Follow Us on Twitter   •   Project by derDrummer.ch   •   Support Us   •   FAQ   •   Links   •   Samstag 25. Oct 2014
- Anzeige -

Interview Debora Müller

Interviews 30. September 2010 - 11:10 UHR 0 Kommentare
Frauen hinter einem Schlagzeug, ist nach wie vor ein seltenes Bild. Obwohl sich weibliche Drummer sicherlich nicht verstecken müssen. Debora Müller beweist das auch Frauen so einiges drauf haben hinter den Drums. Wir sprachen mit ihr über das Schlagzeug spielen, das Business, Projekte und vieles mehr in einem Interview.

Debora Müller

JDW: Debora, damit unsere Leser mehr über dich erfahren. Erzähl doch mal wo du überall trommelst und welche Projekte dich zur Zeit beschäftigen.

Debora Müller: Für meine Freunde und drum Kollegen bin ich just “Boo”. Für meine Klienten bin ich Frau Müller. Drummer mit Vorsatz und Leidenschaft und was ich mache, das mache ich richtig! Ich bin 24 Jahre und wohne in Karlsruhe. Blicke auf zehn erlebnisreiche Jahre als Schlagzeuger zurück. Ach ja, was ich noch vergessen hab zu erwähnen, ich bin eine Frau – “female drummer”.

Zu finden bin ich in hauptsächlich in Facebook. Da hab ich mich häuslich eingerichtet. Das ist meine Plattform bis ich aus Platzgründen expandieren muss…

Ich spiele regelmässig in einer von Deutschlands grössten Kirchen und erreiche somit über live-stream und natürlich live ca. 700 Menschen pro Woche. Ein Drum Kit in einer Kirche gehört für mich einfach dazu. Wie die Clave zu Latin! Dort werden aber keine 0-8-15 Songs aus dem Gesangsbuch gespielt, wie das viele jetzt denken. Absolut nicht, sonst wäre ich nicht dort.

Ich spiele in drei verschiedenen Bands (Rock, Gospel, Jazz) Dies bewirkt, dass ich in allen drei Musikstilen fit sein muss. Natürlich spiele ich auch ausserhalb mit anderen Bands verschiedene Gigs (gross und klein), Konzerte, Projekte und ähnliches bleiben auch nicht aus.

JDW: Wie bist du eigentlich zum trommeln gekommen bzw. wie hat das bei dir angefangen? Es ist ja heute nach wie vor doch leider eher eine Seltenheit, dass man Frauen hinter einem Schlagzeug sieht!

DM: Alles hat angefangen, als ich keine Lust mehr hatte in den Klavierunterricht zu gehen. Nach 4 Jahren wollte ich etwas anderes machen. Zu der Zeit war ich 14 Jahre alt und wollte einfach was cooles machen. Etwas was die Jungs weghaut. Das war damals einer meiner ersten Gedanken und niemand hat das je für möglich gehalten, dass sich das so entwickeln würde. Meine Familie ist sowieso sehr musikalisch und da hatte ich auch viel Unterstützung.

Ich habe in der Kirche angefangen zu spielen und ich spiele immer noch dort. Es hört sich jetzt vielleicht etwas seltsam an, aber für mich spielt Gott eine große Rolle in meinem Leben und ich ziehe meine Energie und Kraft aus dem Glauben. Selbst Aaron Spears, Teddy Campbell, Marvin McQuitty oder auch Gerald Heyward kommen aus dem Gospel Drumming. Also bin ich doch auf einem guten Weg.

Debora Müller

Im Laufe der Zeit hatte ich verschiedene Lehrer, oftmals sogar zwei Lehrer gleichzeitig. Die ersten fünf Jahre hatte ich privaten Unterricht unter anderem bei Friedemann Stert, Dozent für Schlagzeug und Rhythmik an der BDB-Akademie in Staufen i.Br. und gleichzeitig hatte ich Unterricht am badischen Konservatorium in Karlsruhe unter der Leitung von Manfred Rohrer. Somit wurde ich sowohl in dem klassischen Bereich, als auch wie ich das nenne “freestyle” trainiert. Zwischendurch hab ich auch an verschiedenen Workshops und Kursen teilgenommen, sowie auch Unterricht in den USA bei Ryan Delling. Das erste Jahr habe ich mich nur auf die Snaredrum konzentriert. Daher meine ungetrübte Begeisterung dafür. Ich liebe einfach alles was mit Snare zu tun hat, besonders die “Marching drumming” Ecke. Ich habe so viel Snaredrum geübt, dass sogar meine zwei Zeigefinger davon krumm geworden sind.

