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Interview Dominik Burkhalter

Interviews 05. Januar 2010 - 12:07 UHR 0 Kommentare
Dominik Burkhalter – New Generation Drumming. Als Vertreter der jungen Generation ist er nicht nur Jazzschlagzeuger aus Überzeugung, sondern auch Modernist von A bis Z – und spielt Breakbeats und Grooves mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks. Sein eigenes Projekt VAULT, das er zusammen mit dem Pianisten HP Pfammatter und Young Gods-Produzent Roli Mosimann seit einigen Jahren vorantreibt, ist in verschiedener Hinsicht exemplarisch: „Hoffentlich intelligent, laut und jenseits von konventionellem Jazz“ ist denn auch die einzige Kategorisierung, die er sich entlocken lässt. Das Interview wurde für das Jazz Magazin JAZZ’N’MORE geführt. Erschienen in der Ausgabe 1/2010 Jan./Feb.

Dominik Burkhalter

JNM: Mit welchen Projekten beschäftigst du dich zur Zeit?
Dominik Burkhalter: Zur Zeit bin ich hauptsächlich mit Leo Tardin’s „Grand Pianoramax“ unterwegs. Die Zusammenarbeit ergab sich, als ich in New York wohnte und Leo mich, durch Empfehlung von Jojo Mayer, für eine US-Tour als Opener für Maceo Parker anfragte. Nach dieser sehr erfolgreichen Tour durch Städte wie LA, San Francisco und Las Vegas, ging es nahtlos in Europa weiter. Soeben sind wir gerade zurück aus Indien, wo wir einen Teil des neues Albums, das nächsten Herbst erscheinen wird, aufgenommen haben.

JNM: Im Februar 2010 bist du “Artist In Residence” im Moods Jazzclub Zürich. Kannst du mehr darüber erzählen?
DB: Die ‚Artist In Residence‘ – Reihe gibt mir endlich wieder einmal die Chance, eigene Ideen und Projekte zu verwirklichen. Was in den letzen Jahren ein wenig zu kurzgekommen ist. Da gäbe es sicher einmal ‚VAULT‘ zu erwähnen. Ein Duo zusammen mit Hans-Peter Pfammatter. Zwar spielen wir schon seit längerer Zeit mit diesem Projekt, haben aber nun für den Februar ein komplett neues Programm zusammengestellt. Wir werden Jazz-Standards ihrem üblichen Kostüm entledigen und in einen völlig neuen Kontext zu stellen versuchen. Ich bin ziemlich gespannt, wie es ankommen wird.

Als zweites Projekt werde ich mit „EMERGENCY“ zusammen mit Christy Doran und Wolfgang Zwiauer ein Tribute an die „LIFETIME“ Aera von Tony Williams spielen. Ein lang gehegter Wunsch, der aus grosser Bewunderung für den grossen Drummer entspringt. Zu „LIFETIME“ gehörten in der Originalbesetzung nebst Tony Williams auch Gitarrist John McLaughlin und Organist Larry Young. Williams zählt für mich zu den wichtigsten Schlagzeugern überhaupt und es hat sich erst später gezeigt, dass der brachiale und laute Sound der Band, den damals viele Zeitgenossen nicht mehr dem Jazzgenre zuordneten, einen ungeheuren Einfluss auch auf andere Musikrichtungen ausübte. Entsprechend respektvoll werden wir den Jazzlegenden Tribut zollen.

Die dritte Band entstand aus einem Performance-Workshop der Musikhochschule Luzern, an welcher ich als Dozent tätig bin. Da ich so begeistert war über all diese neuen, jungen Talente, habe ich beschlossen, mit diesem Projekt eine Abend meiner ‚Artist In Residence‘ – Reihe zu widmen.

JNM: Schreibst du selber Musik, bzw. komponierst du? Wie sieht deine Rolle bei den Projekten aus?
DB: Ich schreibe selbst Musik, wobei ich mich aber zur Zeit mehr als Sideman und dabei als Improvisator sehe. Meine eigenen Projekte befassen sich mehr mit „Instant-Composing“ als mit vorgefertigten Mustern und Kompositionen. Dieses Unvorhersehbare, diese elastische Gegenwart in der Improvisation, ist für mich auch die Essenz des Jazz, die ich auf meine Musik, die man vielleicht nicht mehr als klassischen Jazz bezeichnen kann, übertragen möchte.

