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Interview Alex Vesper

Interviews 19. Mai 2011 - 20:20 UHR 3 Kommentare
Der Schlagzeuger Alex Vesper ist unter anderem als Drummer bei DJ Bobo oder auch bei Lena Meyer-Landrut tätig. In einem ausführlichen Interview sprachen wir mit ihm über seine Projekte, seine Arbeit als Drummer, über das Musikbusiness und vieles mehr. Entstanden ist ein wirklich sehr ausführliches Interview, wo Alex Vesper viel zu erzählen hatte.

Alex Vesper

JDW: Alex, mit welchen Projekten beschäftigst du dich zur Zeit und was steht so alles an für 2011?

Alex Vesper: Was gerade aktuell ist, ist ein Kinderbuch Papagallo & Gollo. Das sind so Figuren, welche von TJ Gyger entwickelt wurden. Er ist der musikalische Leiter bei DJ Bobo und er hat mir einen ersten Band dieses Kinderbuches in die Hand gedrückt. Dabei handelt es sich um ein hochwertiges Buch, welches in Los Angeles gemacht wird und wo jeweils auch eine CD beiliegt, auf welcher das ganze aus dem Buch, als Hörspiel vorliegt. Der TJ Gyger hat mich gebeten eine deutsche Version zu machen. Mit der Umsetzung dieses Buches, bin ich zur Zeit sehr beschäftigt. Momentan befindet sich auch das zweite Buch in der Abschlussphase.

Zeitgleich bereite ich mich auf die Tour mit Lena Meyer-Landrut vor. Da befindet sich alles in der heissen Phase. Wir haben da als Musiker das Material zugeschickt bekommen und müssen uns jeweils nun in Eigenregie auf das ganze vorbereiten. Das ganze kam durch Andreas Grimm zustande. In seiner Band Fred Kellner habe ich mal ausgeholfen. Der hat sich an mich erinnert und mir diesen Job angeboten.

Da gibt es dann jeweils eine Bandprobe und dann eine Probe mit allen Beteiligten. Danach geht es dann auf eine Tour mit mindestens neun Konzerten in grossen Hallen.

Zudem kam auch eine Anfrage von DJ Bobo an. Da kam nun auch wieder alles auf einmal. Und ich musste da irgendwie Lücken finden um die Shows mit Lena und DJ Bobo absolvieren zu können.

Und nicht zu vergessen sind die Sachen bei musikmachen.de. Eine Initiative des Musik Media Verlags, wo auch das STICKS Magazin untergebracht ist. Dort präsentieren wir die Instrumententests aus dem STICKS Magazin. Daran habe ich meinen Spass und bin froh, da mit dabei zu sein.

Bei diesen Tests spielen wir die Sachen, so wie wir diese von den Firmen zugeschickt bekommen. Also bei Sets ziehen wir da keine anderen Felle drauf. So benutzen wir auch jeweils nur ein Bassdrum Mikrofon und zwei Overheads. Uns ist es wichtig, dass jeder Hersteller die gleichen Vorraussetzungen bei uns hat. So wie wir die Instrumente aus den Kartons nehmen, stellen wir diese auf und spielen diese an.

Das sind diese Sachen welche mich momentan beschäftigen. Zwischendurch habe ich immer wieder auch andere Sachen, wie zum Beispiel mit den Leute aus der Sat1 Bands. Beispielsweise mit “Max Giermann Granaten wie wir”, ein Komedian, welcher eine eigene Show hat. Da spiele ich ab und zu Cover Sachen.

Eine Sache ist auch noch das Dresdner Drumfestival. Da wurde ich noch angefragt um da mitzuspielen. Angefragt wurde ich auch für die Musikmesse Frankfurt 2011, da konnte ich nicht dabei sein, da ich mich die anderen Projekte stark beanspruchen und ich terminlich das nicht mehr reinbringen kann.

Alex Vesper

JDW: Du arbeitest ja auch mit DJ Bobo zusammen. Wie kann man sich diese Zusammenarbeit vorstellen und wie hat sich das ganze ergeben?