Nach dem Studium hab ich dann intensiv einen Lehrer gesucht. Ich hatte da schon meine Vorstellungen und Wünsche. So hab ich Björn Etzel im Internet entdeckt. Er ist Dozent für Schlagzeug, Percussion und Klassisches Schlagwerk, Schulleiter des Drummer Circle Karlsruhe, die ich wärmstens empfehlen kann. Ich habe das optimale und richtige gefunden, zu all dem noch einen guten Drum-Kollegen und Freund.

Debora Müller

JDW: Wie reagieren die Leute darauf, wenn sie dich hinter den Drums entdecken? Was hast du da alles schon erlebt?

DM: Mit einer Frau am Set sinkt komischerweise zuerst einmal die Erwartungshaltung beim Zuhörer. Und doch wird man an den, von Männern aufgestellten Massstäben gemessen!

Als Frau in diesem Business ist es ganz sicher nicht einfach sich zu behaupten. Es ist eine Herausforderung! Auf der anderen Seite ist es auch unglaublich interessant und spannend. Ich denke, ich bekomme viel mehr Resonanz als meine männlichen Kollegen. Man achtet viel mehr auf den Schlagzeuger, wenn er weiblich ist, weil das leider immer noch eine Seltenheit ist.

Ich selbst sehe mich gar nicht mehr als “female drummer”, weil das für mich schon normal ist und ich darüber gar nicht mehr nachdenke. Wenn ich dann die Fragezeichen auf den Köpfen im Publikum sehe bevor ich spiele, erinnere ich mich wieder daran und muss lachen und schmunzeln. Die Reaktion der Leute vor dem spielen ist immer anders als nach dem spielen. Logisch oder?!

Da ich mit meiner Statur gar nicht in dieses Schema passe, ist es für mich eher ein Genuss die Leute zu schocken. Es ist nur ein optischer Unterschied. Kraft ist nicht alles. Wenn es nur um Kraft ginge, dann könnte ich gleich einpacken. Manchmal wundere ich mich selbst wie viel Power in meinen Ärmchen steckt.

Debora Müller

JDW: Weshalb gibt es wohl so wenige Frauen, welche Schlagzeug spielen? Nach wie vor dominieren hier ja die Männer, was ja eigentlich schade ist.

DM: Meiner Meinung nach sehen viele Frauen das Schlagzeug als Männerdomäne und haken das schon von vornherein gleich ab. Aber Schlagzeug spielen ist nicht ausschliesslich reserviert für Männer! Ich denke, viele Frauen würden schon gerne Schlagzeug spielen, aber trauen sich nicht. Eines weiss ich aus Erfahrung, man muss oft, vor allem am Anfang, gegen viel Widerstand und auch Ablehnung kämpfen. Wenn man es wirklich richtig angehen will, braucht man eine grosse Portion Mut, Ehrgeiz und Selbstbewusstsein, wie auch die Möglichkeiten und die Unterstützung. Der Anfang ist das Schwerste, bis man mal akzeptiert wird und mitreden kann.

Frauen haben meist eine ganz andere Art zu spielen. Jeder, Männer oder Frauen, empfinden Musik anders. Frauen nehmen Dinge ganz anders wahr und reagieren anders als Männer. Das lässt sich in der Musik auch erkennen. Wir brauchen beide und eigentlich ergänzen wir uns doch!

JDW: Welche Ausbildung hast du genossen und ist Schlagzeug spielen dein Beruf oder machst du was nebenbei, gibst du Unterricht oder machst du noch was völlig anderes?

DM: Viele Fragen sich ob ich Berufsmusiker bin. Antwort: NEIN! Nie gewesen. Ich verdiene mein Geld nicht damit. Ich mag mich in diesem Bereich nicht unter Druck setzen. Denn ich denke, für mich wäre das ein enormer Druck, der sicher meine Kreativität beeinträchtigen würde. Meine Einstellung ist: Gib immer 1000 % egal ob 5 Leute oder 5000 Leute dir zuhören. Ich habe Jura studiert und bin mit Schallgeschwindigkeit durch mein Studium gerast. Heute arbeite ich als Wirtschaftsjuristin und Prokurist im Familienbetrieb. Ich hab mir einfach eine stabile Basis aufgebaut mit der ich mein Geld verdiene und so unabhängig bin. Denn ich weiß, dass es heutzutage schwer ist, nur mit dem Music Biz zu leben.