Dominik Burkhalter

JNM: Wie man auf deiner Website lesen kann, spielst du auch individuelle Drumtracks ein. Ist die Nachfrage dazu da? Wie ist die Idee dazu entstanden?
DB: Du sprichst mein kleines Studio an. Die Idee entstand daraus, dass ich oft für Recordings angefragt werde von Leuten, deren Budget nicht allzu gross ist. Da es mittlerweile erschwinglich ist, sich selbst mit Recording-Equipment auszustatten und ich daneben auch sehr fasziniert bin von der komplexen Aufnahmetechnik, wollte ich ein kleines Aufnahmestudio, in dem man nur Drums aufnehmen kann, zu einem erschwinglichen Preis anbieten. Somit muss ich nicht mehr mit meinem Schlagzeug irgendwo in ein Studio, sondern der Kunde kommt einfach mit seiner Harddisc zu mir. Das ist extrem kosteneffizient und zeitsparend. Und das Resultat hört sich unglaublich gut an!

JNM: Gab es für dich eine Zusammenarbeit mit Musikern, welche für dich sehr prägend waren, welche dich auch als Schlagzeuger verändert haben?
DB: Da kann ich nicht was konkretes darauf antworten. Für mich ist jede Zusammenarbeit oder Begegnung prägend – auf die eine oder andere Weise. Und verändern möchte ich mich eigentlich ständig. Das ist für mich der Antrieb in der Musik.

JNM: Wie siehst du das Musikbusiness hier in der Schweiz und auch im Ausland? Was hat sich aus deiner Sicht verändert und wie kann man als Musiker heute damit umgehen?
DB: Darüber lässt sich wohl ein eigenes Interview führen. Da muss man sicherlich zuerst einmal unterscheiden, über welches Business wir sprechen. Wenn wir uns über das Jazz-Business unterhalten, muss ich leider sagen, dass wirkliches ‚Business‘ nur beschränkt stattfinden kann. Das hat mir der Grösse der Schweiz zu tun. In Zürich zum Bespiel, ist es nicht wie in einer Grossstadt möglich, jeden Abend einen Gig zu spielen. D.h. es ist ziemlich schwierig, sich alleine mit Konzerten über Wasser zu halten. Auch Studio- oder Radiojobs sind relativ wenig vorhanden, resp. hat es sich offenbar in der Schweiz eingebürgert, dass für Jazz Aufnahmesessions keine grossen Gagen bezahlt werden. Das ist z.B. in den USA völlig anders. Da verdienen die Cats genau mit den Studiojobs ihr Geld. Für die immer grösser werdende Jazzmusiker Zahl in der Schweiz wird der Markt immer kleiner. Der Schritt ins Ausland sehe ich als unumgänglich!

Auch vermisse ich bei vielen Schweizer Musikern den Sinn für das eigentliche Business. Vielmals habe ich das Gefühl, sobald man hier über Geschäft, resp. Vermarktung oder Gagen spricht, wird man etwas schief angeschaut und sieht sich dem Vorwurf gegenübergestellt, dass doch die Musik das Wichtigste sei und Business zweitrangig. Diese Leute vergessen allerdings, dass sie ihre Musik nur dank relativ grossen staatlichen Subventionen und/oder privaten Gönnern machen können. Geht man ins Ausland, reiben sich unsere Musikerkollegen die Augen, wenn sie von der schweizerischen Unterstützung’s Kultur hören. Um klar zu sein; ich bin auch ein Nutzniesser dieser Politik und ich finde es eine grosse Errungenschaft einer Kulturpolitik, dass sie einheimische Künstler unterstützt. Nur sollte man verantwortungsvoll und zielgerichtet damit umgehen. Die Konkurrenz wird immer grösser. Die Musikhochschulen produzieren immer mehr Musiker. Daher finde ich es unerlässlich, ein gewisses Mass an Business-Gedanken zu pflegen. Erfreulicherweise sehe ich aber gerade bei meiner Generation wieder einige Leute, die das begriffen haben und sich durch ihre grossartige Musik und ihr ökonomisches Denken einen erfolgreichen Namen gemacht haben.

