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Interview Daniel „Booxy“ Aebi

Interviews 27. Oktober 2008 - 07:48 UHR 1 Kommentar
jazzdrummerworld hatte die Gelegenheit ein Interview mit dem Schweizer Schlagzeuger Daniel „Booxy“ Aebi zu führen. Daniel Aebi oder besser bekannt als Booxy, ist vor allem bei vielen bekannt als der Schlagzeuger der GMF – Grand Mother’s Funck. Doch nicht nur bei GMF gibt er den Groove an, sondern auch andere Bands aus der Schweiz, wollen den Groove von Booxy. jazzdrummerworld sprach über seine Tätigkeit als Drummer, über die unterschiedlichsten Projekte, über das Leben als Musiker und vieles mehr…

Daniel "Booxy" Aebi

JDW: Booxy, du bist ein aktiver Schlagzeuger hier in der Schweiz und bist bei diversen Projekten mit dabei. Nicht nur bei GMF (Grand Mother’s Funck) bist du für den Groove zuständig, sondern unter anderem auch bei Jamie Wong-Li. Erzähl doch mehr über deine Projekte und wo du überall mitwirkst?

Neben GMF, die seit 15 Jahren existieren, und sozusagen der Startschuss für meine professionelle musikalische Laufbahn waren, arbeite ich seit 2000 mit Joe Haider. Dieser macht seit über 50 Jahren Musik, hat dementsprechend eine riesige Erfahrung und weitreichende Wurzeln in der Tradition des „Modern Straight Ahead-Jazz“. In verschiedensten Formationen (Trio, Big Band, Quartett/Quintett mit internationalen Gästen, Doppelquartett mit Streichern) konnte ich sehr viele Erfahrungen sammeln.
Ebenfalls seit vielen Jahren spiele ich sporadisch, aber regelmässig mit dem Sandro Schneebeli Hammond Trio. Eine sehr unkomplizierte Groove-Jazzband bei der man sich blind versteht: durch eine glückliche Kombination der Musiker funktioniert die Interaktion perfekt und wir erreichen eine grosse musikalische Präsenz, ohne viel zu proben.

Ein weiteres interessantes Langzeitprojekt ist NILSA. Eine Formation um die Mosambikanische Rapperin Nilsa Samuel und den Gitarristen Rolf Mosele, die ebenfalls seit mindestens fünf Jahren existiert. Musikalisch bewegt man sich zwischen HipHop, Afro Beat, Soul, Reggae und Ragga, in wechselnder Besetzung. Zum Teil werden auch Loops benutzt, wobei ich dann einen Kopfhörer überziehen muss…

Ganz neu spiele ich bei „Spirit of the Rhythm“ HipHop-Grooves, gewürzt mit Jazzy Flavour und äusserst interessanten Rhymes des amerikanischen MC Bloody Handz. Von dieser Band wird man in Zukunft hoffentlich einiges hören, wir waren vor zwei Wochen im Studio um das erste Album zu produzieren.

Daneben bin ich gut „geerdet“ in der Schweizer Szene und werde immer wieder für einzelne Gigs, Studiosessions, kurze Tours oder Replacements gefragt. (Othella Dallas, Brothertunes, Stewy von Wattenwyl, Organ-X, um nur einige zu nennen)

Daniel "Booxy" Aebi

JDW: Du hast an der Berklee College of Music in Boston und an der Swiss Jazz School in Bern studiert. Was kannst du über die Zeit in Boston und an der Swiss Jazz School sagen? Wie sind die Unterschiede an diesen Schulen? Ist es so, dass in Amerika alles ganz anders ist?

Die Erfahrung in Boston war für mich sehr intensiv und hat mir die Augen geöffnet. Ich habe einen Einblick bekommen, wie hart das Klima in der Szene dort ist, und zugleich die Chancen viel grösser. Man kann jederzeit damit rechnen, auf einer Jamsession mit einem „Cat“ zu spielen. Und wenn man seine Sache gut macht besteht die Möglichkeit, in grossartigen Bands zu landen. Das ist unglaublich motivierend, weil man sich immer musikalisch fit hält.

Über die musikalischen Ausbildungen kann ich nicht relevante Vergleiche ziehen, weil ich erstens nur kurz am Berklee College war. Zweitens habe ich die Swiss Jazz School Bern im Jahre 2000 abgeschlossen, und seither hat sich viel verändert. Ich fühlte mich schon vor Schuleintritt als professioneller Musiker, und machte die Ausbildung als Ergänzung. Ich würde nicht sagen ich hätte die Schule „nebenbei“ gemacht, aber sie nahm nicht so viel Raum ein wie die heutigen Ausbildungen an Muikhochschulen. Ob das besser war als heute weiss ich ehrlich gesagt nicht. Mag sein dass die Ausbildung heute gründlicher ist, und mehr Wissen vermittelt wird. Aber man sollte sich bewusst sein, dass für das Bestehen in der Musikerlandschaft vor allem viel Eigeninitiative, Selbstvertrauen und Praxis nötig ist. Es reicht nicht, ein guter „full-time Student“ zu sein.

