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Interview Christoph Steiner

Interviews 03. März 2011 - 12:18 UHR 0 Kommentare
Der Schlagzeuger Christoph Steiner ist nicht nur Workshop Autor bei jazzdrummerworld.com, sondern auch ein engagierter Schlagzeuger mit vielseitigen Projekten. Nebst einer eigenen Schlagzeugschule, spielt er in den unterschiedlichsten Formationen mit, ist als Bandcoach und auch als Produzent tätig. Wir sprachen mit ihm über seine Projekte, seine Schule und vieles mehr.

Christoph Steiner

JDW: Christoph, mit welchen Projekten beschäftigst du dich zur Zeit?

Christoph Steiner: Momentan spielt Hildegard Lernt Fliegen eine ganz wichtige Rolle. Mit dieser Band spielen wir Konzerte in diversen europäischen Ländern, waren im November 2010 in Russland und es stehen auch 2011 einige Tourneen an. Die Band pendelt zwischen komplexen komponierten Parts und freien Improvisationen, was herausfordernd und gleichzeitig sehr reizvoll ist. Ich habe enorm viele Gestaltungsmöglichkeiten und kann meine klanglichen Ideen einbringen. Zudem erschien 2010 das Debut des Trios „Das Beet“, welches frei improvisierte und sehr vielseitige Musik spielt. Für die Band buche ich Konzerte. Ansonsten spiele ich mit der Soulsängerin Loraine Cotting, dem Lucerne Jazz Orchestra, dem Ballbreaker Ensemble der Jazzwerkstatt Bern (mit diesen Bands sind gerade neue CDs erschienen) und diversen anderen Bands und auch immer wieder Aushilfsjobs und einzelne kurze Projekte.

JDW: Du hast selber auch eine Schlagzeugschule in Burgdorf. Kannst du mehr über deine Schule erzählen und über das Konzept?

CS: Ich unterrichte seit fast 10 Jahren in Burgdorf Schlagzeug und habe mittlerweile eine sehr durchmischte Gruppe von Schülern. Jedes Alter und Niveau sind willkommen, wobei es mir enorm wichtig ist, den Schüler seinen Bedürfnissen entsprechend abzuholen. Die Schüler sollen eine gute technische Basis erlernen und das Geübte in ihrem Spiel wirklich anwenden können. Manchmal gibt es diese Distanz zwischen dem, was man im Unterricht anschaut und dem, was man spielen will. Das versuche ich zu verhindern und möglichst praxisnahe zu sein. Da ich in sehr unterschiedlichen Stilen zuhause bin, ist mir diese Offenheit auch im Unterricht wichtig. Wir spielen oft zu Songs und die Songideen der Schüler sind natürlich sehr willkommen.

JDW: Wie kam es dazu eine eigene Schlagzeugschule zu eröffnen?

CS: Ich begann noch während meinem Schlagzeugstudium bei Pat’s Instrumentenshop in Hasle b. Burgdorf zu unterrichten und habe dann auch in Burgdorf privat zu unterrichten begonnen. Mit der Zeit kamen über Mund-zu-Mund-Werbung immer wieder Leute zu mir und so entwickelte sich allmählich die Schule und ich entschied mich, diesen selbständigen Weg weiter zu gehen. Ich arbeite immer noch mit Pat’s zusammen, dem ich diesen Start zu verdanken habe, wobei aber meine Drumschool unabhängig ist.

Christoph Steiner

© Copyright Foto by Christoph Steiner

JDW: Du hast selber in Bern an der HKB (Hochschule der Künste Bern) studiert. Wie hast du dein Studium erlebt? Wie wichtig war es für dich dieses Studium zu absolvieren?

