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POPercussion – Bericht und Interview

Berichte Perkussion 01. April 2008 - 15:55 UHR 0 Kommentare

POPercussion LogoWährend der Musikmesse in Frankfurt, durfte jazzdrummerworld den Gründer und Inhaber von POPercussion kennen lernen. Patric Oliver Hetzinger, Musiker/Percussionist, Songwriter und Trommelbauer hat mit der Firma “POPercussion” eine Firma gegründet, welche sich auf “Cajons” spezialisiert hat.

Die POPercussion Cajon’s sind nicht irgendwelche Cajon’s auf dem Cajon Markt, sondern hochwertige Instrumente, mit neuen Sound Möglichkeiten. Nicht umsonst nennt man die Cajon’s von POPercussion auch “The Drummer’s Cajon”. Den gerade auch für Drummer, sind diese Cajon’s sehr interessant.

Professionelle Cajons Drums, handgearbeitet in Kleinserie aus erlesenen Materialien, gereift durch stetige Zufuhr von Jazz, Flamenco und Rock’n’Roll, und fein abgestimmt von einem erfahrenen Percussionisten.

Inspiriert von der Tradition peruanischer und moderner Flamenco Cajons, aber dazu bestimmt, in allen musikalischen Stilen weit darüber hinauszuwachsen.
Seit langer Zeit das Instrument schlechthin für Flamenco-Percussionisten, und die bevorzugte Alternative für Schlagzeuger: der perfekte Schlagzeug-Sound für Studioaufnahmen, akustische Gigs, ruhige Proben im Wohnzimmer, Songwriting Sessions, um’s Lagerfeuer, für Straßenmusik, und mehr… so erfolgreich in dieser Rolle, daß man sie “The Drummer’s Cajon” nennt.

jazzdrummerworld konnte ein Interview mit Patric Oliver Hetzinger führen, wo er über die POPercussion Cajon’s über deren Herstellung und anderes sprach. So konnten wir mehr über die Instrumente erfahren.

Auch jazzdrummerworld wird demnächst in den Genuss kommen, ein Cajon ausführlich zu testen. Die Firma Agner Swissdrumsticks, welcher Schweizer Vertriebspartner von POPercussion ist, wird zum testen, jazzdrummerworld ein Cajon zur Verfügung stellen.

JDW: Partic, wie bist du auf die Idee gekommen, Cajon’s herzustellen bzw. wie ist das ganze mit POPercussion entstanden?

Patric Hetzinger: Ich habe 1988 damit angefangen, Flamenco zu spielen, in Freiburg/Breisgau. Damals gab es noch keine Cajons in den Läden, aber ich sah Paco DeLucia live spielen und konnte in der Pause einen guten Blick auf die Cajon seines Perkussionisten werfen. Dann ging ich nach Hause bzw. in den Baumarkt und baute mir die erste – die ich übrigens immer noch habe! Ich baute dann noch ein paar, so im Hinterhof, das waren damals noch ganz einfache Kisten mit einer losen Frontplatte, noch ohne Saiten, ganz traditionell – das Cajon ist ja ein altes peruanisches Instrument, das es in seiner einfachen Form sicher schon zwei/drei Jahrhunderte gibt.

Als ich 1990 nach Los Angeles zog, nahm ich meine beste Kiste mit und fand dort damit sofort Anklang und Arbeit als Flamenco Perkussionist. Ich machte mir in dieser Szene einen bescheidenen Namen, und durch die Jahre hatte ich immer mal wieder eine beratende Funktion bei einem dort ansässigen Trommelhersteller, der sich in Richtung Cajons entwickeln wollte. Wir experimentierten, zuerst noch ohne, dann auch mit Saiten in den Kisten, und 1999 schlug der kreative Blitz ein: wir (er)fanden eine Saitenhalterung, die uns gefiel – die ersten Cajons mit Saiten/Snare, die in den USA gemacht wurden! Das war der Vorläufer meiner Cajons.

Da wir beide, der Trommelhersteller und ich, ziemliche Eigenbrötler waren, wollten wir aber nicht dauerhaft zusammenarbeiten. So gingen wir – in gutem Einvernehmen – mit der gemeinsamen Entwicklung getrennte Wege. Mit der Zeit, und mit vielen Stunden eigener Spielpraxis auf den neuen Cajons, war ich natürlich mit dem Sound nie so ganz zufrieden und baute weiter an der Saitenaufhängung. Was jetzt in meinen Cajons ist, ist so ungefähr die 5. Generation davon, immer verbessert.