Daniel "Booxy" Aebi

JDW: Wie sieht bei dir ein ganz normaler Tagesablauf als Schlagzeuger aus?

Das gibt es nicht! Ich habe mich damit abgefunden dass mein Leben schon per se unregelmässig ist.
Ich bin viel unterwegs zu Auftritten, Proben, Studiosessions oder Besprechungen, zu unterschiedlichsten Tageszeiten. Am erholsamsten sind für mich immer Tours im Ausland, weil ich dann nicht noch x andere Termine unterbringen muss, und mich auf das konzenterieren kann was ich gerade mache.
Ich unterrichte 1x die Woche an einer Musikschule, daneben auch privat. Und ich verbringe viel Zeit am Computer, einerseits mit Produktionen, aber auch mit Organisationskram.
In der übrigen Zeit versuche ich zu üben… Phasenweise muss ich froh sein wenn ich überhaupt jeden Tag am Schlagzeug sitze.

idealer tag?

Aufstehen, schwimmen, 3 stunden üben, käfele, 2 stunden produzieren, fein essen, und einen Gig spielen (im Club um die Ecke, wo mein Schlagzeug schon aufgestellt wäre). Danach abhängen mit guten Freunden, die alle ans Konzert kommen (nach so einem Tag brauche ich dann einen Tag Pause…).

JDW: Wie siehst du persönlich die Situation als Musiker hier in der Schweiz? Es gibt nur wenige, die wirklich zu 100%, davon leben können, wenn Sie denn nicht auch noch unterrichten?

Ja das ist wohl die Realität, jedoch für mich auch nichts Schlechtes… unterrichten bedeutet ja auch, von der Musik zu leben. Ausserdem hatte ich dieses Jahr die Gelegenheit, äusserst motivierte und talentierte Studenten an den Langnau Jazz Nights zu unterrichten. Diese intensive Woche hat mir grossen Spass gemacht!
Hingegen bedaure ich es natürlich, dass es auch in der Schweiz immer weniger Konzertveranstalter gibt, die bereit sind, anständige Gagen zu zahlen. Mittlerweile droht auch für Profis, dass Konzerte geben zum Hobby degradiert wird. Das finde ich bedenklich und glaube nicht dass es auf lange Sicht im Interesse des Publikums ist.

JDW: Bei „Grand Mothers Funck“, kommt man in den Genuss von kraftvoller Funk Musik. Bei Jamie Wong-Li geht es wieder ruhiger zu und her. Dein Drumming ist immer eine besondere Würze für die Musik. Wo fühlst du dich besonders zu Hause, musikalisch, wenn überhaupt?

Eine einfache Frage, die schwierig zu beantworten ist, weil ich mich stilistisch nicht gerne eingrenze. Prinzipiell mag ich Musik, die auf eine bestimmte, „leichte“ und „beschwingte“ Art „groovt“. Dieser Einfluss kommt in erster Linie aus Afrika und schlägt sich in verschiedensten Musikstilen nieder. Mich interessieren die rhythmischen Feinheiten, die Phrasierung, der Sound, der Touch, die Dynamik, und es macht mir Spass, damit zu spielen. Und wenn ich mich mit meinen Mitmusikern auf dieser Ebene gut verstehe, ist mir am wohlsten. Stilübergreifend.
Mein „privates Forschungsprojekt“ sind Aufnahmen von einer Perkussionsgruppe, die ich vor einigen Jahren in Ghana gemacht habe. Die rasend schnellen, polyrhythmischen Grooves sind für westeuropäische Ohren zunächst völlig unverständlich… und äusserst interessant!

Daniel "Booxy" Aebi

JDW: Du bist nicht nur Schlagzeuger, sondern auch ein vorzüglicher Komponist und Produzent. Wie arbeitest du hier?

