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Lack, Leder und die Seele des Instruments – Giannini Swiss Drums

Drums & Co. 22. März 2013 - 16:06 UHR 0 Kommentare
An einem tief verschneiten Vormittag in Zürich. Kaum jemand wagt sich vor die Tür. Ideale Voraussetzungen für ein Interview mit dem Trommelbauer Andreas Ermatinger. Der Autor hatte allerdings nicht mit dem Telefon gerechnet, welches anstelle der eintretenden Kundschaft andauernd klingelt. Nachdem auch dieses Problem mittels Beantworter entschärft werden konnte, offenbart sich nach und nach, warum der Mann so begehrt ist.

Giannini Swiss Drums

Der Kopf ist rund, die Trommel ist rund

„Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann.“ Dies erkannte schon der französische Maler und Dichter Francis Picabia und vielleicht ist die Trommel deshalb rund, weil sich damit dermassen viel anstellen lässt, bzw. sich damit die verschiedensten musikalischen Richtungen bedienen lassen. Keine Instrumentengruppe ist so vielfältig und beinahe unübersichtlich wie diejenige der Schlaginstrumente. Gleichzeitig sind sie neben der Stimme die ältesten instrumente überhaupt.

Der Bootsbauer aus Brüssel

1929 gründete der von Brüssel herkommende Bootsbauer und Musiker Eugen Giannini in Zürich die gleichnamige Firma. Er hat damals viel für die Schweizer Traditionsfirma Imperial gearbeitet und versuchte sich als Trommelbauer zuerst in seiner Küche, bevor er neuartige Ideen rund um den Transport von Schlaginstrumenten entwickelte. Daneben hat er Ständermaterial hergestellt und nicht zuletzt das legendäre, zusammensetzbare Schlagzeug im Babuschka-Stil gebaut, welches heute eine gesuchte Rarität darstellt.

Giannini Swiss Drums

Der Neue

Das Schlagzeugspiel war für Andreas Ermatinger ein Bubentraum und sein Vater, selber Musiker, unterstützte und bestärkte den jungen Andreas darin, die vielfältige Welt des Schlagzeugs zu erkunden. Zu Beginn bearbeitete er jahrelang die Marschtrommel in der Zürcher Knabenmusik, bevor er schliesslich zum Drum-Set wechselte. 1985 hat Andreas Ermatinger die Firma übernommen und fand sich gleich am Puls der Zürcher Schlagzeugergemeinde. Es war damals die Zeit der grossen, überdimensionierten Bass-Drums und Toms. Bald darauf war man dran, die klanglichen Aspekte des Instrumentariums (wieder) zu entdecken. Genau dort setzte Andreas Ermatinger an.

Faszination Trommelbau

Obwohl man z.b. auch bei Streichinstrumenten nicht immer abschliessend erklären kann, warum das eine besser als das andere klingt, ist die Herstellung derselben doch einigermassen umfangreich dokumentiert. Bei der Herstellung von Trommeln, bzw. deren Kessel wurde wenig bis nichts Verbindliches aufgeschrieben. Die Entwicklung des Schlagzeug-Sets ist auch die Geschichte der Industrialisierung. Die Instrumente wurden zwar bald genauer und präziser hergestellt. Dabei klangen und klingen sie erstaunlicherweise aber nicht zwingend besser. Ermatinger benutzt, je nach Wunsch des Kunden (und der Preisklasse), Kessel von verschiedenen Herstellern. Eine Spezialität ist der in Handarbeit gedämpfte und gebogene Kessel mit oder ohne Verstärkungsreifen. Dieses Verfahren ermöglicht eine absolut spannungsfreie Trommel und gibt perfekt die klangliche Wärme des Holzes wider. Dabei spielt weniger die Art des Holzes, als vielmehr dessen Dichte, bzw. das Gewicht eine massgebliche Rolle bei der Klangentfaltung. Dieses Verfahren kommt natürlich nur bei den hochpreisigen Serien zum Zuge. Für die preisgünstigeren Set’s greift Ermatinger auf Kesselmaterial aus Fernost zurück.

Giannini Swiss Drums

Die Seele des Instruments

Weil auch alte Instrumente so etwas wie eine Seele besitzen, legt Andreas Ermatinger grossen Wert darauf, bei Reparaturen die Grundstruktur der Instrumente möglichst nicht zu verändern, was ihn zuweilen vor grosse Herausforderungen stellt. Diese Arbeiten schätzt Ermatinger besonders, gibt es hier doch immer wieder Neues zu entdecken und dazuzulernen. Repariert wird praktisch alles, was mit Schlaginstrumenten zu tun hat. Seien es wiederherstellende Arbeiten an 200-jährigen Kesselpauken, Abhebungen von alten Snare-Drums, oder auch das Aufziehen von neuen Naturfellen auf komplette Schlagzeug-Sets.

Identifikation mit dem Instrument

Eine weitere Spezialität des Hauses Giannini gilt dem Selberbauen. Als wohl einziger Hersteller bietet Andreas Ermatinger vor allem jungen SchlagzeugschülerInnen an, das eigene Set in der Werkstatt zusammenzubauen. Der Gedanke dahinter ist bestechend und einfach zugleich. Das Schlagzeug-Set ist eines der wenigen Instrumente, welches allermeistens ohne direkten Körperkontakt gespielt wird. Zwischen dem Spieler und dem Instrument ist der Schlagzeugstock. Somit fehlt die körperliche Bindung. Mit dem Bau des eigenen Instrumentes wird diese Ebene der Identifikation hergestellt. Gleichzeitig lernt der angehende Schlagzeuger viel über Bauweise, Klangverhalten und die verschiedenen Stimmungen des Schlagzeugs. Die Folge davon ist in vielen Fällen ein häufigeres und konzentrierteres üben am Instrument und damit verbunden, einfach mehr Spielfreude.

Giannini Swiss Drums

Lack & Leder

Andreas Ermatingers Forschungsdrang kennt wenig Grenzen. So wurde auch schon mal ein komplettes Schlagzeug-Set vergoldet, um den daraus entstehenden klanglichen Nuancen nachzulauschen. Nicht schlecht staunt man auch über ein Schlagzeug-Set in Leder. Selbstverständlich sind auch die verschiedensten Kesseltiefen und-dicken in diversen Hölzern möglich. Von den speziellen Lackierungen ganz zu Schweigen. Und weil Ermatinger offen und an Austausch mit anderen Herstellern interessiert ist, vertreibt er exklusiv für die Schweiz die legendären Snare-Drums von Billy Gladstone, welche seinen Qualitätsvorstellungen entsprechen und welche er somit mit bestem Gewissen seinen Kunden empfehlen kann. Überhaupt gleicht seine Werkstatt einem eigentlichen Treffpunkt der Zürcher Schlagzeugergemeinde. Hier wird ausgetauscht, diskutiert und viel, viel Kaffee getrunken.

Kontakt

Giannini Swiss Drums
Andreas Ermatinger
Aegertenstrasse 8
CH-8003 Zürich
++41 (0)44 461 76 43
www.giannini-drums.ch

Infos zum Artikel

Zu Besuch beim Trommelbauer Andreas Ermatinger
Text und Fotos: Christian Wolfarth

Der Artikel ist erschienen in der JAZZ’N’MORE Ausgabe März/April Nr. 2013 und wurde JazzDrummerWorld freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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