AV: Ich bin Seit 2003 in der Band. Das ganze kam durch Phil Dankner zustande. Er war vor Jahren einmal nach Köln und produzierte seine Schwester Tanja Dankner mit bzw. für Stefan Raab! Ich habe da auch in den verschiedensten Fernsehshows mitgewirkt und war dort in der Band als Drummer mit dabei. Ich habe zwölf Jahre in einem Club mit hervorragenden Musikern gespielt. Das waren so Soul Cover Sachen. Dort sprach mich dann der Phil Dankner auch nach dem Gig an. Er fragte mich ob ich auf der Produktion seiner Schwester Tanja Dankner mitspielen würde. Irgendwie kam das aber nie zustande. Einige Jahre später ca. 2003 meldete sich Phil Dankner per E-Ma und er fragte mich an ob ich da bei der DJ Bobo Show trommeln würde. Er hatte da die musikalische Leitung. DJ Bobo wollte mit Band nun auf Tour gehen. Ich bekam dann das nötige Material zugeschickt. Das war Material der neuen Platte und ich sollte zudem auch ein Solo vorbereiten. Da habe ich mich an den Computer gesetzt und habe mir die ganzen DJ Bobo Grooves, Raps usw. zusammengeschnitten, damit ich ein Solo darüber spielen kann. Habe mich da gut vorbereitet und hatte am gleichem Tag einen Gig in der nähe von Darmstadt. Und am gleichen Tag sollte dann auch die Audition sein. Ich war da aber ziemlich krank. Da waren dann die ganzen Leute, Musiker usw. Da kam der Manager von DJ Bobo und fragte wer als erster spielen möchte. Da habe ich mich gleich als erster gemeldet, da ich mich gar nicht wohl fühlte und einfach nur schnell wieder ins Bett wollte um einigermassen wieder fit zu sein, für den Gig, welchen ich am Abend hatte. Ich habe also vorgespielt, es gab auch ein Interview bzw. ein Gespräch und es herrschte eine angenehme Atmosphäre.

Am Abend habe ich dann meinen Gig irgendwie über die Bühne gebracht und am nächsten Tag war ich unterwegs zum Tama/Meinl Vertrieb. Da klingelte das Telefon und mir wurde gesagt, wenn ich nach wir vor Interesse hätte bei DJ Bobo mitzumachen, dass ich den Job bekommen würde. So ist das ganze also zustande gekommen.

Auch hier bekommt man die Sachen zugeschickt und man muss sich einfach selber vorbereiten. Egal wo man tätig ist und mit dabei sein möchte, schlussendlich geht es darum, dass man sich perfekt vorbereitet, das Material kennt und ganz genau weiss, was man zu tun hat. Die Proben sind lediglich dazu da, um mit den Künstlern noch einige Details zu spielen bzw. die Show zu vorzubereiten.

Das war auch eine gute Sache am Anfang. Weil DJ Bobo hatte da auch noch wenig Band Erfahrung. Dadurch ergaben sich da auch witzige Sachen. Da gab es zum Beispiel ein Rock’n’Roll Ende auf der Tonika, er springt hoch. Wir als Band schauten uns an, hörten auf als er wieder auf den Boden kam. Und das kannte er eben noch nicht, da er vorwiegend mit Playback spielte. Von da an war er einfach begeistert von der Band und arbeitete mit mehr Bewegungen, offenen Teilen usw. er geniesst es einfach mit Band unterwegs zu sein. Diese Spontanität welche eine Band auch mit sich bringt.

Es gab ja auch eine Fantasy Tour. Alle zwei Jahre gibt es solch eine Tour. Das Drumset ist da in einer Hand aufgebaut, eine Riesen Show. Der Bassist ist einige Meter oberhalb von mir. So ist auch die ganze Band in die Show mit eingebaut.

Ja, so hat sich das ganze mit DJ Bobo ergeben.

JDW: Unterrichtest du auch an einer Schule, oder bleibt dir da die Zeit gar nicht dafür?

