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Interview Billy Cobham

Interviews 04. Mai 2010 - 07:55 UHR 1 Kommentar
Es gibt wohl keinen Schlagzeuger, der auf so vielen wegweisenden Platten spielte wie Billy Cobham. James Brown, Quincy Jones, Dreams (eine der ersten Jazz-Rock-Bands u.a mit den Brecker Brothers), Miles Davis (u.a Bitches Brew), John McLaughlins Mahavishnu Orchestra, Santana, Chick Corea, Hancock, George Duke, McCoy Tyner, Jack Bruce, Deodato, George Benson, Freddie Hubbard sind nur ein paar wenige Stationen in seiner fast 50-jährigen Karriere. Er u.a. einer der Hausschlagzeuger des legendären CTI-Labels. Über 40 Platten unter seinem Namen sind bisher erschienen. Nicht nur seine Platten waren wegweisend, sein Spiel, seine Technik inspirieren ganze Heerscharen von Schlagzeugern. Ein Gespräch mit dem 1944 in Panama geborenen und seit 1981 in der Schweiz lebenden Power-Drummer anlässlich seines Konzertes im Zürcher Jazzklub Moods. Von Gino Ferlin

Billy Cobham

JNM: Deine neue CD heisst „Palindrome“. Was willst du mit diesem Titel aussagen?

Billy Cobham: Ein Palindrome kann eine Zahl sein, ein Wort oder ein Satz, der vor- und rückwärts gelesen immer gleich zu lesen ist (121, Solos, Level, Radar etc.). Es ist ein „Rück-und-Vorwärts-Fliesszustand der Sprache“ oder in meinem Fall der Musik.

JNM: Es gibt etwa 40 CDs unter deinem Namen. Hast du da Lieblings-CDs darunter, die du dir regelmässig wieder anhörst? Oder hast du es wie Miles, der einmal sagte: „I don’t listen to my old shit anymore!“ Wie ist es bei dir?

BC: (Lacht). Ich habe auf Miles gehört und genau diesen Fehler anfangs auch gemacht. Irgendwann habe ich aber eingesehen, dass dies meine Vergangenheit ist, meine Geschichte, ein Teil von mir. Die Leute wollen diese alten Hits wie z.B. „Red Barron“ hören und sie haben ein Recht dazu. Mal abgesehen davon, spiele ich die alten Titel gerne.

Billy Cobham

© Photographer Sascha Jäggi

JNM: Du spielst auf vielen wichtigen Platten. Gibt es eine Platte, auf der du nicht drauf bist, aber gerne mitgespielt hättest?

BC: Ich wollte mal mit McCoy Tyner spielen, er hat mit Coltrane gespielt. Ich war in den letzten Jahren in seinem Trio zusammen mit Stanley Clark. Ich war so aufgeregt, mit McCoy zu spielen, dass ich manchmal „überdreht“ habe.

Billy Cobham

© Photographer Sascha Jäggi

JNM: Im Laufe deiner Karriere warst du bei mehreren Labels unter Vertrag und hast deine Erfahrungen mit dem „Record-Business“ gemacht. Wie siehst du die Zukunft in diesem Business, wird es überhaupt noch CDs geben?

BC: Nur noch wenige Labels sind musikorientiert, bei den meisten geht es nur um das Geld. In den „normalen“ Radiostationen wird ja sozusagen kein Jazz gespielt. Das liegt auch daran, dass, wenn ein Label eine CD seriös promoten will, dies etwa doppelt so viel kostet wie die Produktion – das interessiert die Labels einfach nicht. Warner Brothers hat einmal eine CD von mir veröffentlicht, mit einem Foto von Lenny White auf dem Cover (…), das sagt alles über die Art und Weise des Arbeitens aus. Die Majors nehmen eine Sängerin wie z.B. Chaka Khan und lassen sie auf „Night in Tunesia“ los oder benützen ein von Bird gespieltes Riff in einem Titel von ihr. Nichts gegen Chaka Khan, aber das ist der falsche Weg. Auf YouTube gibt es einen Clip der heisst „Jazz Dispute“. Ein Pantomime, der seine Lippen synchron zu Dizzys und Birds Solos bewegt. Das finde ich gut, clever und erst noch höchst amüsant. Dieser Clip kommt der „Sache“ schon um einiges näher. Aber zurück zu meinen CD-Verkäufen: Ich verkaufe die meisten CDs an meinen Gigs. Wenn den Leuten das eben Gehörte gefällt, kaufen sie auch die CD. So gesehen ist das Publikum mein bester Kunde.