Ich bin schon lange „Gelegenheitskomponist“, d.h. ich habe weder ein grosses Repertoire noch viel Routine. Meine beste Melodie ist mir bei einem Sonnenuntergang im Emmental „zugeflogen“ – zu meinem eigenen Erstaunen! Natürlich braucht es meistens mehr Arbeit und Ausdauer, bis aus einer Anfangsidee ein ganzes Stück entsteht. Da ich nur sehr schlecht Klavier spiele, versuche ich, ein Stück so weit wie möglich im „inneren Ohr“ zu hören, bevor ich es am Computer zu Ende bringe. Ohne grossen Aufwand, denn wenn es mit „billigen“ Sounds gut klingt, ist meist was dahinter.
Zum Produzenten habe ich mich über Jahre nach und nach entwickelt. Von Anfang an hat mich die Arbeit im Studio fasziniert. Zunächst hat mich vor allem interessiert, wie ich das Schlagzeug stimmen und spielen muss, um schon bei der Aufnahme den richtigen Sound hinzukriegen. Der Prozess des Abmischens hat mich zudem schon immer interessiert. Ich war meistens bei den Mixing Sessions dabei und habe schon nur durchs Zuhören viel gelernt. Und ich war, manchmal mehr, manchmal weniger, den Tontechnikern bei musikalischen Entscheidungen behilflich.

Zum ersten mal habe ich eine Produktion „richtig“ geleitet, zusammen mit René Mosele, bei GMF’s neuestem Album, „At the Funckyard“ (2007, BHM). Von Komposition über Groove- Vocal- und Bläser-Arrangements, Proben und Aufnahmen mit der Band, bis hin zu Edit, Mix und Mastering haben wir die ganze Produktion betreut. Sehr lehrreich und wichtig in diesem Entstehungsprozess, der über ein Jahr dauerte, war die Preproduction, bei der wir zuerst alle Stücke selber aufgenommen und abgemischt haben, um unsere musikalischen und klanglichen Vorstellungen zu testen. Bei der endgültigen Studiosession haben wir, abgesehen vom ganzen Edit, die Sound-Profis arbeiten lassen. Wir bestimmten anfangs den Masterplan, trafen bei Unklarheiten die Entscheide, und kontrollierten das Endprodukt. Eine so umfangreiche Produktion auf so hohem technischen Niveau war für mich eine einmalige Erfahrung und ein grosses Privileg, und hat mich „angefixt“! Im letzten Jahr habe ich mehrere Produktionen von Groove-Projekten in Angriff genommen, bei denen ich mitspiele. Zum Teil habe ich schon die Aufnahmen gemacht, die Edits, manchmal auch den Mix, und musikalisch bin ich in unterschiedlichem Ausmass involviert. Die Projekte sind alle noch in der Pipeline, deshalb möchte ich jetzt nicht näher darauf eingehen.

Daniel "Booxy" Aebi

JDW: Was bedeutet für dich persönlich Musik?

Es fällt mir schwer, eine interessantere, abwechslungsreichere und erfüllendere Tätigkeit zu finden, als Musik zu machen!

JDW: Gibt es bei dir auch schon Pläne für die Zukunft, geplante Projekte oder anderes?

Dazu kann ich im Moment nichts genaueres sagen, weil gerade an allen Fronten die Pläne erst geschmiedet werden… Sicher wird im nächsten Jahr die CD von Spirit of the Rhythm erscheinen, Joe Haider plant ein neues Quartett, bei GMF müssen sich nach dem Ausscheiden des MC und „Gründervaters“ Bean! in nächster Zeit neue musikalische Ideen herauskristallisieren. Wie oben erwähnt, habe ich noch zwei Produktionen im Köcher. Und die Arbeit bei den anderen Bands geht weiter…

Daniel "Booxy" Aebi

JDW: Gibt es Alben, auf welche du besonders stolz bist, und welche man hier um bedingt erwähnen muss?

GMF: please baby please baby baby baby please (Greyboy Records, 1996 / Soundservice 2006)
GMF Gran Orquesta (2000) – Arrangements & Leader: Booxy
Joe Haider Trio: Grandfather’s Garden (JHM Records, 2000)
Horn Knox: Knoxism (TCB, 2005)
Sandro Schneebeli Hammond Trio: live in Bern (Neve Music, 2006)
JME: Golden Child (Nu-Fi, 2006, o-tonemusic (D), 2008)
GMF: At The Funckyard (BHM (D), 2007)

JDW: Hast du abschliessende Worte für die Drummer?

Say what you mean, mean what you say!

Weiterführende Links
GMF Grand Mothers Funck
Jamie Wong-Li
Jamie Wong Li – Golden Child

Links zu den Projekten von Booxy
www.nilsamusic.ch
www.sandroschneebeli.ch
www.joehaider.ch
www.spiritofrhythm.ch
www.hornknox.ch
www.jazz-nights.ch

1 Kommentare

  1. maro
    30. Oktober 2008 um 16:39 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Boox is da man!!!!

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