AV: Ich bin Dozent an zwei Hochschule. Einmal an der Hochschule Osnabrück sowie in Köln an der Hochschule für Musik und Tanz. Beides für Popschlagzeug. Da fühle ich mich sehr geehrt, da ich selber nicht studiert habe. In Deutschland ist es so, dass man bislang nur Jazz und Klassik studieren. Mit 13 Jahren habe ich an der rheinischen Musikschule Unterricht an der Schule erhalten. Jahrelang klassisches Schlagzeug, wirklich jahrelang – lacht – das waren Pauke, Kleine Trommel (Snare), Marimba usw. bis mir das ganze eben einfach langweilig wurde. Da bin ich zu Speri Karas, Drummer der WDR Big Band gegangen. Dort habe ich bis 18 Jahren Unterricht erhalten. Danach habe ich eine Aufnahmeprüfung absolviert an der Kölner Hochschule, jedoch nur für Jazz. Wobei ich sagen muss, dass wenn man Jazz studieren möchte, einfach mehr sich mit der ganzen Musik auseinandersetzen müsste. Sich die Musik anhören, die Geschichte dahinter verstehen. Da sehe ich mich nicht unbedingt zu hause. Doch seit einiger Zeit gibt es nun ja auch einen Popstudiengang und da bin ich nun an zwei Hochschulen als Dozent tätig. Das heisst ich bin zweimal die Woche als Dozent tätig. Jeweils in Osnabrück, wo ich mit dem Zug hinfahre. Dort habe ich mittlerweile ca. 8 Studenten. In Osnabrück gibt es dann auch Combo Leitungen und da gibt es immer wieder viel zu tun. Privat erteile ich daher auch keinen Unterricht mehr. Das mache ich aber schon seit einiger Zeit nicht mehr. Da fehlt mir einfach die Zeit dazu. Aber an der Hochschule arbeite ich gerne und es macht mir Spass.

Alex Vesper Anatolian

© Copyright Foto by Gudrun Garke

JDW: Wie stehst du zur Drum Technik, wie wichtig ist das für dich?

AV: Der Drummer Omar Hakim hat mal gesagt, “Technik ist das Fahrzeug der Gefühle”. Für mich ein sehr sehr weiser Satz. Für uns als Musiker bzw. Künstler geht es ja darum, dass wir uns ausdrücken können. Dazu brauche ich erstmal ein Mindestmass an Technik um überhaupt ein Ton auf dem Instrument herauszubekommen. Wenn ich da noch feststelle das ich da noch Ideen habe, muss ich mich mit der Technik auseinandersetzen um auch meine Ideen umsetzen zu können. Wenn ich Beispielsweise eine Trompete zur Hand nehme, kriege ich am Anfang kaum einen Ton raus. Eine Geige hört sich ebenfalls grausam an am Anfang. Beim Schlagzeug ist es halt so, es hat den höchsten Aufforderungscharakter, so nennt man das in der Pädagogik. Der Aufforderungscharakter hat einen Ball, da muss man dagegen treten. Jeder kennt das sicherlich, wenn er beim abbauen seiner Instrumente durch die Menge läuft, dass da jeder einmal auf die Snare oder Cymbals hauen muss. Das nennt man Aufforderungscharakter. So ist das beim Instrument Schlagzeug.

Ich habe da mal einigen Kindern zwei Jahre Unterricht gegeben, an einer Musikschule. Das war ganz nett. Man kann sich ja beim Schlagzeug gut einfach hinsetzen und mal los spielen. Und es gibt nur wenige Leute, welche sagen, gut bis hier hin war es Spass und jetzt fängt dann mal die Arbeit mit dem Instrument an. Das man eben anfängt zu üben. Als Schlagzeuger muss man auch mal eine Stunde dasselbe spielen können. Und genau das ist Kindern schwer beizubringen.

Ich stosse selber manchmal an technische Probleme und dann kümmere ich mich darum. Man kann es auch von der anderen Seite angehen. Wenn man sich beispielsweise Tommy Igoes DVD “Great Hands for a Lifetime” anschaut. Da geht es sehr um Rudiments spielen. Da geht es nicht in erster Linie um musikalische Sachen sondern eben um die Technik der Hand. Dennoch, wenn man sich mit der ganzen Handtechnik beschäftigt, damit man einfach fiter wird, spielt man irgendwann einfach Dinge, wo man selber überrascht wird. Plötzlich bereiten einem auch diverse Grooves, Fills usw. keine Mühe mehr. Alles läuft dann smooth. Das ist auch sehr wichtig. Trotzdem bin ich jetzt kein Drummer, welcher jetzt vor dem Spiegel steht und die Hände beobachtet. Ich mache das nur dann, wenn ich irgendwelche Probleme bei mir feststelle. Das heisst wenn ich beispielsweise merke das ich Sechzehntel mit einer Hand bei Tempo 104 eine Minute nicht durchhalte oder was auch immer, dann ist mir Technik sehr wichtig.

Wie bei Schauspielern welche zu einem Logopäden gehen und in Ihrer Ausbildung sprechen lernen bzw. lernen mit ihrer Stimme mehr zu machen, damit sie in einer Rolle mehr Ausdruck erlangen.