CS: Ich hatte das Glück bei Billie Brooks studieren zu können, eine echte Legende und grosse Inspiration. Da ich bereits in einigen Bands spielte, konnte ich aber auch unabhängig von der Schule meinen stilistischen Horizont erweitern. Ich musste also auch immer wieder Distanz zum Studiumsbetrieb haben und mein „eigenes Zeug“ machen. Später hatte ich noch Unterricht bei Jan Fabricky und das war für mich persönlich die optimale Ergänzung zu Billie’s Approach. Ich habe diese Zeit sehr positiv erlebt und es hat mir geholfen, eine gute musikalische Basis zu entwickeln. Aber klar, es gefällt einem nicht alles gleich. Alles in allem war es für mich eine gute Entscheidung das zu machen, doch im Nachhinein merkt man, dass die Arbeit nach dem Studium erst richtig los geht und man herausfinden muss, wohin man sich musikalisch bewegen will und wie man das Musikerleben konkret gestaltet.

Wichtig ist auch das Netzwerk, das in einem solchen Studium entsteht. Dieses Umfeld ist eine Basis. Diese muss zwar wachsen, damit man vorwärts kommt, aber sie ist entscheidend und hoffentlich bleibend. Einige meiner engsten Musikerkollegen haben mit mir studiert. Das Umfeld um die Jazzwerkstatt Bern ist da ein gutes Beispiel, weil da einige Leute zusammen studiert haben und nach dem Studium ein neues Gefäss für Experimente entstanden ist, das aber völlig szeneübergreifend ist und auch international Leute zusammen bringt.

Setup Christoph Steiner

© Copyright Foto by Christoph Steiner

JDW: Wie gestaltet sich dein Alltag? Wenn man hier in der Schweiz als Musiker arbeitet, kommt schnell mal die Frage, wie man aber davon leben kann? Du unterrichtest, hast Projekte und was machst du da noch? Wie man auf deiner Website lesen kann, bist du auch als Bandcoach tätig. Wie kann man sich das vorstellen?

CS: Ich bin zweifacher Vater und so definiert sich viel in meinem Alltag um die Familie. Meine beruflichen Hauptfelder sind die Konzerte und das Unterrichten. Damit verbunden sind natürlich viele Proben und Reisen. Ich versuche so gut es geht voraus zu planen, damit ich diese verschiedenen Sachen unter einen Hut bekomme und meinen sehr abwechslungsreichen Alltag gut gestalten kann. Ich liebe diese Abwechslung, aber gleichzeitig ist das auch anstrengend, da man oft gleichzeitig mit mehreren Projekten beschäftigt ist.

Weitere Aktivitäten sind Studiosessions, wobei ich auch anbiete, die Drums bei mir zu recorden und dann einfach die Spuren zu schicken. Und wie erwähnt die Coachings. Mit der Burgdorfer Band Groombridge arbeitete ich als Produzent an zwei CDs und auch als Bandcoach arbeite ich nicht aus Schlagzeugerperspektive, sondern mit Blick auf das Gesamte. Ein Bandcoaching nehmen Bands in Anspruch, um Feedbacks zu erhalten und am Zusammenspiel und an den Arrangements arbeiten zu können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten das zu gestalten. z.B. mit einem Kurstag mit Theorie und viel praktischem Üben oder ich besuche Bandproben.

Es gibt natürlich kein allgemeingültiges Rezept, um von der Musik leben zu können.

Bei mir haben sich diese verschiedene Standbeine entwickelt und momentan scheint mir das ein sinnvoller Weg zu sein, den viele Musiker gehen. Mit meinen Coaching- und Produktionsaktivitäten kommen noch weitere dazu. Die Gewichte dieser Aktivitäten verschieben sich aber immer wieder, wobei die Konzerte und der Unterricht die grössten Konstanten sind. Ich bin sehr dankbar regelmässig Konzerte spielen zu können, es ist schliesslich nicht selbverständlich, einen Teil des Lebensunterhaltes so zu verdienen. Deine Brötchen mit deiner Leidenschaft zu verdienen ist ein grosses Privileg, dass muss man sich bewusst sein, auch wenn es nicht immer einfach ist. Es ist wichtig, dass allgemein das Bewusstsein für Live-Musik wieder ansteigt. Das müssen wir weiterhin aktiv fördern und nicht den Konserven den Vortritt lassen…

Christoph Steiner

© Copyright Foto by Fred Haslimann

JDW: Was ist in deinen Augen wichtig wenn man den Beruf als Schlagzeuger ausüben möchte?

