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Interview Carola Grey

Interviews 28. Februar 2009 - 20:14 UHR 0 Kommentare
jazzdrummerworld hatte die Gelegenheit mit Carola Grey ein Interview zu führen. Entstanden ist ein interessantes Interview, wo Carola über Ihre Projekte, die Musik, Ihr Drumming und vieles mehr erzählte. Nach wie vor sind Frauen sehr selten hinter Drums zu sehen zumindest in der Profi Liga. Hier dominieren nach wie vor die Männer. Doch sicherlich müssen sich Frauen nicht verstecken. Carola Grey ist das beste Beispiel, dass Frauen genau so gute Drummer sind wie Männer. Und wer Carola Grey schon live erleben konnte, weiss das Sie unglaublich viel Power in Ihrem Drumming hat und in den unterschiedlichsten Stilen zu überzeugen mag.

Carola Grey

JDW: Erstmals Carola dankt dir jazzdrummerworld, dass wir dieses Interview mit dir führen können. Es freut uns, dass du die erste Schlagzeugerin bist, mit welcher wir ein Interview führen können. Du bist nicht unbekannt in der Drummer Szene. Es wäre aber sicher an dieser Stelle interessant, wenn du dich kurz ein bisschen vorstellen könntest.

Carola Grey: Ich hatte das Glück mit vielen genialen Musikern zusammenzuarbeiten und die Musik hat mich in viele Länder dieser Erde gebracht. Ich lebte viele Jahre in Städten wie New York und London, habe u.a. Tourneen durch die U.S.A. Indien und Thailand gemacht, viele interessante Menschen getroffen, die Chance gehabt, an Hochschulen in der ganzen Welt zu unterrichten, Bücher zu schreiben, viele eigene CDs zu veröffentlichen und damit teilweise sogar einigermassen erfolgreich zu sein (wie z.B. in die Top Ten der amerikanischen Jazzcharts zu gelangen).

Wer mehr wissen will der gehe auf carolagrey.de

JDW: Carola, wie ist das als Schlagzeugerin, es ist immer noch eher ein seltenes Bild, Frauen hinter dem Schlagzeug, was bedauernswert ist. Was denkst, du weshalb ist das so? Als ich dich an der Musikmesse 2008 spielen gesehen habe, dachte ich nur, wow das ist ein „Groove“, einfach genial, da können sich viele Männliche Kollegen was abschneiden.

CG: Das ist leider wahr. Trotzdem werden es immer mehr Mädels die auf einem professionellem Niveau spielen. Warum es allerdings nicht mehr sind, ist mir nicht ganz klar. Es gibt auf den Musikschulen und vielfältigen Drummer Ausbildungsstätten eigentlich einen Haufen Frauen die anfangen, aber den Sprung zur Profikarriere schaffen leider nur wenige. Das schaffe natürlich auch nicht alle Männer, aber ich denke als Frau hat man neben den Herausforderungen die der Job mit sich bringt, auch noch gegen die üblichen Vorurteile zu kämpfen, die viele männliche Kollegen irgendwo immer noch haben…..extrem nervig und extrem unangebracht meiner Meinung nach (lacht).

JDW: Du hast ein unglaublich Powervolles Drumming, du spielst aber auch für die Musik, was man gerade auch bei deinen Auftritten an der Musikmesse 2008 sehen und hören konnte, insbesondere bei den Sessions mit Jeff Berlin am Bass. Wo füllst du dich besonders zu Hause, in welcher Stilistik? Was sind deine Vorlieben in der Musik?

CG: Ich komme eigentlich vom modern Jazz. Daher stehe ich sehr auf Musik, in der viel Kommunkation und Platz für Spontanes zwischen den Musikern möglich ist. Meine ersten Bands und CDs waren auch alles Projekte mit Leuten wie Ravi Coltrane, Mike Cain und Lonnie Plaxico (damals in der Band von Jack DeJohnette). Ich habe aber von Anfang an auch immer völlig anderes Sachen gespielt, so war ich zum Beispiel viele Jahre Mitglied in der New Yorker Gothic band „Maria Excommunikata“. Bei meinen eigenen Projekten ging die Entwicklung dann mit der Zeit in Richtung Jazzrock, Fusion und da bin ich inzwischen eigentlich am liebsten…

Meine eigenen Projekte sind immer auch geprägt von dem was ich gerade für Musik schreibe. Mein erstes Instrument war Klavier und ich schreibe und arrangiere sehr viel Musik. Das prägt natürlich auch mein Drumming weil ich sehr in Melodien und Harmonien denke und höre.