Ich selber bin ein grosser Fan davon. Wenn man sich mit Technik beschäftigt, bevor man überhaupt in den Proberaum geht und sich am Pad einspielt, also was schwieriges nicht immer das gleiche spielt, und sich so herausfordert, finde ich gut. Ich bin kein Freund davon vor dem Fernseher zu üben. Ich will kein Soziopath werden möchte. Denn wenn meine Freundin neben mir sitzt, wird es ihr sicherlich auf die Nerven gehen, wenn ich da irgendwelche Sachen auf dem Pad übe. Zumal es für mich auch nicht unbedingt üben bedeutet, sondern mehr als Zeitvertrieb ansehe. Bin kein Freund davon. Aber wenn ich mir beim üben selber eine Herausforderung stellen kann, dann sehe ich auch einen Sinn dahinter und das finde ich dann auch gut.

Anatolian hat ja neue Jazz Becken im Sortiment. Der Dieter Blahak vom Drumcenter hier in Köln hat da auch viel Input reingebracht. Wenn ich mit ihm im Drumcenter stehe und er da ein Becken anspielt und ich dasselbe mache und dabei feststelle, dass bei mir das Becken gleich zu laut wird oder zu breit klingt, dann weiss ich, dass ich ein technisches Problem habe. Ich will Dynamik erzeugen können mit meinen Instrumenten und dazu brauche ich eben eine Technik. Vielleicht einen anderen Grip, weniger Handgelenk, mehr Finger usw.

Alex Vesper Nanoraum

© Copyright Foto by Nanoraum

JDW: Welche Drummer haben dich beeinflusst, oder beeinflussen dich?

AV: Als ich so sechs Jahre alt war, habe ich Unterricht bekommen. Da war mein Vater mit dem WDR beschäftigt und er brachte mir da immer Platten mit. Die habe ich mir dann angehört und da waren halt auch die bekannten Drummer wie Steve Gadd, Billy Cobham usw. mit dabei. Diese Drummer sind immer noch meine grosse Prägung, die begleiten mich schon seit einiger Zeit.

Als ich 14 Jahre alt war, kam dann Simon Phillips auf. Er war der erste Superstar unter den Drummern wie ich finde. Der spielte überall auf der Welt. Er hat hier in Bochum aufgenommen, wie auch mit den Stones. Er war da einfach ein vielseitiger Drummer, welcher einfach überall spielte und mitwirkte. Da dachte ich, unglaublich, Profidrummer das wäre was!

Drummer wie Curt Cress oder Simon Phillips zeigten uns einfach, was in diesem Beruf alles drinsteckt und wie vielfältig das sein kann.

Dann kam natürlich irgendwann Vinnie Colaiuta wie wohl bei jedem. Mit dem ersten Zildjian Day Video. Das war eine Bombe. Was der Drummer macht ist unglaublich. Als wäre er auf einem anderen Planeten.

Heute gibt es immer mehr Momente bei mir, wo ich nicht mehr auf der Suche nach Drummern bin, sondern mich vielmehr die Musik an sich interessiert. Wenn man sich Sean Wayland Pistachio anhört, spielt da natürlich ein Keith Carlock an den Drums. Aber ich finde in erster da die Musik interessant. Oder auch ein Jason Lindner mit Mark Guiliana. Das beeindruckt mich sehr, wie Drummer bei solcher Musik spielen und an diese Musik herangehen. Ich gehe mittlerweile vielmehr von der Musik aus.

Damals hatten auch Platten auf mich eine grosse Auswirkung. Damals wurde in der Popmusik noch mehr getrommelt weniger editiert oder computerisiert. Mit einer grösseren Vielfalt, was Sounds und Kreativität angeht. Solche Platten haben mich nachhaltig beeinflusst. Wenn meinen Studenten die Puste bzw. die Kreativität ausgeht, dann sage ich denen, schaut euch mal eure Platten an, welche ihr vielleicht schon vergessen habt. Und durchforstet diese nach Licks, Fills usw.! Zurück zu den Wurzeln eben.

Ich gehe heute von der Musik aus, als von den Drummern.

Alex Vesper DJ Bobo

JDW: Gibt es auch eigene Projekte von dir?

AV: Also in erster Linie ist das Projekt “Drei vom Rhein” eines meiner Projekte. Wir sind zusammen seit ca. 55 Jahre – lacht -, Nein keine Ahnung, vielleicht ca. 20 Jahren. Damals war das noch Werner Neumann, Claus Fischer und meine Wenigkeit. Jetzt seit ca. 95 Jahren – lacht – sind wir ein Quartett mit Pit Hupperten, Werner Neumann, Helmuth Fass und mir. Das ist meine Band, wir spielen Zappa Songs und auch eigene Sachen. Einfach mal ein Konzert besuchen.

