Yamaha Interview mit David Garibaldi

Das folgende Interview mit David Garibaldi wurde von Yamaha (Alexis Amitirigala) geführt und mit freundlicher Genehmigung für jazzdrummerworld.com zur Verfügung gestellt.
Seit 1968 hat die Soul-Band Tower of Power nicht nur Legendenstatus erreicht, sondern auch visionäre Instrumentalisten wie Bassist Rocco Prestia oder Drummer David Garibaldi hervorgebracht. Ein Gespräch mit Garibaldi über seine Band, songdienliches Drumming und das Geheimnis hinter der Tower of Power Rhythm Section.
AA: Dave, Du beschreibst Dich als Band-Drummer. Was meinst Du damit?
DG: Ich mag es, in einer Band zu spielen und Teil eines Kollektivs zu sein. Ich mag Interaktion, das Zusammenspiel mit einem Bassisten und die Suche nach einem eigenen Sound. Dies alles ermöglicht mir Tower of Power. Meine Philosophie ist es, Drumparts so zu entwerfen, dass sie den Song unterstützen und formen. Die Herausforderung dabei besteht darin, die Musik sowohl für die Zuhörer als auch für mich spannend zu gestalten. Ich liebe es, unkonventionelle Drumparts auszuhecken, aber sie müssen immer zur Musik passen. Das ist entscheidend. Das schönste Kompliment, das ich je erhalten habe, kam von jemandem, der sagte: „Ich liebe die Art, wie du Songs spielst“. Es ist immer mein Ziel gewesen, Songs um der Songs willen zu spielen.
Deine Grooves tragen eine unverwechselbare Handschrift und sind ein elementarer Bestandteil von Tower of Power-Songs. Wie hat sich das entwickelt, wo liegen Deine Anfänge?
DG: Als Teenager liebte ich Jazz und R&B. Das sind meine Wurzeln. Zu jener Zeit war man vor allem als Jazzer ein glaubwürdiger Musiker. Ich entschied mich also für den Jazz. Als ich dann aber die Soul-Legende James Brown zum ersten Mal live sah, wusste ich: Ich wollte Soul spielen. Ich liebte Latin, Jazz und Soul, und diese Musik hat meinen Stil geprägt. Aber ich suchte auch immer nach neuen, unkonventionellen Ausdrucksformen. Ich nehme an, daraus hat sich meine eigene Handschrift entwickelt.
AA: Du hast in den frühen 70ern komplexe Grooves in die Soulmusik eingeführt, vergleichbar mit den Linear Phrasing-Beats von Harvey Mason oder Mike Clark im Fusion-Bereich jener Zeit ..
DG: Als junger Drummer war es für mich eine stetige Herausforderung, mit unseren Songs an die Grenzen vorzustossen. Heute interessiert mich Komplexität im Drumming nicht mehr wirklich. Ich befasse mich lieber mit der Finesse von Grooves und der Kunst, Songs stimmig zu spielen.
AA: Trotz der Dichte von Drumparts etwa in “What is Hip”, “Squib Cakes” oder “Soul Vaccination” kommen diese Songs sehr organisch und geschmeidig daher. Die Grooves klingen nicht überladen. Wie hast Du diese Balance zwischen Komplexität und Unangestrengtheit hingekriegt?
DG: Ich denke diese Fähigkeit zeichnet Tower of Power als Ganzes aus. Die Band hat es geschafft, immer eine gewisse Strassenqualität zu bewahren und trotzdem intelligent arrangierte Songs zu schreiben. Das macht die Musik zugänglich und interessant zugleich. Wir waren sehr jung, als wir unsere ersten Alben aufnahmen. Wir arbeiteten hart an unserem Bandsound und probten sieben Tage die Woche, wenn nicht gerade Konzerte oder Studiosessions anstanden. Das war die Grundlage für unseren Erfolg
AA: Zum Schluss: Was ist das Geheimnis hinter der Tower of Power Rhythm Section, welcher neben Dir auch Basslegende Rocco Prestia angehört?
DG: Im Grunde ist es ganz einfach. Wir hören einander zu. Rocco hat seine Antennen immer ausgefahren, ist immer mitten in der Musik. Hinhören ist der Schlüssel.
Dieses Interview kann man auch als PDF laden.
Quelle: yamaha-europe.org
Interview by: Alexis Amitirigala