JNM: Welche Ziele bzw. Pläne verfolgst du?
DB: Der Weg ist wohl das Ziel; gute Musik zu machen mit spannenden Leuten!

JNM: Nutzt du das Internet, nebst deiner Website, um dich als Drummer zu vermarkten?
DB: Ich mache die Erfahrung, dass die persönliche Website abgelöst wird durch Sites wie Myspace, Twitter oder Facebook. Daher konzentriere ich mich mehr auf Posts und Newsletters auf diesen Portalen. Natürlich sind Email-Versande auch immer noch wichtig. Allerdings muss man auch anfügen, dass durch die tägliche Flut von Mails, Feeds, Post, usw. ein Sättigung erreicht ist. Um wirklich die Leute zu erreichen, ist wohl nach wie vor eine professionelle Promotion unerlässlich.



Concerts

07/01/10 R-E-Z @ Jazzkantine, Luzern
21/01/10 Monkey Lounge Act 1, Bazillus, Zürich

02/02/10 Artist In Residence, feat. VAULT and PUMA MIMI vs ZEBRA BABY, Moods, Zurich


11/02/10 Monkey Lounge Act 2, Bazillus, Zürich

17/02/10 Artist In Residence feat. R-E-Z and Ephrem, Moods, Zurich

19/02/10 EMERGENCY! A Tribute to Tony Williams, Bar59, Luzern

24/02/10 EMERGENCY! A Tribute to Tony Williams, Moods, Zurich


Diskografie

Adrian Frey Trio, „The Sign“
 2000
Manufactur, „#2″
 2001
Reto Suhner Quartet, “Born in Herisau” 2001
DOM, “Twilight”, 2002
BaumannHämmerli 6, Structures & Spaces”, 2003
Moe, “Reflections”, 2003
Asphalt Jungle, “Sick of Industry-Driven Music”, 2003
Reto Suhner Quartet, “Montag” 2003
Adrian Frey Septet, “Seven Songs”. 2004
DOM “Dissolved”, 2005
Chris Wiesendanger Nonett “undersong”, 2005
Manufactur, “Rong Dob”, 2005
Asphalt Jungle, “Last one shuts the door” 2005
BurkhalterSuhnerGisler, “Bus Trip”, 2005
supertaste, “supertaste” 2006
Manufactur, “flambitres”, 2007
Reto Suhner Quartet, “äbä”, 2007
Emel, “Komm in mein Leben”, 2007
Vault, “Vault”, 2008
Reto Suhner Quartet, “Live In Schaffhausen”, 2008
Christy Doran’s New Bag, “Competence of the irregular”, 2008
Christy Doran’s New Bag, “In Moving Pictures” DVD, 2008
Ingrid Lukas, “We Need To Repeat”, 2009
Martin Streule Jazz Orchestra, “Fire”, 2009

Zur Person

Dominik Burkhalter, geboren am 30.12.1975, Schlagzeuger und Komponist, ist ein äusserst vielseitiger und gefragter Musiker und kürzlich von einem sechsmonatigen Stipendium in New York nach Zürich zurückgekehrt. Burkhalter ist regelmässiger Gast in der Band von Domenico Ferrari, Burhan Oecal und dem Schweizer Popstar Emel sowie festes Mitglied bei Christy Doran’s New Bag, dem Reto Suhner Quartett, Asphalt Jungle und Grand Pianoramax – zusammen mit den New Yorker Szenestars Leo Tardin und Mike Ladd. Die Zusammenarbeit mit diesen grossartigen Musikern hat Burkhalter auf viele Bühnen geführt, in legendäre Clubs wie dem Fillmore in San Francisco, dem Roxy in L.A. und an Jazzfestivals wie Montreux, Vienne oder Montreal. Ist er nicht unterwegs, unterrichtet er Rhythmik und Schlagzeug an der Luzerner Hochschule der Künste und ist als Mixing- und Recordingengineer in seinem Tonstudio tätig.

Interview © Dave Kobrehel
Einleitungstext, Biographie und Videoclip © Ellektra Pictures



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