Dann mache ich auch eigene Projekte wie eben das erwähnte Papagallo & Gollo Projekt. Der TJ Gyger beauftragt mich da auch immer wieder mit Produktionen. Da ich auch gerne Singe, mache ich Vocal Arrangements und mache gerne Instrumente mit der Stimme nach. Chor, Akkorde singen, Drum Grooves singen. Das habe ich nun für Michael Grossenbacher gemacht der Ex-Bagatello Sänger. Das aktuelle Album ist gerade vor kurzem herausgekommen. Das habe ich zu großen Teilen alleine hier produziert. Die Gitarren aufgenommen oder das Drums eingespielt, die Vocals gemacht usw.! Ich arbeite sehr oft in Eigenregie. Habe selber ein Studio mit einen Aufnahmeraum. Habe gerade auch eine DVD mit Files abgegeben für einen Gitarristen der in Münster lebt. Für den trommle ich immer wieder auf seinen Platten. Dabei spielt jeder Musiker zu hause. Jedes Instrument wird eingespielt und die Files dann zusammengefügt.

Bin auch noch an Sachen dran, Bücher usw.! Mache da immer wieder Anläufe für eine eigene Platte. 2001 habe ich mal eine Platte gemacht – Alex Vesper. Die gibt es nur auf iTunes. Da sich anderes nicht lohnt, da es viel Geld verschlingt. Zur Zeit fehlt einfach die Zeit, für was neues.

Alex Vesper

JDW: Wie siehst du persönlich das Musikbusiness von heute?

AV: Tja, wie wir ja alle wissen hat das Musikbusiness ein grosses Problem. Um es mal auf den Punkt zu bringen, dass grosse Problem ist die Digitalisierung. Das heisst, Musik kann verlustfrei in Sekundenschnelle weltweit kopiert werden. Was ja eigentlich toll wäre. Jedoch bricht so der Einkommensfaktor eines Musikers komplett ein. Was ja nicht unwichtig ist. Man kann es auch anders betrachten. Durch das Internet und durch die Möglichkeiten, dass mich eine Aufnahme heute nur noch einen Bruchteil davon kostet, was es früher gekostet hat, kann man heute schnell mit einem Computer Aufnahmen machen. Früher war die Herstellung einer Platte eine grössere Geschichte. Das ist heute ganz anders. Dank dem Internet, kann ich das ganze auch weltweit veröffentlichen. Früher musste man irgendwie zu einem Plattenlabel kommen und das hiess noch lange nicht, dass meine Platte dann erfolgreich sein wird. Dank den legalen Download Plattformen kann ich die Musik heute schneller unter die Leute bringen. Das andere ist die Vernetzung. Die meisten kennen ja das Dave Weckl Video auf seiner Webseite, wo er aufruft das er gerne auch für andere Leute spielt. Jeder Musiker steht automatisch in der Konkurrenz mit der absoluten Oberliga. Das hat auch Vorteile, so kann der Gitarrist von nebenan, die grossartigsten Musiker auf seiner Platte spielen lassen, ohne das er grosse Kosten für Flüge usw. ausgeben muss.

Es gibt aber ein Problem an dieser Sache. Die Wertigkeit an Musik hat abgenommen, dadurch das heute jeder Musik machen kann. Es gibt einfach zu viel Musik, zu viele Plattenfirmen, zu viele Instrumente usw. es ist alles übersättig. Ich bedaure das sehr, wenn Studenten nicht mehr einer Sache widmen können. Sich die ganze Zeit von Musik berieseln zu lassen, sich die ganze Zeit auf YouTube Sachen anschauen. Ich bin sehr sehr froh, dass ich in einer Zeit aufgewachsen bin, wo alles noch auf Vinyl herausgegeben wurde. Man hat wirklich gewartet, bis die Band die neue Platte herausgebracht hat. Ich weiss noch wie ich meinen Vater immer zum Plattenladen geschickt habe, um mir die neue Platte von Sweet, von Queen oder von Billy Cobham mitzubringen. Ich habe da immer am Fenster gestanden und habe auf meinen Vater gewartet. Für mich war die Musik wichtig und ich habe mich darauf gefreut. Diese Platten habe ich dann gehört, bis es nicht mehr ging und man die ganze Platte eben kannte.