Carola Grey

JDW: Welche eigene Projekte hast du gerade am laufen bzw. was ist in Zukunft geplant?

CG: Nach einer Zeit in der ich mehr als Sidewoman gearbeitet habe bin ich dieses Jahr endlich wieder auf Tour mit meiner Band „Noisy Mama“ . Mit dabei sind Peter Wölpl and der Gitarre und Paul Tietze am Bass, beides hervorragende Musiker mit denen ich schon seit ewigen Zeiten zusammenarbeite. Nachdem wir musikalisch in den letzten Jahre durch alle möglichen Experimente wie live Drum’N Bass und viel Elektronik durchgegangen sind, bin ich ich im Moment eigentlich gerade wieder „Back To the Roots“. Das heisst melodiöse Stücke mit gutem Groove, eine klasse Band mit hervorragenden Solisten und einfach eine gute Zeit auf der Bühne und mit dem Publikum. Am liebsten in Clubs wo man eine gute Energie mit den Leuten aufbauen kann.

Das andere Projekt ist meine Band „Babelfish“. Eine Rock-Popband mit dem Sänger Francesco Cottone. Ich schreibe auch hier alle Stücke und im Moment sitzen wir gerade and dem ersten Album von dem ich hoffe dass es im Sommer fertig ist. Entstanden ist die Band eigentlich aus einer Anfrage ein Konzert bei „Jazz an der Donau“ zu spielen. Nach uns kam dann Reamon und ich dachte mir das sei eine gute Gelegenheit mal meine Rocknummern aus der Schublade zu holen und eine lustige Band zusammenzustellen.

Das Projekt hat so einen Spass gemacht dass ich beschlossen habe es weiterzuführen. Alle Bandmitglieder sind auch hervorragende Musiker und Solisten und Live geht immer komplett der Punk ab… macht echt Laune (lacht).

Ansonsten spiele ich auch gerne Soloshows. Das sehe ich dann mehr unter dem sportlichen Aspekt. Wenn man nicht in Gefahr läuft die Musik tot zu trommeln kann man auch mal seine Zirkustricks auspacken, will heissen Doppelpedal, Stöckeschmeissen und das ganze Programm. Es macht einfach auch Spass für andere Drummer zu spielen, über Stöcke und Paradiddles zu reden und es spornt einen an in der technischen Entwicklung nicht zu stagnieren oder schlimmer noch sich zurück zu entwickeln.

Carola Grey

JDW: Bei deinem letzten Album „Drum Attack“ beweist du auch, dass du eine hervorragende Komponistin und auch Sängerin bist. Ist es für dich wichtig, nicht nur als Schlagzeugerin angesehen zu werden, sondern eben als Musikerin?

CG: Es freut mich immer wenn jemand kommt und sagt dass er auf diesen oder jenen Song steht. Ist ja schliesslich alles ein Teil von mir. Früher habe ich mir auch noch einen Kopf gemacht wie die Leute mich sehen oder was sie über mich denken. Inzwischen habe ich es aber glaube ich geschafft mich davon freizumachen weil das bremst nur ungemein aus.

Ausserdem ist Drumming so ein komplexes Ding, von dem sich die meisten Nichtdrummer gar nicht vorstellen können was da alles dazugehört! (das zum Thema, nur als Schlagzeugerin!)

JDW: Reden wir doch noch kurz über dein Set. Wie sieht dein Setaufbau aus. Variiert dieser je nach Musik, oder hast du ein festes Drumset, welches du immer einsetzt?

CG:Ich habe zwei Hauptsets die ich spiele und je nach Stilistik variiere. Das Grooveset ist ein Sonor Delight. Meistens mit 22“ BD, 10“, 12“, 16“, Toms. Meine Lieblingssnare ist eine 14×6 ½. Das Kit ist aus Maple was ich wegen dem warmen Klang liebe. Mein Jazzkit ist ein Sonor Designer Set. 8“, 10“, 14“ Toms, und je nach Stil mit einer 18“ oder 20“ Bassdrum. Das sind so die Basics. Meistens habe ich mindestens eine zweite Snare und manchmal auch noch andere Tomgrössen. Becken spiele ich Zildjian und die variieren eigentlich immer. Ich mag aber grundsätzlich eher die wärmeren Varianten, ich spiele viel A Custom Dark, Orientals und special EFX. Ich experimentiere auch gerne mit Sounds und habe eigentlich immer irgendwas am Set wo ich mehrere Becken in einander gesteckt habe um kurze, trashige Sounds zu bekommen.