Ende 1999 gründete ich also meine Firma, ging auch sofort mit Website auf das WWW, und baute mir daraufhin eine kleine aber hochwertige Nische auf im langsam entstehenden Cajonmarkt. Damals war die halbe Verkaufsarbeit noch einfach das Erklären, was ein Cajon überhaupt ist, heute wissen das Gottseidank schon wesentlich mehr Leute. Profimusiker waren sofort davon begeistert und bildeten einen großen Teil meiner Klientel. Flamencomusiker waren natürlich unter den ersten Kunden, doch in den letzten Jahren greifen immer mehr Drummer zum Cajon. Man erkennt wohl die Möglichkeit, mit wenig Aufwand – oder Aufbau – einen ziemlich großen Effekt hervorrufen zu können. New York, Seattle und andere Großstädte waren von Anfang an ein großer Markt für mich, wahrscheinlich weil das Cajon so einfach auf Gigs mitzunehmen ist in U-Bahn oder Taxi. Auch in Nashville, Hauptstadt der Countrymusik, wurden viele gekauft.

2007 bin ich dann nach 17 Jahren Los Angeles wieder nach Deutschland zurückgekehrt, in meine Heimatstadt Lahr. Ich hatte Heimweh, und genug von der Großstadt – und es war eine sehr gute Entscheidung! Jetzt bin ich voll dabei, POPercussion Cajon Drums hier zu bauen und in Europa bekannt zu machen.

Patric in LA - Studio
JDW: Was ist das besondere an deinen Cajon’s, was zeichnet diese aus und unterscheidet diese von anderen Cajon’s von anderen Herstellern?

PH: Was meine Cajons wohl am meisten von anderen unterscheidet sind hauptsächlich vier Elemente: die Saitenhalterung, das seitliche Schallloch, das Fehlen von jeglichen Dämpfern, und die sehr hohe Dymanik in Klang und Lautstärke. Im Detail:

– Die Saitenhalterung ist eine komplett eigenständige Entwicklung von mir, sie hat nichts mit anderweitig existierenden Mechanismen zu tun. Sie arbeitet mit Mandolinenstimmböckchen, jede Saite ist einzeln aufgehängt und kann individuell beeinflußt werden. Das ist wichtig, denn die Saiten werden locker durch das Spielen, aber eben selten gleichmäßig! Ich verwende speziell für mich hergestellte Saiten, die ich über die Jahre konzipiert und verfeinert habe, um genau den Snareeffekt hinzubekommen, den ich hören möchte. Ich liebe eine deutliche, kraftvolle Snare, die Snare muß ganz einfach herausknallen, wenn man laut spielen will. Ich habe mir selbst schon so oft die Hände wundgespielt mit Cajons, die in den hohen Tönen einfach nicht richtig abgingen, das Problem wollte ich ein für allemal hinter mich bringen.

Cajon Werkstatt

– Das seitliche Schalloch bringt zwei Funktionen mit sich: einmal beschert es uns einen schönen runden Basston mit leichtem Sustain, denn der Ton wird durch die Resonanz der parallelen Flächen vorne und hinten erzeugt (wie beim Schlagzeug auch). Zum anderen macht es die Cajons alle doppelseitig, denn die Fläche hinten kann natürlich gespielt werden. Ich habe 4 verschiedene Modelle, und sie unterscheiden sich z.T. durch die Art der Kombination dieser beiden Schlagflächen, mehr dazu unter 3.

– Keine Dämpfung: Im Gegensatz zu den meisten Cajons auf dem Markt, die fast ausnahmslos sehr trocken klingen und irgendeinen Dämpfungsmechanismus beinhalten, haben meine Cajons einen Eigenton – zu vergleichen mit einem Jazz-Drumset, wo die Basstrommel und Toms ja auch kurze Eigentöne haben. Die Länge der Töne ist wiederrum von Modell zu Modell verschieden, dazu mehr unter 3. Auch komme ich ganz ohne Saitendämpfung aus, da die Art der Saitenaufhängung es mit sich bringt, daß sie nicht ungewollt surren oder klirren. Zusammen ergibt das Cajons die einen sehr vollen Ton haben, der trägt und sie weithin hörbar werden läßt. Hier auch wieder: ich habe mir zu oft mit zu leisen Cajons die Hände wundgespielt, um meine eigenen irgendwie dämpfen zu wollen. Ich bin froh, wenn sie “volle Kanne” tönen. Wenn man sie denn in einer Situation dämpfen will, kann man das mit etwas Handtechnik (oder einem alten Pullover, den man hineinwirft…) immer noch tun.

– Dynamik: Das Fehlen der Dämpfung im Verbund mit der großen Resonanz der parallelen Flächen bringt mir die größtmögliche Lautstärke (ich habe mir sagen lassen, daß meine Cajons sehr laut sind!). Am anderen Ende des Spektrums funktioniert das auch, so daß man die Instrumente auch sehr leise spielen kann, oder mit Besen, und trotzdem noch die volle Definition der Klänge hat. Eine Kombination von meiner Saitenaufhängung und dem hochwertigen Material, das ich für die Schlagflächen verwende (das schon “singt” wenn man es noch als Platte anschlägt) sorgt für sehr hohe Anschlagsdynamik. Meine Cajons kann man wirklich über die ganze Bandbreite spielen, vom Flüstern bis zum Brüllen. Und immer mit deutlichem, klarem Klang!