Wenn da früher jemand sagte, kannst du mir die Platte aufnehmen, war die Wertigkeit so, dass man nicht jedem die Platte aufnahm. Nur bei bestimmten Leute machte man das. Man hat sich einfach wesentlich mehr mit der Musik auseinandergesetzt. Das ist heute leider nicht mehr so oft der Fall, dass ist sehr sehr schade. Die Leute ertrinken heute in YouTube Videos. Die Leute fragen sich heute kaum mehr, wo will ich hin, was schlummert in mir usw.! Das ist fast verloren gegangen. Ich rate jedem einmal einen Monat lang, auf die ganzen YouTube Videos, Internet, Fernsehen usw. zu verzichten und sich einmal wieder zu besinnen, was man den eigentlich selber erreichen möchte. Einfach mal schauen wie man sich selber entwickeln möchte. Dazu sollte man einfach mal die ganzen Medien abschalten.

Ansonsten ist das Musikgeschäft mit den CD Verkäufen ja total zusammengebrochen. Musiksender wie VIVA oder MTV sind reine Klingelton Werbeveranstaltungen. Und man kann schon froh sein, wenn dort überhaupt einmal wieder Musik kommt. Der Verkauf dort basiert auf Klingeltönen. Das heisst ein Klingelton ist teurer, als der Wert des Songs auf dem Markt. Da stimmt schon was nicht. Der Telefon Provider diktiert den Musikern was seine Musik wert ist. Auch iTunes diktiert das ein Song 99 Cent kostet. Auch da sollte man einmal darüber nachdenken.

Der Konzertmarkt hingen floriert ziemlich. Da kann man als Musiker profitieren. Jedoch ist hier die Schere auch sehr grosse geworden. Das heisst, man kann viele Konzerte für 100 € Eintritt aufwärts sehen. Früher sind wir hier an Konzerte um die Ecke gegangen. Es war Freitags und es war immer eine Band am spielen. Wir hatten da immer Spass. Heute ist das nicht mehr möglich. Ich bin oft überrascht, dass bei günstigen Konzerten, kaum Leute mehr an die Konzerte kommen. Gerade hier in Köln wo es viele Angebote gibt, was auch Geld kostet. Da zahlen auch viele nicht mehr die 10 € um eine Band anzuschauen. Die gehen lieber auf MySpace schauen sich das dort an und sagen, ja die Band kenne ich und die habe ich schon mal gehört. Aber das Konzert besuchen sie dann nicht. Das ist ein grosse Problem, wie ich finde.

Das ganze wirtschaftliche Debakel macht es mir manchmal schwer zu unterrichten. Weil es läuft bei sehr vielen Leuten darauf aus selber Lehrer aus. Ich habe ja auch von meinen Projekten erzählt, ich bin heute nicht nur Drummer, sondern auch Produzent, Übersetzer, Tontechniker, Workshop Spieler, Lehrer, Tester, Sänger, Arrangeur usw.! Man hat heute die Möglichkeit viel zu machen, durch die ganze Globalisierung. Es ist aber heute fast unmöglich geworden, nur vom Schlagzeugspielen, nur vom Gitarrenspielen usw. zu leben. Nur von der Musik zu leben, von den Plattenverkäufen oder so. Das gelingt heute nur noch sehr sehr wenigen Leuten.

Alex Vesper Drumset

JDW: Wie hast du persönlich für dich geübt und die Dinge am Set erarbeitet?

AV: Für mich war es immer wichtig mich zu kultivieren. Das hört sich jetzt vielleicht komisch an, ich will es mal erklären. Das heisst, wenn ich vor mich hin spiele und das aufnehme und das dann mitnehme und mir kritisch anhöre, und sage das hier ist Mist, das auch, aber hier habe ich was interessantes gespielt. Das spiele ich wohl häufiger, aber ich habe es noch nicht analysiert. So ein Lick nehme ich mir da raus und nehme es in mein Repertoire auf. Das heisst, ich möchte diesen Lick bzw. Riff musikalisch in anderen zusammenhängen spielen können. Wenn es auch ein einfaches Fill ist, will ich auch das dieses einfache Fill auch mal auf der zwei anfängt und über die eins hinausgeht. Mal ganz global gesagt. Ich will mal dieses Fill auch auf anderen Instrumenten spielen, als immer nur Bassdrum, Snare, Hi-Hat oder Toms. Das ist mir sehr wichtig, dass ich sozusagen ein Vokabular besitze und wie bei der Sprache nicht mehr gross darüber nachdenken muss wie ich das anwende. Ich möchte das von links nach schräg spielen können sozusagen. Das ist mir sehr wichtig.