Ich spiele auch viel das Roland TD-20 V-Drumkit, allerdings eigentlich meistens in Verbindung mit dem akustischen Set. Zusammen mit der Firma Roland habe ich ein Setup entwickelt wo wir unter dem Begriff Hybridkit das ganze auf das Maximum ausgebaut haben. Ich habe das komplette TD-20 in das akustische Set integriert, alles noch vertriggert und entfremdet, dann habe ich noch das SPD-S Samplingpad und einen Laptop mit Ableton Live am Start. Damit spiele ich regelmässig Soloshows was einen riesen Spass macht weil man unendliche Möglichkeiten hat das Ding zu nutzen und die abgefahrensten Sounds zur Verfügung hat. Ist für den Hausgebrauch ein bisschen lästig zum Aufbauen, aber das ist ja nur als Extrem gedacht. Ich habe aber meistens Teile davon in meinem ganz normalen Setup, zum Beispiel getriggerte BD und SD, ein/zwei Pads und das SPD-S mit Laptop um Backingsounds und Loops abzufahren.

Carola Grey

JDW: Wie siehst du die Situation als Schlagzeugerin bzw. Musikerin in Deutschland oder allgemein in Europa? Oft wird gesagt, es sei eine Brotlose Arbeit. Ist dies so, dass man immer schauen muss, ob man genug zum leben hat. Wie ist die Arbeitssituation als Musikerin deiner Meinung nach?

CG: Nachdem ich viele Jahre in New York gelebt und als Musikerin überlebt habe, habe ich dazu wahrscheinlich eine andere Einstellung. Ich bin gerne hier weil ich hier, so hart wie es manchmal ist, die Chance habe meine eigenen Sachen zu machen und davon zu leben. Ich würde es wahrscheinlich entspannter haben wenn ich mir eine Top 4O Band gesucht hätte. Aber das ist halt die Entscheidung die jeder für sich selber fällen muss was einem im Leben glücklich macht. Bei mir ist es halt nun mal die Kreativität auszuleben und dafür stehe ich auch gerne mal Dürreperioden, die es definitiv auch gibt, durch.

JDW: Wie entwickelt sich aus deiner Sicht die Musik, ist die Entwicklung eher positiv oder negativ? In der Musik tut sich sehr vieles und auch gerade das Medium Internet ist für viele Musiker eine Hilfe um sich bekannt zu machen und so Kontakte zu knüpfen und auch die eigene Musik zu verkaufen. Wie siehst du das, ist es für dich eine Hilfe, dass Internet mit all seinen Möglichkeiten?

CG: Es ist definitiv eine Chance dass mehr Leute ihre Sachen hörbar machen können und nicht von den Plattenfirmen abhängig sind. Eine Weile hat es zwar so ausgeschaut als würde es eine gewisse Entwertung der Musik geben, mit Tauschbörsen etc., aber ich glaube es bahnt sich gerade an dass das wieder auf einigermassen gesunde Füsse kommt. Man wird sehen… wir leben jedenfalls in sehr spannenden Zeiten mit unglaublichen Möglichkeiten.

JDW: Welche Produktion von dir repräsentieren dein Drumming, aus deiner Sicht am besten, oder anders gefragt, wenn ich eine Platte mit Carola Grey haben möchte, welche muss ich mir da um bedingt kaufen?

CG: Kommt sehr darauf an auf welche Musik man steht. Was ich persönlich selber noch sehr gerne mag ist die Noisy Mama CD von 1996 ‚Girls Can’t Hit!. Mein Drumming hat zwar inzwischen ganz andere Richungen und Dimensionen angenommen, aber als Gesamtwerk finde ich das immer noch eine runde Sache.

JDW: Wenn du mal keine Konzerte, keine Workshop gibst und nicht Unterwegs bist, was machst du dann, gibst du Unterricht?

CG: Wenn ich zu Hause bin gebe ich hin und wieder Unterricht, wurschtel im Studio rum, renne mit meinem Hund durch den Wald und schreibe Musik. Als Ausgleich mache ich Kampfsport, (Wing Tsung, eine Form von Kung Fu) worin ich jede freie Minute stecke.

JDW: Gibt es abschliessende Worte, welche du den Lesern von jazzdrummerworld.com mitgeben möchtest?

CG: Immer schön Üben, falschen Ehrgeiz und Konkurrenzdenken über Bord schmeissen und immer Spass dabei haben… wenn man das schafft dann kann Trommeln eine echt geile Art sein, sein Leben zu verbringen… (lacht).

Weiterführende Links
Carola Grey Website
– Carola Grey bei drummerworld.com


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