Billy Cobham

© Photographer Sascha Jäggi

JNM: Was denkst du über diese Wiederveröffentlichungsboxen mit all diesen Additional Tracks und Alternative-Versions, wie z.B. Miles Davis‘ „Bitches Brew“ (4 CDs) oder „Jack Johnsons“ (5 CDs), bei beiden warst du ja dabei?

BC: Das ist eine grosse Frechheit! Die veröffentlichen Zeugs, welches gar nie für das Publikum gedacht war, Proben, Fehler etc. Miles zum Beispiel, da bin ich mir sicher, hätte solche Abzockerei niemals erlaubt.

JNM: Unzählige Schlagzeuger wurden durch dich beeinflusst. Wer hat dich eigentlich beeinflusst?

BC: Tony Williams, Roy Haynes, Elvin Jones, Max Roach, sie alle sind meine Einflüsse. Sie sind meine Lehrer, wird dürfen sie nie vergessen. Da gibt es diesen „Swiss Drummer“ Dominik Burkhalter, der arbeitet an einem Tony Williams Tribute. Genau so muss es sein.

Billy Cobham

© Photographer Sascha Jäggi

JNM: Wie sieht es, neben der Palindrome-Band, mit deinen anderen verschiedenen Projekten und Bands aus?

BC: „Asere“ ist eine kubanische Latin-Fusion Band, wo ich meine Roots ausleben kann. „Meeting of the Spirits“ (A Celebration of Jazz-Rock / Fusion), da haben wir erst einmal eine Big-Band-CD mit Mahavishnu-Titeln gemacht: „A Celebration of the Mahavishnu Orchestra“. Da spiele ich mit der Big Band des Hessischen Rundfunks unter Colin Towns, der auch die genialen Arrangements geschrieben hat. Dann haben wir 2009 den Film „Sonic Mirror“ unter der Regie von Mika Kaurismäki fertiggestellt. Es geht da u.a. um die Kraft, die durch gemeinsames Musizieren entsteht. Eine Episode zeigt das Verhalten autistischer Kinder, wenn sie mit Musik konfrontiert werden. Da gibt es diesen Jungen, der hat einfach nicht gesprochen. Ich habe dann rausgefunden, dass er zu reden anfängt, wenn ich einen bestimmten Ton spiele. Das war sehr eindrücklich. Der Film wird als DVD erhältlich sein. Jetzt arbeite ich an meinem ersten symphonischen Werk, das aus einzelnen längeren Movements besteht. Es heisst „Tales from the Skeleton Coast“ und wird eine Doppel-CD werden.

Billy Cobham

© Photographer Sascha Jäggi

JNM: Ausgenommen, es ist Sonntagmorgen, Kaffee, Frühstück … welche CD hörst du?

BC: Putumayo lege ich in so einem Moment gerne in den Player. Mein kubanisches Projekt „Asere“ ist auf dem letzten Putumayo-Sampler „Jazz Around the World“ auch vertreten.

Informationen zum Interview

Das Interview mit Billy Cobham führte Gino Ferlin für JAZZ’N’MORE (Ebenfalls erschienen in der Ausgabe 3/2010 Mai/Juni), jazzdrummerworld war mit dabei beim Interview am 25. Februar 2010 im Moods Jazzclub in Zürich. Dieses Interview wurde mit Genehmigung und kostenlos von JAZZ’N’MORE zur Verfügung gestellt. Die Bilder wurden von Sascha Jäggi, während dem Konzert im Kulturhof Köniz gemacht und jazzdrummerworld freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen zu Billy Cobhams CD Palindrome gibt es hier. Hier geht es zur Webseite von Billy Cobham.



1 Kommentare

  1. 15. Mai 2010 um 11:41 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Schade, ich habe sein Konzert im Februar verpasst. Ich möchte noch anmerken, der Moods Jazzclub ist einfach genial!

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