my friend. Luca

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