Es gibt etliche Anfragen, und ehrlich gesagt, würde ich schon gern unterrichten. Ich denke, ich wäre ein guter Lehrer – vielleicht etwas zu streng. Scherz beiseite – ich denke, jeder Lehrer legt einen Teil von sich, seinem Erfahrungsschatz und seiner Spielweise in seine Schüler hinein. Das finde ich so erstaunlich und faszinierend daran. Aber zeitlich ist es mir nicht möglich, da mein Terminkalender beinahe platzt. Drummen ist für mich mehr als nur ein Hobby. Es ist eine Berufung, ein Auftrag!

Debora Müller

JDW: Wie denkst du über die Situation als Musiker heute? Mit welchen Schweirigkeiten siehst du dich immer wieder konfrontiert?

DM: Im Musikgeschäft könnte man eigentlich ein Schild anbringen “Wegen Überfüllung geschlossen”. Heutzutage ist es schwer Fuss zu fassen in diesem Biz. Um erfolgreich zu sein, muss man sich wirklich sicher sein was man will, und bereit sein, weit dafür zu gehen. Da es so viele Musiker gibt, muss man von der Masse herausstechen. Die Pioniere Steve Gadd oder Buddy Rich und viele mehr, zeigen uns eigentlich, dass dies früher einfacher war, da es damals noch nicht die Masse an Konkurrenz gab. Man kann heute auch nicht in allem Champion sein, sondern man muss sich spezialisieren.

Ein echter Drummer für mich ist derjenige, der aus wenig viel herausholen kann. Er zeichnet sich aus, wenn er weiss was er kann, aber es nicht überall und immer zeigen muss. Ein Drummer sollte sich nicht in den Mittelpunkt drängen bzw. ein Einzelkonzert machen, wenn da noch eine ganze Band mit agiert, nur weil er das lauteste Instrument hat. Es geht doch vielmehr darum, aufeinander zu hören und zusammen zu grooven.

Debora Müller

JDW: Wie übst du für dich? Was ist dir dabei wichtig und wie erarbeitest du dir da die Sachen hinter den Drums?

DM: Es gibt keine goldene Regel für das Üben aber ich habe erfahren müssen, dass regelmässiges üben das Beste ist, denn da kann man das Gehirn viel intensiver trainieren. Ich persönlich versuche so ca. 1-2 Stunden pro Tag zu üben, auch wenn ich dafür schon um 5 Uhr morgens aufstehen muss. Meiner Meinung nach ist Schlagzeug spielen auch eine Kopfsache. Ich kann auch ohne mein Drum Kit üben. Wenn ich zum Beispiel im Flugzeug sitze oder im Zug, dann übe ich in meinem Kopf. Sozusagen entwickle ich beats die ich dann später auf mein Set übertragen kann. Die ganze Koordination startet im Kopf!

Für mich ist Unabhängigkeit und Koordination sehr wichtig, denn sie führen bei mir dazu, dass ich mich viel freier fühle bzw. frei bin, Dinge spontan umzusetzen während eines Gigs. Man kann verrückte Sachen umsetzen.

Mein Motto lautet: Je schwerer desto besser! Ich mag es einfach, mich in was reinzubeissen und so lange daran festzuhalten, bis ich es geschafft habe. Denn “einfach kann jeder”. Ich bin unglaublich ehrgeizig. Meiner Meinung nach kann jeder “Falling on the floor” spielen, aber das echte drummen hat für mich auch etwas mit Technik – und wie sagt man so schön – “Liebe zum Detail” zu tun. Ich bin ein Technikfreak und mir macht das überhaupt nichts aus stundenlang nur Technik und solche eher langweiligen Sachen, zu üben.

Ich übe eigentlich ganz unterschiedlich. Je nachdem was für ein Konzert oder Gig ansteht. Aber im Normalfall wärme ich mich zuerst auf und übe Koordination und Unabhängigkeit. Danach bearbeite ich die Themen, die ich gerade im Unterricht durchmache oder bei Workshops gelernt habe und dann schieb ich noch ne CD rein und spiele dazu. Aber alles schön der Reihe nach. Ich übe sowohl mit, als auch ohne Noten. Denn beides zu können ist das optimale. Takte mit dem Gehör zu erforschen aber auch mit Noten umgehen zu können. Beides ist wichtig!