CS: Das kommt halt sehr darauf an, was man unter diesem Beruf versteht und welche Erwartungen und Ziele man hat. Es gibt im Vornherein keine klare Definition, wo das hingeht und drum muss man sich mal auf das Abenteuer einlassen und sehen, was passiert und viel an seiner Musik und sich arbeiten!

Man muss das also einerseits sehr idealistisch angehen und träumen können, sich aber gleichzeitig bewusst sein, dass es kein einfaches Brot ist und sich am besten nicht allzu viele Rockstar-Illusionen machen… Aber wer weiss??

Grundsätzlich aber sollte man natürlich ein gutes musikalisches und technisches Fundament haben und sich in diversen Stilen auskennen, das hilft einfach um verschiedene Situationen bedienen zu können. Ich finde ein gutes Handwerk eine wichtige Basis, doch dann sollte ganz viel Kreativität und Offenheit da sein. Gute Musik hat zum Glück nicht immer mit technischen Möglichkeiten zu tun. Manchmal müssen diese einfach im Hintergrund bleiben und der Einfachheit den Vortritt geben. Ich konnte da sehr viel von Songwritern lernen, die eben nicht schlagzeugmässig denken, sondern den Song im Fokus haben. Da muss man als Drummer dringend lernen musikalische und nicht schlagzeugerische Prioritäten zu setzen!

Das Beet

© Copyright Foto by das beet

JDW: Gibt es auch eigene Projekte von dir oder planst du was für die Zukunft?

CS: Wie oben erwähnt habe ich mit „Das Beet“ ein Trio, für das ich verantwortlich bin. Wir haben im Frühling 2010 unser Debut bei A Nuk veröffentlicht und momentan stehen einige Gigs an, auf die ich mich sehr freue. Wir spielen komplett frei improvisierte Konzerte und so entstand auch die CD. Also keine Vorgaben, dafür ganz weit offene Ohren. Die anstehenden Gigs werden wir aufnehmen und dann mal schauen was aus dem Material wird.

Ansonsten schwirren immer wieder viele Ideen in meinem Kopf rum und einige versuche ich dann beim Kragen zu packen, wie z.B. den Workshop hier bei Jazzdrummerworld.

JDW: Was kannst du den Drummern da draussen mit auf den Weg geben?

CS: Mir persönlich ist es sehr wichtig, ehrliche Musik zu machen, meine Ideen umsetzen zu können und gleichzeitig der musikalischen Aufgabe gerecht zu werden und songdienlich zu spielen. Ich kann also jedem Drummer nur empfehlen, sich auf diese Herausforderung einzulassen, viel zu üben und technisch besser zu werden und gleichzeitig nicht nur diese Fähigkeiten in den Vordergrund zu stellen oder jemanden zu imitieren. Das Ziel ist, am Schlagzeug umsetzen zu können, was man sich vorstellt und so möglichst eigenständige Musik zu kreieren!

JDW: Vielen Dank für dieses Interview und weiterhin viel Erfolg als Drummer/Musiker.

Verlosung Album „Das Beet“

Wir verlosen drei „DAS BEET“ Alben. Einfach eine E-Mail an Christoph senden und die ersten drei erhalten das Album zugeschickt. Hörbeispiele und kaufen kann man es auch im iTunes Store.

Die aktuellen Workshops von Christoph Steiner gibt es hier. Mehr über Christoph Steiner findet man unter christophsteiner.net.



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