Patric - Jazz Session

JDW: Welche Modelle hast du im Angebot?

PH: Ich habe 4 Modelle, die sich wie folgt unterscheiden:

- Flamenco Box: Die Allround Cajon. Vorne die Schlagfläche mit Saiten, hinten geschlossen. Vorne der Klang wie ein Drumset, hinten wie eine Conga. Runder Bass mit leichtem Sustain. Die vordere Schlagfläche hat als zusätzliches Klang-Feature auch noch oben offene Ecken, die wie Sidesticking klingen (Holz-auf-Holz schlagen). Man hat also wirklich 3 getrennte Klänge: Bass, Snare, und Sidesticking.

- BigBass Box: Cajon mit größerem Korpus, und rundherum geschlossen. Vorne mit Saiten/Snareeffekt, hinten wie eine große Conga. Ich vergleiche diese Kiste gerne mit Schlagzeug in der Richtung von John Bonham, groß, fett und laut. Tieferer Basston und längstes Sustain aller Modelle.

- Basic Box: Retro-Cajon, Rückgriff auf die Zeiten vor dem Saiten-Snareeffekt. Sehr traditioneller peruanischer Sound, der hohe Klang wird nur durch das Rattern der Klangfläche produziert, keine Saiten werden verwendet. Ganz spezieller Klang, trocken in den Höhen und rund im Bass. Und soviel ich weiß, bietet das keine andere Firma in dieser Weise an.

– Yayo Box:
Mein neuestes Baby, eine Kombination von Flamenco Box auf einer Seite und Basic Box auf der anderen. Saiten-Schlagfläche vorne mit den Sidesticking Ecken, und traditionelle Seite hinten. Wirklich vielseitig in den Höhen, mit kräftigem Bass und dem relativ kürzesten Sustain aller Modelle.

Patric - Jazz Session

JDW: Wo werden die Cajon’s hergestellt?

PH: Die Cajons werden in Lahr/Baden, Deutschland, (in der Nähe von Freiburg im Breisgau) hergestellt, nach meinen Vorgaben und unter meiner Leitung. Ich arbeite hier mit einem sehr guten Schreiner zusammen, und mache selbst einige Produktionsschritte – hauptsächlich die Saitenaufhängung und ähnliche “empfindliche” Arbeiten.

JDW: Mit Agner Swiss Drumsticks hast du zudem einen idealen Vertriebs Partner gefunden, für deine Cajon’s. Wie kann man die Cajon’s bei dir bestellen, wenn man nun Interesse an einer Cajon Box von POPercussion hat?

PH: Ganz einfach: Am besten man emailt mir, oder ruft an: patric@popercussion.com, +49-(0)7821-327645. In der Schweiz kann man auch gerne bei Paul Agner direkt bestellen: agner@bluewin.ch, +41-41-4503950. Wir verkaufen direkt an Musiker und an Musikhäuser und Drumstores. Ein neuer Webshop ist auch in Arbeit – der alte war ganz auf USA ausgerichtet, jetzt gestalten wir alles um für den neuen Standort in Europa. Aber natürlich versenden wir auch nach wie vor weltweit, daran ändert sich nichts.

JDW: Du bist selbst aktiver Musiker. Wo bist du überall dabei, bei welchen Projekten bist du dabei?

PH: Ich bin teilweise noch am Suchen! Einmal bin ich ja auch Sänger und Songwriter, und in der Richtung habe ich hier in Lahr mit zwei alten Musikerfreunden ein Originalmusik Projekt angefangen, moderner Rock/Pop mit deutschen Texten (jetzt, wo ich so richtig gut englisch singen kann…:)). Wir sind fest am Schreiben, und dürften gegen Ende des Jahres bühnenreif sein, wenn alles gut geht. Ich sag’ dann Bescheid!
Auf der anderen Seite habe ich in LA am Schluß sehr viel Jazz gespielt, meistens in kleinen Formationen, als einziger Drummer/Perkussionist, und fast nur auf Cajon. Jazzbesen auf Cajon kommt extrem gut für Swing, besonders mit Gitarre/Bass/Violine, oder ähnlich “leisen” Besetzungen. In dieser Richtung suche ich noch dringend Kontakte! Jazz im weitesten Sinne, auf Cajon, Congas, anderen Perkussionsinstrumenten (ich habe eine anständige Sammlung!) – ich liebe es, improvisierte Musik zu spielen! Wenn dies jemand liest, der an meinen Fähigkeiten dahingehend interessiert ist, bitte melden! Und letztlich, Flamenco spiele ich auch immer wieder noch, das steckt halt im Blut!

Danke Patric für dieses Gespräch. jazzdrummerworld wünscht dir viel Erfolg mit den POPercussion Cajons!

Alle weiteren Informationen mit Soundbeispielen der einzelnen Cajons und vieles mehr über POPercussion findet man unter popercussion.com.

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