Debora Müller

JDW: Was fasziniert dich am Schlagzeug so sehr?

DM: Am meisten fasziniert mich am Schlagzeug die Variationsmöglichkeiten und Klangvielfalt, die man immer wieder aufs Neue entdeckt. Wenn man glaubt man hat schon alles erforscht, dann ist man erst am Anfang. Es gibt immer was Neues zu entdecken und damit wird es nie langweilig. Die Möglichkeiten sind nie erschöpft. Der ganze Körper ist eingesetzt. Schlagzeug ist eines der wenigen, vielleicht sogar das einigste Instrument, mit dem man seinen Puls bzw. seinen eigenen Herzschlag so deutlich umsetzen kann.

JDW: Wie wichtig ist dir dein Equipment und auf was setzt du da? Gibt es auch spezielle Sachen in deinem Equipment?

DM: Ich selbst lege grossen Wert auf qualitatives Equipment auf das ich mich verlassen kann. Das ist genauso essentiell wie eine solide Drum Ausbildung. Das ist wie beim Auto fahren – wenn man Gas gibt, MUSS etwas kommen. Aber auch ein knackiger Sound gehört dazu und ist die halbe Miete. Ich persönlich mag es gar nicht auf einem Set zu spielen, das nicht meinen sound Vorstellungen entspricht. Da bin ich einfach nicht zu hause und fühle mich nicht wohl.

Ich bin mit DW und Zildjian gross geworden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin sehr dankbar, dass ich immer die Möglichkeit hatte und habe, diese Marken spielen zu können. Oft fragen mich Leute, was denn mein wichtigstes Teil am Set wäre. Gegenfrage: Welches Teil würdest du mitnehmen, wenn dein Proberaum brennt? Also bei mir wäre das meine Snare.

An meinem Set bevorzuge ich zwei große Standtoms in ähnlicher Stimmung, für extrem Bass lastige Fills und ein zweites Hi-Hat, da ich sehr gern offen spiele, um mehr Möglichkeiten zu haben den Beat auszubauen.

JDW: Was kannst du abschliessend allen Drummern da draussen mitgeben?

DM: You can never be perfect but you can be excellent. Gib immer dein Bestes. Wage einen Sprung ins kalte Wasser und tue Dinge, die du dir selbst niemals zutraust. Das erweitert deine Grenzen und bringt dich unglaublich weiter! Du wirst staunen was alles in dir steckt!

JDW: Danke vielmals für dieses interessante Interview. Weiterhin viel Erfolg.

0 Kommentare

Artikel kommentieren

JazzDrummerWorld freut sich über Kommentare und ist an einer offenen Diskussion sehr interessiert. Deine Meinung zum Artikel ist wichtig. JazzDrummerWorld behält sich jedoch vor, beleidigende bzw., unangebrachte Kommentare zu löschen!

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder! Gewisse Kommentare werden nicht sofort angezeigt, sondern müssen erst freigeschalten werden. Beachten Sie auch die Nutzungsbedingungen und die FAQ Seite, mit häufig gestellten Fragen.








SUBSCRIBE NEWSLETTER

BUCH TIPP

 Thumbnail

Blue Note – The Finest in Jazz


Zum 75. Geburtstag des legendären Blue Note Labels gibt es auch ein schönes Buch zu deren... Mehr lesen »

INSTAGRAM

WORKSHOP

 Thumbnail

Warm-Ups für Drummer


Bevor man sich am Set so richtig austobt und mit dem üben beginnt, sollte man sich aufwärmen. Warm-Ups helfen... Mehr lesen »

SUPPORT US

  • JazzDrummerWorld ist ein kostenloses Drummermagazin welches über aktuelle Themen aus dem Drum Bereich berichtet. Zudem ist es auch ein umfangreiches Musikmagazin. Das Magazin wird durch Dave Kobrehel betrieben.

    Wenn Sie das Magazin gerne unterstützen möchten, finden Sie alle weiteren Informationen dazu hier und im Backstage Bereich.

  • JazzDrummerWorld RSS Feed abonnierenUp to Date with Twitter, Facebook or RSS FeedFan werden bei FacebookSpotify

AKTUELLE NEWS

Agner Swiss Drumsticks   Puresound   Evans Drumheads   Anatolian Cymbals   Schlagwerk Percussion   audio protect ag   DRUMS ONLY Zürich