Ebenfalls ist das einbeziehen der Stimme für mich sehr wichtig. Mein Kumpel Antoine Fillon, der lange Jahre bei der Schmidt Band gespielt hat, hat mir mal das Buch von Gary Chester New Breed näher gebracht. Irgendwie konnte ich damit früher als Teenager nichts damit anfangen. Ich bin seitdem ich das erklärt bekommen habe, ein sehr grosser Freund dieses Buches. Das liegt am Konzept des Buches, es würde aber den Rahmen sprengen, wenn ich das nun ausführen würde. Grundsätzlich geht es darum die Stimme einzubeziehen. Das zählen des Downbeats, des Offbeats, dass zählen der einen Stimme dessen was man gerade spielt und das zählen des Readings. Das singen des Readings mit allen Notenlänge. Das ist mal so grob das Konzept von Gary Chester’s New Breed. Das einbeziehen der Stimme ist seit, ich sag mal 17 oder 18 Jahren, mein Thema. Man muss in der Lage sein, mindestens die Viertel dazu zu sprechen, zu dem was man gerade spielt. Ob das ein Solo ist, ein Grooves ist oder was auch immer. Das ist für mich sehr sehr wichtig. Ansonsten möchte ich solistisch gesehen in der Lage sein, mich nicht zu verzetteln. Am besten kann ich das anhand von musikmachen.de aufzeigen. Das ist dort alles meistens der erste Take. Dort möchte ich in der Lage sein, spielen zu können was mir gerade im Kopf vorschwebt. Ohne dabei irgendwo hängen zu bleiben oder mich in eine Sackgasse zu bewegen. Das ist mir wichtig. Immer mit Click, mit Loop und wenn es geht mit aufnehmen. Wir als Drummer sind Timekeeper. Wir müssen die ganze Zeit daran arbeiten ein gutes Time zu vermitteln.

Ich übe auch immer Projektbezogen. Da muss ich mich einfach fit machen für diesen Job. Oder wenn ich mal mit einer Performance im Studio nicht zufrieden war, sagen wir mal wenn ich einen Walzer oder Marsch spielen musste, was man ja nicht alle Tage macht oder was auch immer. Wenn man da nicht so zufrieden damit war, arbeite ich so zu sagen nachbereitend. Ich komme da in meinen Raum und versuche das was mir nicht so gefallen hat, besser zu erarbeiten.

Alex Vesper Drumset

JDW: Was kannst du Drummern mit auf den Weg geben?

AV: Ich würde mir wünschen, dass sich junge Drummer wieder vermehrt mit sich selber beschäftigen. Mehr auf sich konzentrieren. “Dont trust the Hype” glaubt nicht das was bei den ganzen Casting Shows gezeigt wird. Ich bin da immer überrascht was Leute glauben, sie seien gut in etwas. Ein absoluter Realitätsverlust herrscht bei den Leuten. Wenn Leute in der Verwandtschaft gesagt haben, du siehst toll aus, du bist ein grossartiger Sänger du bist ein Star usw.! Musiker bzw. ein guter Drummer zu werden – Musiker zu werden bedeutet für mich sein Geld damit zu verdienen – Ich verurteile hier keine Hobbymusiker – welche auch viel erreichen können. Es ist wahnsinnig anstrengend ein guter Musiker zu werden und es braucht sehr viel Fleiss. Und das sind Tugende welche gut sind und es ist gut fleissig zu sein. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es bei einigen nach ein zwei Monaten schon erledigt ist. Wenn ich schon ein Jahr mit etwas verbracht habe, dann bin ich schon ein Gitarrist, ein Drummer, ein Sänger usw.! YouTube auslassen und selber kreativ sein finde ich gut. Viele Leute sind sehr schnell zufrieden damit, was sie machen und haben eben nicht begriffen, dass es sehr viel braucht um auf einem Instrument gut zu sein. Oder auch im Sport gut zu sein. Wenn ich da sehe das der andere schneller am Ziel angekommen ist, bin ich zu langsam. Beim Musik machen sieht man es nicht. Ich will nicht das jeder ein Profimusiker wird, um Gottes willen. Mich überrascht es wie billig Instrumente heute geworden sind, als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. So gibt es auch viele Anfänger. Dementsprechend auch viele nicht so tolle Leute.

Nochmals sich auf das wesentliche zu besinnen, fände ich toll. Rückblickend auf meine Karriere, und was sich da positiv auf mich ausgewirkt hat, sind die Bands welche ich schon ganz früh hatte. Schon mit 14 eigene Bands gegründet und so auch den Umgang mit den Musikern bzw. den Leuten gelernt. Das hat mir viel gebracht. Man muss pünktlich sein, gut vorbereitet sein und kann eben nicht immer das machen, was einem Spass macht, weil man als Band halt auch zusammen Konzerte geben möchte usw.! Das alles kommt mir heute als Dozent zugute oder auch als Musiker für mich hilfreich sind. Das habe ich sehr früh gelernt. Das man zusammen Musik macht. Es geht um das gemeinsame. Man sollte sich aufnehmen und sollte auch an der Performance arbeiten, man darf nie vergessen, dass man auch im Show Geschäft ist. jede Band sollte bevor sie ein Konzert geben oder auch nach etlichen Konzerten an seiner Präsentation arbeiten. Und auch mal eine Videoaufnahme machen und sich mal selber beurteilen, ob man glaubwürdig herüberkommt auf das Publikum. Das ganze analysiert und daran arbeitet. Ist es mir peinlich was ich spiele oder wirkt es gut.

Jeder Instrumentalist sollte sich aufnehmen. Und das ganze dann kritisch beurteilen und sich fragen, ist das gut was ich da mache? Oder muss ich noch an gewissen Punkten arbeiten bzw. Verbesserungen anbringen? Man sollte sich auch überlegen, ob man Berufsmusiker werden möchte oder mit einem anderen Job ein komfortables Leben verschaffen möchte und das Musik machen als Hobby macht. Die Zeiten sind härter geworden heute, als Musiker sein Geld zu verdienen. Da müsste es demnach eben auch einen Plan B geben. Man kann durchaus einen Day Job haben und auf erschwinglichem Equipment gute Musik machen. Man muss nicht studieren und damit seinen Lebensunterhalt verdienen. Wenn man das aber möchte, muss man sich im klaren sein, dass es sehr sehr viel Arbeit bedeutet. Und es sei gesagt, dass man danach auch Selbständig ist. Jeder der Selbständig ist, weiss was es heisst. Man muss sich um alles selber kümmern usw.! Darüber muss man sich im klaren sein, wenn man sich für diesen Weg entscheidet.

Ein weiterer Faktor ist, ich muss Musik machen. Ich habe eine grosse Motivation Schlagzeug zu spielen und Musik zu machen. Wenn das jemand nicht so hat, nicht jede Musik gerne spielt oder wie auch immer, dann muss man sich einen Plan B überlegen. Sicherlich muss ich auch nicht mehr alles machen. Habe ich aber auch eine Zeit lang gemacht. Da gab es auch blöde Jobs. Das muss man für sich selber entscheiden, kann ich das, will ich das? Oder gebe ich auf meine Band gas und versuche Postar zu werden. Sei fleissig und geniess es, Schlagzeug ist das beste Instrument der Welt. Das muss man sich klar vor Augen führen.

JDW: Danke Alex für dieses ausführliche Interview. Weiterhin viel Erfolg mit den Projekten und als Musiker.

Weiterführende Links
- Alex Vesper offizielle Webseite
- DJ Bobo
- Lena Meyer-Landrut
- musikmachen.de
- YouTube musikmachen.de Videos
- Papagallo & Gollo
- Drei vom Rhein
- iTunes Drei vom Rhein – Plays Uncle Frank

3 Kommentare

  1. Senjin
    21. Mai 2011 um 11:57 - Kommentar zitierenReply to this comment
    1

    Das Interview könnte ruhig noch einmal korrekturgelesen werden. Dennoch sehr informativ und anregend, danke!

  2. 21. Mai 2011 um 12:57 - Kommentar zitierenReply to this comment
    2

    @Senjin: Danke für das Feedback. Es kann gut sein, dass einige Sachen von der alten Version drin geblieben sind. Werde das nochmals durchgehen.

    Das ganze Projekt jazzdrummerworld.com wird nach wie vor von mir alleine gemacht. Die letzten Tage, gingen viele News, Meldungen usw. raus. Da ich noch on the road bin, konnte ich nicht alles ganz korrekt ausführen.

  3. Hellstab
    22. Mai 2011 um 12:29 - Kommentar zitierenReply to this comment
    3

    Tolles Interview!
    “Ein absoluter Realitätsverlust herrscht bei den Leuten”, so ist es!

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